21.05.2015
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wissen.de Artikel

Voraussetzungen für ein Studium an der Berufsakademie

Die formellen Zulassungsvoraussetzungen für ein Studium an einer Berufsakademie sind nicht allzu umfangreich. Trotzdem ist es gar nicht so einfach, einen Studienplatz zu bekommen. Es gibt wesentlich mehr Bewerber als Studienplätze. Wichtig sind gute Noten und ausgezeichnete soziale Kompetenzen, die so genannten Soft Skills.

Zulassungskriterien

Zwei Dokumente müssen die Bewerber für die Zulassung zum BA-Studium einreichen:

  1. Die allgemeine Hochschulreife oder die fachgebundene Hochschulreife bzw. den Fachhochschulabschluss;
  2. einen Ausbildungsvertrag mit einem geeigneten Unternehmen.

Besonders qualifizierte Berufstätige ohne Abitur können unter bestimmten Voraussetzungen und nach Prüfungen zugelassen werden (§ 8a BAG). In den Berufs- und Wirtschaftsakademien in Niedersachsen und Schleswig-Holstein genügt zum Teil auch die Fachhochschulreife als Zugangsvoraussetzung. Dies hängt damit zusammen, dass die Akademien in diesen Ländern kein Diplom verleihen und die Abschlüsse dem Fachhochschulabschluss nicht gleichgestellt sind.

Einen Numerus clausus gibt es bei den Berufsakademien nicht. Ein Notendurchschnitt von mindestens 2,5 oder besser erhöht aber die Chancen, eine Einladung des Wunschunternehmens zum Auswahlgespräch zu bekommen. Die größte Hürde, die es auf dem Weg zu einem BA-Studium zu überwinden gilt, ist der Ausbildungsvertrag. Da die Zahl der Interessenten jedes Jahr die Zahl der verfügbaren Studienplätze um ein Vielfaches übersteigt, ist es gar nicht so einfach, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Abiturienten müssen sich meist bei mehreren Unternehmen bewerben und durchlaufen dort ein umfangreiches Auswahlverfahren. Viele Unternehmen laden zu einem Vorstellungsgespräch und/oder zum Assessment-Center ein. Dort heißt es mächtig Eindruck zu machen. Neben einem guten Notendurchschnitt zählen da vor allem Soft Skills:

  • Fähigkeit zu selbstständigem und teamorientierten Handeln
  • Mobilität und Flexibilität
  • Bereitschaft zu Auslandsaufenthalt
  • Vorhandene Auslandserfahrungen
  • Engagement, Belastbarkeit und Kreativität
  • Studiengangbezogene Fähigkeiten, wie z. B. ein gutes räumliches Vorstellungsvermägen für Maschinenbauer.

Hat ein Bewerber Ausbildungsvertrag und Reifezeugnis in der Tasche, sind die formalen Voraussetzungen erfüllt. Keineswegs immer Pflicht, aber durchaus zu empfehlen ist ein vier- bis achtwöchiges Vorpraktikum. Gerade für technische oder sozialpädagogische Studiengänge ist dieses vorteilhaft. Es erleichtert den Studierenden den Einstieg in ihr Fach und dient auch als eine Art Test, ob die gewählte Fachrichtung wirklich die richtige ist. Jeder Bewerber muss auch den Willen mitbringen, sich drei Jahre intensiv der Ausbildung zu widmen. Männliche Bewerber sollten Wehrdienst oder Zivildienst bereits abgeleistet haben.

Im Bereich Technik organisieren einige Akademien einen verpflichtenden Vorkurs in Mathematik und Physik, denn gute Kenntnisse sind hier lebensnotwendig.

Für Bewerber aus dem Ausland gilt zusätzlich:

  • Nachweis deutscher Sprachkenntnisse
  • Nachweis der Gleichwertigkeit der ausländischen Reifeprüfung

Wie sieht das Bewerbungsverfahren konkret aus?

Bei einer Berufsakademie kann man sich als (Fach-)Abiturient nicht einfach einschreiben. Da die Ausbildung zur Hälfte im Betrieb stattfindet, müssen Sie zunächst einmal einen entsprechenden Ausbildungvertrag in Händen halten.

