21.05.2015
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Hochschularten in Deutschland

Die Hochschullandschaft in Deutschland ist sehr groß. Derzeit existieren hierzulande 349 Hochschulen. Diese spalten sich in etliche verschiedene Hochschularten auf. Dazu kommt zusätzlich das Angebot der Berufsakademien/Dualen Hochschulen. Verschaffen Sie sich zur ersten Orientierung einen Überblick!

Hochschultypen

Die verschiedenen Hochschularten in Deutschland:

  • Universität
  • Technische Universität
  • Fachhochschule
  • Universität-Gesamthochschule
  • Pädagogische Hochschule
  • Kunst- und Musikhochschule
  • Kirchliche und Theologische Hochschule
  • Fachspezifische Hochschulen
  • Private Hochschulen
  • Verwaltungsfachhochschule
  • Berufsakademien/Duale Hochschulen
  • Fernuniversität
  • Berufsfachschule
  • Fachakademie

Universität

Universitäten sind wissenschaftliche Hochschulen, die das breiteste Fächerangebot aufweisen. Es umfasst in der Regel die Sprach- und Kulturwissenschaften, die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die Naturwissenschaften, die Medizin, die Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften sowie die Ingenieurwissenschaften. Bei einem Studium an einer Universität überwiegt die theoretische Ausbildung sehr deutlich. Wissenschaftlich-analytische Fähigkeiten sind hier gefordert. Praxisorientierte Lehrveranstaltungen sind in den meisten Fächern Mangelware. Es sind wesentlich weniger Praktika oder Praxisteile vorgeschrieben als an Fachhochschulen oder gar an den Berufsakademien. Diesem Manko steht die Möglichkeit zu umfassender Bildung entgegen. Die Wahl und Kombination der (Neben-)Fächer ist relativ frei. Der Studienalltag an einer Universität ist wenig verschult und bietet den Studierenden viel Freiraum und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht sind die Ausnahme. Diese Freiheit ist auch als Herausforderung zu verstehen, denn es besteht die Gefahr, schnell die Orientierung zu verlieren.

Technische Universität

Die technischen Universitäten bzw. Hochschulen sind den Universitäten gleichgestellt, ihr Schwerpunkt liegt jedoch bei den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen. Einige haben im Laufe der Zeit ihr Fächerangebot erweitert und bieten mittlerweile auch geisteswissenschaftliche Studiengänge an. Zulassung, Studienalltag und Anforderungen an die Studierenden entsprechen denen der Universitäten.

Fachhochschule

Das Studium an einer Fachhochschule orientiert sich stark an den praktischen Anforderungen im späteren Beruf. Lehrveranstaltungen sind deutlich praxisorientierter. Die meisten Fächer erfordern ein einschlägiges Praktikum von einigen Monaten bis zu einem Jahr, meistens vor dem Studium. In manchen Fächern muss auch eine Arbeitsmappe vorgelegt werden. Das Studium ist relativ straff organisiert, verschult und in den meisten Seminaren herrscht Anwesenheitspflicht. Die durchschnittliche Studiendauer beträgt vier bis viereinhalb Jahre und ist damit kürzer als an der Universität oder Technischen Universität. Das Fächerangebot an den Fachhochschulen umfasst die Bereiche Ingenieurwesen, Wirtschaft, Sozialwesen, Land- und Forstwirtschaft, Gestaltung und Design, Architektur und Innenarchitektur sowie Übersetzen und Dolmetschen.

Universität-Gesamthochschule

Gesamthochschulen entstanden in den 70er Jahren und verbinden die verschiedenen Merkmale von Fachhochschule und Universität. Die "theoretischen" und "praktischen" Zweige der Hochschulen wurden zusammengeführt, die fächerübergreifende Forschung und Lehre vereinfacht. Hierdurch sollte eine zügigere und kostengünstigere Ausbildung gewährleistet werden, als dies bei einer rein universitären Ausbildung möglich ist. Gesamthochschulen existieren heute nur in Nordrhein-Westfalen und Hessen und bieten universitäre Studiengänge, Fachhochschulstudiengänge und so genannte integrierte Studiengänge mit gestuften Diplomabschlüssen nach drei oder vier Jahren an. Studierende haben hier die Möglichkeit, auch während des Studiums noch zwischen verschiedenen Studiengängen und Abschlüssen zu wählen.

Pädagogische Hochschule

Die Pädagogischen Hochschulen sind ein Hochschultyp in Baden-Württemberg, der den Universitäten gleichgestellt ist. Sie bilden Lehrer für die Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen aus. Die Lehramtsstudiengänge der Pädagogischen Hochschulen gliedern sich in den erziehungs-wissenschaftlichen Bereich, den fachwissenschaftlich-fachdidaktischen Bereich, den Bereich Interdisziplinäres Lehren und Lernen sowie in den Bereich der schulpraktischen Ausbildung. Allgemein ist die Lehrerausbildung jedoch in die Universitäten integriert.

