21.05.2015
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Adam und Eva

Nach Genesis 1,26 ist Adam "der [erste] Mensch" (hebräisch: ha Adam) und Urvater der Menschheit. Sein Name wird im Hebräischen vorwiegend mit dem Artikel genannt und ist entsprechend Genesis 4,25 (auch 1. Moses 2-5) ein Eigenname. Etymologisch ist seine Bezeichnung unklar und wird mit "rote Erde" (hebräisch: adama), Staub und Blut in Verbindung gebracht.
Nach Genesis 1,27 ist Eva (hebräisch chawah, "Leben spenden"; aramäisch: chewa, "Schlange") die erste Frau und "Mutter aller Lebendigen" (1. Mose 3,20). Eva ist am sechsten Schöpfungstag entweder gemeinsam mit Adam oder (nach Genesis 2,21) aus dessen Rippe geschaffen worden. Ihren Namen erhält Eva erst nach dem Sündenfall.

Die Schöpfungsgeschichte

Über den Zeitpunkt der Erschaffung des Menschen innerhalb des Schöpfungsakts sowie über seine Herkunft gibt es zwei gravierend unterschiedliche Darstellungen.

Die erste und ältere Version

Ihr zufolge hat Gott (Elohim) Adam am sechsten Schöpfungstag als letztes der organischen Lebewesen erschaffen. Er schuf ihn nach seinem Ebenbild, gab ihm seinen Segen und verlieh ihm Fruchtbarkeit sowie die Herrschaft über die gesamte Tierwelt (Genesis 1,26-30).

Die zweite Version

In Genesis 2-3 wird der Schöpfungsakt in zeitlich umgekehrter Reihenfolge dargestellt. Nach ihr ist Adam zwar ebenfalls nach Gottes Ebenbild, aber entgegen Genesis 1,26 das erste von Gott, vor allen anderen organischen Lebewesen erschaffene Geschöpf.

(In der Aggada, einem Teil der Tora, die erzählerische Traditionen verschiedenster Art enthält, wird Adam schöner als die Sonne beschrieben, "weil Adam für den Dienst des Heiligen, und der Lauf der Sonne für den Dienst an der Menschheit geschaffen wurde".)

Für Adam pflanzt Gott im Land Eden einen Garten, den der nach seinen Bedürfnissen bebauen (1. Moses 2,15) und dessen Früchte er ungestraft genießen darf. Nur der Verzehr derjenigen des einen der Bäume, die des Baums der Erkenntnis von Gut und Böse, wird ihm bei Verlust des Lebens verboten (1. Mose 2,16 f.).

Adam, Eva und der Sündenfall

Nachdem Adam unter den Tieren vergebens nach einer ihm ebenbürtigen Hilfe gesucht hat schafft Gott aus dessen Rippe das Weib Eva (1. Moses 2,22). Von der Schlange verführt, isst Eva (hebräisch: Hawwah, auch Chawwa, "Leben weckend", aramäisch: Chiwja, "Schlange") von den Früchten des Baums der Erkenntnis und gibt auch Adam von ihnen zu essen. Gott aber straft sie. Danach erkennen sie ihre Nacktheit. Schamvoll bedecken sie ihre Blöße mit Feigenblättern und verbergen sich vor dem Allmächtigen. Gott jedoch entdeckt und verflucht sie. In Fellröcken werden sie aus dem Garten Eden vertrieben, damit sie nicht vom Baum des Lebens essen und dadurch unsterblich würden. Fortan, so gebietet er, soll die Schlange auf dem Bauch kriechen und Staub fressen; Eva soll unter großen Schmerzen gebären und sie und Adam sollen hinfort unter Mühsal die Erde bebauen und nur karge Nahrung aus ihr ziehen können. Die Söhne Adams und Evas sind Kain und Abel (Polarität von Gut und Böse), nach ihnen folgen Set sowie weitere Söhne und Töchter, deren Namen nicht genannt werden (1. Mose 5,7). Der Überlieferung nach stirbt Adam im Alter von 930 Jahren (1. Mose 5,5).