Am Anfang steht somit zunächst die persönliche Bewerbung um einen Ausbildungsplatz bei einem geeigneten Unternehmen. Dabei gibt es mehrere Wege, die von der Akademie und vom Studiengang abhängen:

  • Sie erkundigen sich bei der Berufsakademie nach einer aktuellen Liste der Ausbildungsfirmen je Studienbereich und bewerben sich bei einer oder mehreren Firmen direkt um einen Ausbildungsplatz.
  • Sie sprechen Firmen, die nicht in diesen Listen stehen, persönlich an. Vor Abschluss eines Ausbildungsvertrages sollten Sie dann jedoch bei der Berufsakademie anfragen, ob dieses Unternehmen geeignet ist. Die zuständigen Fachleiter nehmen meist für die Studenten Kontakt mit dem Unternehmen auf, um es über Studium und Praxisausbildung zu informieren und die Eignung des Betriebes zu prüfen.
  • Sie senden eine Kurzbewerbung an die Akademie, die diese dann an interessierte Ausbildungsstätten weitergibt.
  • Sie bekommen einem Beratungsgespräch mit einem der Fachleiter der Akademie mögliche Ausbildungsträger genannt, an die Sie dann Bewerbungen schicken.

Wer von einer Ausbildungsstätte in die engere Wahl gezogen wird, erhält von dort die Einladung zu einer persönlichen Vorstellung. Hier muss der Bewerber je nach Unternehmen unterschiedliche Verfahren durchlaufen. Das kann vom Auswahlgespräch über einfache Tests bis zum Assessment Center reichen. Vor allem große Konzerne unterziehen ihre Bewerber einer sehr genauen Prüfung. In der Informationsbroschüre für die BA-Ausbildung beim Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler heißt es beispielsweise: "Bei uns müssen Sie dreimal Eindruck machen: mit Ihrer Bewerbung, bei einem (etwa halbstündigen) Auswahlgespräch und bei dem eintägigen Auswahltag".

Ist das Auswahlverfahren abgeschlossen, wählt das jeweilige Unternehmen die geeigneten Bewerber aus und schließt mit diesen einen Ausbildungsvertrag ab. Dieser ist formal vom Kuratorium der Berufsakademie vorgegeben. In dem Ausbildungsvertrag sind geregelt:

  • die Ausbildungszeit,
  • der Ort der Ausbildungsstätte für die praktische Ausbildung,
  • die Pflichten der Ausbildungsstätte und die Pflichten des Studierenden,
  • die Vergütungen und sonstigen Leistungen während der Ausbildungszeit,
  • die Kündigung und
  • sonstige Vereinbarungen.

Ist der Ausbildungsvertrag mit dem Unternehmen unterzeichnet, erfolgt die Zulassung zum Studium durch die jeweilige staatliche Studienakademie. Dazu werden von den Studenten benötigt:

  • eine beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses - zum Teil auch Fachabitur
  • ein Exemplar des Ausbildungsvertrages. Vertragsformulare sind bei der Berufsakademie erhältlich
  • ein oder mehrere Fotos

Große Nachfrage

Wegen der hohen Attraktivität der Ausbildung an der Berufsakademie, ist auch die Nachfrage sehr groß. Die Zahl der Bewerber übersteigt die Zahl der Plätze, die von den Unternehmen angeboten werden, jedes Jahr um ein Vielfaches. Abiturienten sollten sich deswegen mindestens ein Jahr vor dem geplanten Studienbeginn um einen Ausbildungsplatz bewerben, in manchen Fachrichtungen oder bei großen Konzernen sogar eineinhalb Jahre vorher.

Begrenzte Fördermöglichkeit

BA-Studierende können unter Umständen auch BAföG erhalten. Da aber die Ausbildungsvergütungen meistens über den Bedarfssätzen liegen, kommt im Regelfall eine Förderung nicht in Betracht.

Studiengänge

Eine Übersicht über das vielfältige Studienangebot an Berufsakademien finden Sie hier.