Kunst- und Musikhochschule

Kunst- und/oder Musikhochschulen bereiten auf den Beruf des freischaffenden Künstlers bzw. Musikers vor, aber auch auf eine Tätigkeit im pädagogischen oder therapeutischen Bereich künstlerischer Disziplinen. Zulassungsvoraussetzungen, Aufnahmeverfahren und Studium an einer Kunst- oder Musikhochschule unterscheiden sich erheblich von denen an einer Universität. Die Studierenden müssen nachweisen, dass sie sich für den Beruf des Künstlers bzw. Musikers eignen. Dazu müssen sie eine Mappe mit Arbeitsproben einreichen, in der Regel eine künstlerische Klausur bestehen und ein Auswahlgespräch durchlaufen. Angehende Musiker müssen eine musische Vorbildung nachweisen, die sie z.B. durch Mitwirkung im Schulorchester oder Schulchor, durch Unterricht an Musikschulen und durch Privatlehrer, durch Teilnahme an allen Formen des aktiven Musizierens und an Wettbewerben erworben haben. Wer eine überdurchschnittliche künstlerische Begabung nachweist, kann auch ohne Hochschulreife (nicht in allen Studiengängen) zugelassen werden. Das Studium ist deutlich verschulter als an Universitäten und folgt einem festen Lehrplan, der wenig Raum für freie Fächerwahl lässt.

Kirchliche und Theologische Hochschule

Neben den theologischen Fakultäten an den Universitäten unterhalten die Kirchen eigene Hochschulen, an denen Theologie, Kirchenmusik, Christliches Sozialwesen etc. unterrichtet wird. Zu den ältesten heute existierenden kirchlichen Hochschulen gehören Paderborn (gegründet 1614) und Fulda (gegründet 1734). Viele ehemalige kirchliche Hochschulen sind in Universitätsneugründungen aufgegangen, z.B. Bamberg und Passau. Dennoch existieren noch einige Kirchliche Hochschulen in Deutschland, die den Universitäten gleichgestellt sind. Ihre Studiengänge und Studienabschlüsse sind in der Regel staatlich anerkannt.

Fachspezifische Hochschule

Spezielle Fachgebiete stehen an einigen Hochschulen im Mittelpunkt. Dazu gehören die Medizinische Hochschule und die Tierärztliche Hochschule in Hannover sowie die Medizinische Universität Lübeck. In Köln bilden die Deutsche Sporthochschule und die Kunsthochschule für Medien hoch qualifizierte Fachkräfte aus. Die Filmhochschulen in München, Potsdam-Babelsberg und an der Filmakademie Ludwigsburg decken mit ihrem Studienangebot den gesamten Bereich Film, Fernsehen, Medien ab. Schließlich bietet die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer ein verwaltungswissenschaftliches Aufbaustudium für Angehörige des öffentlichen Dienstes an, wobei regelmäßig ausländische Studierende unter den Hörern sind.

Private Hochschule

Viel Bildung gegen Geld für wenige Studenten - das ist das Motto der privaten Universitäten. Mit kleinen Klassen und einer gesunden finanziellen Ausstattung der Hochschule versuchten ihre Gründer die Qualität der Lehre gegenüber den staatlichen Universitäten zu verbessern. Heute werben sie mit Praxisnähe, Internationalität und Rund-um-Betreuung um die besten Abiturienten des Landes mit finanzkräftigem Elternhaus. Das Fächerangebot beschränkt sich auf einige wenige Bereiche. Den Schwerpunkt der privaten Lehre bilden die Wirtschaftswissenschaften, Informatik sowie Technik und Naturwissenschaften. Studienbedingungen, Ausstattung und die Relation von Professoren zu Studierenden sind für die Studenten privater Hochschulen besser als bei den staatlichen Pendants. Überfüllte Hörsäle und fehlende Computerarbeitsplätze gibt es hier nicht. Kleine Lerngruppen, hohe Leistungsdichte, Teamarbeit, Unterstützung von Top-Sponsoren aus der Wirtschaft, häufig eine mindestens zweisprachige Ausbildung sind Kennzeichen der Privaten. Die Kehrseite der Medaille sind die verhältnismäßig hohen Studiengebühren von 500 Euro und mehr pro Monat.

Fachhochschule des Bundes

Der Bund und die einzelnen Länder haben eigene Fachhochschulen für Öffentliche Verwaltung. An diesen können Abiturienten und Fachabiturienten eine drei- bis vierjährige Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt durchlaufen. Die so genannte gehobene Laufbahn, auch Inspektorenlaufbahn genannt, wird als eineinhalbjähriges fachbezogenes Studium absolviert. Wie bei der Ausbildung an einer Berufsakademie erhalten die Studierenden während der gesamten Zeit eine Ausbildungsvergütung. Die meisten nichttechnischen Ausbildungen im Staatsdienst sind Verwaltungsausbildungen, die dazu qualifizieren, später als Sachbearbeiter in einer Behörde zu arbeiten. Darüber hinaus gibt es auch technische Ausbildungen, z.B. zum Verwaltungsinformatiker.