Kommentar

Adam in der jüdischen Tradition

Der zeitgenössischen Bibelforschung nach basieren die beiden Versionen der Schöpfungsgeschichte auf unterschiedlichen Quellen. So wird die erste, ältere Version (Adam wurde am sechsten Schöpfungstag erschaffen) dem Priesterkodex des Leviticus (dem 3. Buch Mose), die zweite (Adams Erschaffung am ersten Schöpfungstag) einer neueren Quellenschrift des Pentateuch zugeschrieben. Diese verschiedenen Darstellungen haben zu unterschiedlichen Auslegungen geführt.

Nach der jüdischen Überlieferung werden die vier griechischen Buchstaben des Namens Adam als Sinnbild der vier Himmelsrichtungen gedeutet.

Der jüdisch-hellenistische Religionsphilosoph und Theologe Philo(n) von Alexandrien (um 25 v. Chr. bis 40 n. Chr; "Philo der Jude") unterscheidet zwischen einem unkörperlichen, himmlischen Adam als dem Ebenbild Gottes und Inbegriff der menschlichen Gattung und dem eines irdischen, teils unkörperlichen Adam aus Geist und Blut (Mischung der vier Elemente).

In der jüdischen Tradition wird die Erscheinung Adams vor allem als Symbol des Mikrokosmos gedeutet. Danach wird er als ursprünglich androgyn, also als zweigeschlechtlich und Abbild der Herrlichkeit Gottes angenommen.
Die Rabbinen späterer Zeit beschäftigen sich besonders mit der menschlichen Gestalt Adams. Von ihr wird behauptet, sie habe bis in das Himmelsgewölbe geragt. Für die talmudischen Gelehrten ist dies ein Indiz für Adam als Ebenbild Gottes und seine Einzigartigkeit.

Adams Sünden und Reue

Auf den Sündenfall Adams (und Evas) folgt die Vertreibung aus dem Paradies. Mit ihr verliert alles die von Gott gewollte Vollkommenheit. Seitdem sind die Menschen verdorben und sterblich. Nur ihre Ebenbildlichkeit ist ihnen erhalten geblieben. Zu Adams Sünden zählt auch seine Verweigerung der Buße. Erst von seinem Sohn Kain lernt er, dass durch Umkehr (hebräisch: tetschuwa) und Reue Gottes Zorn zu beschwichtigen sei. Nachdem er dies erfahren, schlug Adam sich ins Gesicht und rief: "Dies alles vermag die Reue, und ich wusste es nicht" (Genesis r.22,28). Eine legendäre Überlieferung beschreibt, wie Adam als Buße in die Fluten des oberen Gicheonstroms steigt, bis ihm das Wasser an den Hals reicht. So soll er sieben Wochen verharrt haben, bis sein Leib wie ein Sieb ausgesehen habe.

Baum der Erkenntnis

Geteilt sind die Meinungen über die verbotenen Früchte, die der Baum der Erkenntnis getragen hat. Sie schwanken neben vielen anderen Vermutungen insbesondere zwischen einem Weinstock, weil durch Wein alles Unheil der Welt herrühre, und einem Feigenbaum, weil er die Menschen nicht nur sündigen, sondern durch seine Blätter auch sittlich wieder aufrichten lasse. Doch schließlich seien alle Vermutungen spekulativ, denn Gott habe den Namen des Baums niemanden enthüllt, weil er die Ehre des Menschen, insbesondere die des Adam, schonen würde.

Adam in der christlichen Tradition

Im Unterschied zum Judentum erkennt das Christentum im Sündenfall Adams ein grundsätzliches Vergehen. Nach dem griechischen Kirchenvater Bischof Irenäus von Lyon ( um 202; Heiliger: 28.06.) ist Adam an Leib und Seele ein Ebenbild Gottes, das im Paradies noch ein Kind gewesen sei. Nur deshalb konnte nach seiner Ansicht der Schlange die Verführung gelingen. Für den Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (334-394; Heiliger: 28.08.) ist das Menschengeschlecht in Adam zusammengefasst. Mit ihm lässt er das erste von fünf Zeitaltern beginnen.

