21.05.2015
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Die Kelten – zwischen Krieg und Kultur

Als „die Tapferen“ und „die Erhabenen“ hat Herodot sie um 450 v. Chr. bezeichnet, die „Keltoi“ – die Kelten. Kein Wunder: Galten sie doch bei vielen Völkern des Mittelmeerraumes als kriegerischer Stamm. Doch die Kelten setzten sich aus vielen verschiedenen Stämmen zusammen. Und sie waren nicht nur gute Krieger. Durch ihr gesellschaftliches Leben, ihre ausgeprägte Handwerks- und Kunstfertigkeit, die Wirtschaftskompetenz und ihr Handelsgeschick entwickelten sie sich nahezu zu einer europäischen Hochkultur. In einem waren die Kelten allerdings (bewusst?) nachlässig: Sie vermieden es, ihr Wissen, ihre Kultur und Traditionen schriftlich festzuhalten. Das schmälert die genaue Kenntnis über sie.

Entstehung und Ausbreitung

Keltische Stämme lebten einst in ganz Europa. Aus archäologischen Funden, antiken schriftlichen Überlieferungen und sprachwissenschaftlichen Forschungsergebnissen wird eine Ausbreitung in großen Teilen West-, Mittel- und Südeuropas sowie Kleinasiens geschlossen. Als „Gallier“ waren sie in Frankreich bekannt, als „Helvetier“ in Süddeutschland und der Schweiz, als „Galater“ in der Türkei. Zwischen Ostfrankreich, West- und Süddeutschland und Böhmen werden die Ursprünge einer keltischen Ursprache im 8. Jahrhundert v. Chr. vermutet. Die erste Wanderungswelle setzte im 5. Jahrhundert v. Chr. ein. Die keltische Kultur gelangte nach Nordspaniern, Portugal und womöglich bereits in dieser Zeit nach Britannien und Irland. Letzteres ist allerdings umstritten. Im 4. Jahrhundert folgte die Ausbreitung nach Norditalien, Südosteuropa bis nach Griechenland und Kleinasien. Im 1. Jahrhundert v. Chr. verblasste die keltische Kultur in Mitteleuropa. Der Grund liegt wahrscheinlich im Vorrücken germanischer Stämme und in den Eroberungszügen der Römer durch Caesar und Augustus.  

 

Wirtschaft und Handwerk

Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. verebbte die expansive Flut der Kelten. Zahlreiche Stämme begannen mit der Gründung von „Oppida“ – befestigte städtische Siedlungen. Viele von ihnen zeigten für die damalige Zeit erstaunliches handwerkliches Geschick und wirtschaftliches Können. Kelten betrieben Viehzucht und Ackerbau, verarbeiteten Leder, töpferten und webten, stellten Glas her und gewannen Gold und Silber. Unter Tage bauten sie ebenso Salz ab wie Erz. Aus Letzterem produzierten sie Eisen und stellten daraus ihre Waffen her.

 

Krieger und Druiden

Die Kelten galten als erfolgreiche Krieger. Mehrfach besiegten sie die Etrusker und 387 v. Chr. unter dem Heerführer Brennus in der Schlacht an der Allia auch die Römer. Die Krieger bzw. Ritter hatten bei den keltischen Stämmen eine machtvolle Position. Die Entscheidungen trafen allerdings meist die Druiden. Sie waren Priester, Mediziner, Richter, Naturforscher und Lehrer in einem. Bis zu 20 Jahre soll die Ausbildung zum Druiden gedauert haben. Caesar hat in seinem Buch „Der gallische Krieg“ (De bello Gallico) diesem Stand ein literarisches Denkmal gesetzt.

 

Kunst und Sprache

Wie Griechisch, Lateinisch und Deutsch, so wird auch die keltische Sprache zur indogermanischen Sprachgruppe gezählt. Heute wird sie noch in Wales, Schottland und der Bretagne gesprochen. In Irland ist eine Form des Keltischen – das Gälische – seit 1922 zweite Amtssprache neben dem Englischen.  

Einen eigenen Kunststil wird den Kelten seit der Latène-Zeit attestiert (ab Beginn des 5. Jahrhunderts). Die Verzierungen auf den archäologischen Fundstücken lassen mediterrane und orientalische Einflüsse erkennen. Ihre Fähigkeiten im Umgang mit Metallen nutzten sie auch für die Kunstproduktion. Ein Beispiel hierfür ist der Prunkhelm von Agris, der aus Bronze-, Silber- und Goldblechauflagen besteht.

 

 

 

 

 

 

von Michael Fischer, wissen.de