Berufsakademie/Duale Hochschulen

Das Besondere von Berufsakademie/Dualer Hochschuler ist die Verbindung von Studium und Ausbildung. Das duale Ausbildungsprinzip der Lehre wird hier auf den so genannten tertiären Bildungsbereich der Hochschulen übertragen. An der Berufsakademie/Dualen Hochschule studieren also Abiturienten, zum Teil auch Fachabiturienten, die zugleich ein Ausbildungsverhältnis mit einem Unternehmen haben. Die Absolventen der Berufsakademie/Dualen Hochschule verfügen nach drei Jahren über beides: über fundierte Fachkenntnisse und berufspraktische Erfahrungen aus einer unternehmensbezogenen Ausbildung. Die Berufsakademie/Duale Hochschule ist damit eine durchaus attraktive Alternative zum Hochschulstudium. Während des dreijährigen Studiums erhalten die Studierenden eine Ausbildungsvergütung ihres Betriebs.

Fernstudium

Das Fernstudium ist für viele eine Chance, einen Hochschulabschluss zu erwerben, die sonst nicht zur Uni kommen können. Die Fernuniversität Hagen ist Pionierin auf dem Gebiet des Fernstudiums. Mit dem Siegeszug des Internets haben sich in Deutschland etliche virtuelle Universitäten, wie z.B. die Virtuelle Hochschule Bayern oder die Virtuelle Fachhochschule, etabliert. Virtuelle Hochschulen erforschen und entwickeln multimediale Lehr- und Lernmethoden für Studierende. Die virtuellen Lehrangebote unterstützen Studierende, die zu Hause oder am Arbeitsplatz einzelne Kurse oder ganze Fernstudiengänge belegen. Viele der in Deutschland durchgeführten Projekte entstanden hochschulübergreifend in einem oder mehreren Bundesländern. Fernuniversität bedeutet, dass man zu Hause studiert und alle Studienunterlagen per Post zugeschickt bekommt. Hier studieren überwiegend Berufstätige, die sich entweder in einem Bereich weiterbilden möchten oder die ein Studium in der Freizeit absolvieren wollen. Es gibt aber auch normale Studierende. Je nachdem, wie viel Zeit pro Woche zur Verfügung steht, kann man einzelne Kurse oder ein komplettes Studium anstreben und nach dem eigenen Zeitbudget studieren. Je nach Umfang der Kurse fallen semesterweise Studiengebühren an. Die Studierenden arbeiten die Unterlagen zu Hause durch. Testbögen dienen zur Kontrolle, ob der Stoff verstanden wurde. Überall in Deutschland gibt es Fernstudienzentren, in denen die Studierenden fachkundig beraten und durch Tutorenkurse betreut werden. Im Fernstudium kommen zunehmend moderne Informations- und Kommunikationstechnologien zum Einsatz. Rechnergestützte Lernumgebungen, Lernprogramme, Lehrmaterialen online, Televorlesungen, Online-Seminare, News-Groups, PC-Video-Konferenzen. Mit dem Internet etablieren sich in Deutschland gerade sogenannte virtuelle Hochschulen, die nach und nach einzelne Studienmodule ins Internet bringen. Ziel ist es, eine Hochschule im Internet abzubilden und das Studium online durchzuführen.

Berufsfachschule

Für einige Berufe gibt es keine betriebliche Ausbildung und auch kein Studienfach. Für solche Berufe wird an Berufsfachschulen ausgebildet. Das sind Schulen, die entweder zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung führen oder einen Teil einer Berufsausbildung bzw. eine berufliche Grundbildung vermitteln und damit auf eine Ausbildung vorbereiten. Hierzu gehören vor allem verschiedene Assistentenberufe, einige Fremdsprachenberufe, die meisten therapeutischen Berufe, der Beruf des Heilpraktikers und diverse Schönheitsberufe.

Die Berufsfachschule schließt meist direkt an eine allgemein bildende Schule (von der Hauptschule bis zum Gymnasium) an und findet in der Regel als Vollzeitunterricht (etwa 30 Stunden) statt. Sie sind entweder eigenständig oder als Abteilung einem regionalen Berufskolleg oder der Universität zugeordnet.

Fachschulen und Fachakademien sind berufliche Schulen zur beruflichen Fort- und Weiterbildung. Sie ermöglichen weiterführende Berufsabschlüsse in allen Wirtschaftsbereichen und bereiten auf eine gehobene Berufslaufbahn vor. Während die Fachakademie eine Besonderheit des Bundeslandes Bayern ist, gibt es Fachschulen in allen Bundesländern (auch Bayern). Der kleine Unterschied: Fachschulen setzen immer eine berufliche Erstausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf voraus, die Fachakademien nicht. Sie verlangen einen mittleren Schulabschluss, aber nicht notwendigerweise eine Berufsausbildung. Fachschulen und Fachakademien gibt es sowohl in staatlicher als auch privater Trägerschaft. In letzterem Fall sind sie mit Schulgebühren verbunden.