Adam und Jesu im Christentum

Wegen des Vergehens an Gott hat das Christentum es für erforderlich gehalten, dem einen Adam einen zweiten folgen zu lassen, um sich mit der Erbsünde und ihrer Wirkung auf die Menschheit auseinander setzen zu können. So geht von den beiden Stammbäumen Jesu der des Lukas im Neuen Testament bis auf Adam und weiter bis auf Gott zurück (Lukas 3,38). Und Paulus stellt im Römerbrief (5,11-14) Adam, dessen Sünde die Sterblichkeit des Menschen ausgelöst hat, Jesu als den Erlöser gegenüber, durch dessen Gesetz die Menschheit Versöhnung mit Gott empfängt. Dagegen geht der orthodoxe Kirchenlehrer Gregor von Nyssa (334-394; Heiliger: orth. 10.01.; kath. 9.03.) davon aus, dass durch die Erbsünde das Menschengeschlecht noch zu seiner persönlichen Lebzeit ein böses Ende nehmen wird.

In der Vita Adae et Evae, der christlich bearbeiteten lateinischen Übersetzung einer ursprünglich jüdischen Legendensammlung, wird ausführlich Satans Feindschaft gegen die Menschen begründet. Ihrem Inhalt nach erbittet Adam vor dem Sterben von seinem jüngsten Sohn Set und von Eva an der Tür zum Paradies um das Öl der Barmherzigkeit vom Baum des Lebens. Der Erzengel Michael gesteht ihnen jedoch nur einen Zweig des Baums zu, den Set nach dem Tod Adams auf dessen Grab pflanzt. Einer späteren Legende zufolge wird das Holz des inzwischen zum Baum gewordenen Zweigs zum Kreuz Jesu auf dem Berg Golgotha.

Adam in der islamischen Tradition

In der Erzählung des Korans haben über den biblischen Bericht hinaus Elemente aus der jüdischen und christlichen Tradition Eingang gefunden. Für den Islam ist Adam nicht allein der erste Mensch, sondern zugleich auch der erste Prophet, den Allah mit einer Botschaft an die Menschen beauftragt hat. Der Schöpfungsakt wird im Koran nur kurz beschrieben: Adam wurde aus Ton gemacht (Koran 7,12; 15,26-28). Doch vor seiner Schöpfung protestieren die Engel, weil sie befürchten, Allah würde ein Wesen erschaffen, das gegen ihn rebellieren und den Menschen Zerstörung und Blutvergießen bringen wird (Koran 2,30-38). Nachdem Allah die "Namen aller Dinge" Adam beibringt, nicht aber den Engeln, kommen die - außer Iblis, dem Satan -, um vor dem ersten Menschen niederzuknien. Iblis dagegen verweigert den Kniefall vor Adam mit der Begründung, aus Feuer erschaffen zu sein, sodass er somit in der Rangordnung gegenüber dem aus Ton Erschaffenen stünde. Daraufhin wird er von Gott verstoßen. Von hier ab folgt der Koran der jüdischen und christlichen Schöpfungsgeschichte bis zur Verführung Adams und Evas durch Iblis, der sie aus ihrem paradiesischen Urzustand "entgleiten" lässt. Nach der Vertreibung soll Adam auf Ceylon gelandet sein. Über 200 Jahre lebt er getrennt von Eva. Danach trifft er seine Frau am Berg Arafat bei Mekka wieder.

In der nachkoranischen Tradition wird berichtet, dass Adam aus dem Lehm aller Gegenden dieser Erde sowie aus rotem, schwarzem und weißem Lehm erschaffen ist, um die Vielfalt der Menschen darzustellen.

Die Lehre des Islam kennt nicht den Sündenfall von einem Urzustand der Vollkommenheit bis hin zur erblichen Ursünde. Nach ihr bereut Adam und wird von Allah mit Worten belehrt, die dessen Gnade auf den reuigen Sünder herabbringen. Von ihm wird angenommen, er sei über die Erde gewandert, habe die Riten der Pilgerfahrt nach Mekka absolviert und dort die erste Ka'ba im Zentrum der großen Moschee erbaut. Danach habe Allah mit Adam und seinen Nachkommen eine Versammlung einberufen (Koran 7,12) und sei somit als der Vater der gesamten Menschheit zu betrachten. Einigen Berichten zufolge sind Adams und Evas Gebeine zu Golgatha in Jerusalem beigesetzt worden.

Entsprechend dem Neuen Testament wird auch im Koran eine enge Beziehung zwischen Adam und Jesus dargestellt. In ihm wird Jesus ebenfalls, wie bei Lukas und Paulus, als Prophet und als der zweite Adam bezeichnet.

Die Schöpfung in der künstlerischen Darstellung

Die Schöpfung in der darstellenden Kunst und Literatur

Die nachbiblische Legendenbildung hat seit ihren Anfängen zwischen 100 v. Chr. und 100 n. Chr. der darstellenden Kunst und Literatur ein breites Tor geöffnet. Im frühen Mittelalter war ihr zentrales Anliegen vor allem die Verbindung von Sündenfall und Erlösung mit der Verheißung der Ankunft des Gottessohnes. An der Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert sind es besonders die drei überlieferten Genesisgedichte Alethia des Victorius, De laudibus Dei des Dracontius und De spiritualis historiae gestis des Avitus. Ihr Einfluss reicht bis in das 17. Jahrhundert in das Blankversepos Das verlorene Paradies des puritanischen englischen Politikers und Dichters John Milton (1608-1674). Im 11. und 12. Jahrhundert wurde unter dem Einfluss der neuplatonischen Philosophie besonderes Gewicht auf die Schöpfungsgeschichte gelegt (Ezzolied). Die umfassendsten Darstellungen der Legenden über das Leben Adams und Evas finden sich in den so genannten Adamsschriften wie dem slawischen Adamsbuch, der Apokalypse Mose und insbesondere in der Vita Adae et Evae von Lutin (13. Jahrhundert), die auf eine gemeinsame hebräische Grundschrift aus der Zeit zwischen 100 v. Chr. und 100 n. Chr. zurückgehen. Die Weltchronik des Rudolf von Ems (13. Jahrhundert), in der die Menschheits- und Weltgeschichte zu einer Einheit zusammengefasst sind, enthält eine gekürzte Fassung der Vita Adae et Evae.

Ab dem 12. Jahrhundert breiten sich allmählich über ganz Europa Fronleichnams- und Mysterienspiele aus. Im 13. Jahrhundert kommen Passions- und Osterspiele hinzu. Als geistliche Schauspiele verbinden sie die Darstellung des Lebens der Person Christi mit Figuren aus dem Alten und später auch Neuen Testament zu episodenreichen Szenen aus der Heilsgeschichte in der Sprache des Volkes. So beginnt z.B. das "Maastricher Passionsspiel" (auch als "Mittelländisches Osterspiel" bekannt) mit der Schöpfung und Vertreibung aus dem Paradies. Sie sind die Grundlage einer theologische Auseinandersetzung zwischen Gott und seinen Töchtern "Barmherzigkeit" und "Wahrheit" um den Erlösungstod Christi. Das "Wiener Passionsspiel (um 1400) thematisiert den Zusammenhang von Vertreibung aus dem Paradies und Erlösung durch Christus. Die Darstellung im Kornischen Mysterienspiel "Die Erschaffung der Welt" beginnt mit dem Schöpfungsakt, führt über die Sintflut bis zum Neuanfang durch Noah. Und das "Luzerner Osterspiel" nach Handschriften von 1545 bis 1616 zeigt innerhalb von zwei Spieltagen die Heilsgeschichte von der Erschaffung des Menschen bis zur Erscheinung Christi vor seinen Jüngern.

Die Zeit des Humanismus führt in die dramatischen Stoffe zum Teil soziale Kriterien ein. Etwa zur Zeit der Bauernkriege, in der szenische Darstellungen oft die Gleichheit der Menschen und Stände ohne soziale Rangordnung betonen. Doch blieb im Mittelpunkt weiterhin das Spiel von Sünde und Erlösung. So z.B. in Hans Sachs' "Tragedia von schöpfung, fal und austreibung Ade aus dem Paradeiß" (1548).

Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)

In dem von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) Epoche machenden biblischen Epos "Der Messias" folgt Adam dem Leidensweg Jesu. Und in Klopstocks Trauerspiel "Der Tod Adams" kündet ein Todesengel Adams bevorstehenden Tod an, doch bleibt ihm in der Todesstunde die Hoffnung auf den Erlöser. Mit dem "Messias"-Epos hatte Klopstock gegen Ende des 18.Jahrhunderts eine Flut literarischer Bearbeitungen des Adam- bzw. Schöpfungsthemas ausgelöst. Diesen Spuren folgten u.a. unmittelbar Johann Jacob Brodmer (1698-1783) mit dem Drama "Der Tod des ersten Menschen" (1776), Johann Kaspar Lavater (1741-1801) mit dem Gedicht "Adam" (1779) und Adam Weishaupt (1748-1830) ebenfalls mit einem Gedicht "Der sterbende Adam" (1790).

Im 19.Jahrhundert, im Zeichen der Aufklärung, gerät Adam und der Sündenfall in einen gänzlich anderen Zusammenhang. Adam wird nun als ein von den Fesseln gelöstes Wesen eingeschätzt, das von der Hörigkeit gegenüber einer anonymen höheren Instanz befreit ist. Im Werk des österreichischen Neuromantikers Richard von Kralik (1852-1934) "Adam" (1884) nimmt Adam die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis freiwillig und ohne teuflische Verführung.

August Strindberg (1849-1912)

Eine pessimistische Weltsicht vermittelt August Strindberg (1849-1912) in dem Mysterium "De creatione et sententia vera mundi" (1897), in dem der Teufel Eva zum Genuss der verbotenen Früchte überredet, weil er die Erlösung von allen Schmerzen, verbunden mit den Freuden des Todes bewirken würde.

Im 20. Jahrhundert dominiert anfangs die Darstellung des männlichen Verstandes im Gegensatz zur Triebhaftigkeit der Frau. So u.a. bei Arno Nadel (1878-1943) im Drama "Adam" (1917) und in den "Eva"-Gedichten (1919) von Josef Weinheber (1849-1912).

Die Schöpfung in der Musik

Die Anfänge der lateinischen Oratoriendialoge sind in den liturgischen Dramen zu finden. Zum Beispiel bei Giuseppe Maria Tommasi (1649-1713) im Oratorium "Adam und Eva" (1611) und Giovanni Francesco Capello (um 1585-1642?) der die Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies vertonte (1615). Aus dem 18. Jahrhundert sind mehrere Oratorien bekannt. Hier tat sich besonders die neapolitanische Schule hervor, u. a. mit Baldassare Galuppi (1706-1785) mit dem Oratorium "Adam" und dem für Venedigs Mädchenkonservatorium komponierten Oratorium "Adamo caduto". 1772 führte der portugiesische Komponist Pietro Avondano das biblische Drama "Adamo ed Eva" auf. In Weimar wurde 1855 das Oratorium "Das verlorene Paradies" des russischen Komponisten Anton Grigojewitsch Rubinstein (1829-1894) uraufgeführt. Rubinsteins musikalisches Werk ist eine Adaptation des Blankversepos' gleichen Titels des englischen Dichters John Milton (1608-1674). Zwanzig Jahre später (1875) verarbeitete Rubinstein sein Oratorium zu einer geistlichen Oper.

Die Schöpfung in der bildnerischen Kunst

Die beiden ersten Menschen sind in den frühesten bildnerischen Darstellungen durch das Christentum die am häufigsten verwendeten Motive. So u. a. in den Katakombenmalereien in Neapel und in denen des Aurelius Felicissimus (um 215-?) in Rom sowie die in den ersten Bibelhandschriften. Mit Beginn des 4. Jahrhunderts entstanden die ersten plastischen Darstellungen der Schöpfungsgeschichte wie z. B. die des Elfenbein-Diptychons in Florenz. Bei all den bisherigen Arbeiten handelt es sich zumeist um Szenenfolgen und -zyklen, die den legendären Ablauf der Paradiesgeschichte bis zum Sündenfall wiedergeben.

Das frühe Mittelalter bezieht das Adam-und-Eva-Thema künstlerisch in die Architektur mit ein, z. B. als Bronzerelief in der Bernwardtür in Hildesheim (um 1000) und als plastische Darstellung im Portal von S. Zeno in Verona. Im 12. und 13. Jahrhundert sind es häufig Mosaik- und Skulpturzyklen wie die in der schmalen Vorhalle von S. Marco in Venedig und die des Klosters von Cluny, durch die die Schöpfungsgeschichte und der Sündenfall wiedergegeben werden.

Durch Albrecht Dürer (1471-1528) gelingt der bildnerischen Kunst der Übergang von der Tradition des Mittelalters zur Neuzeit. Mit dem Kupferstich "Adam und Eva" (1504) und der "Kleine(n) Holzschnittpassion" (1509-1511) löst Dürer den bis dahin fast ausschließlich als Negation der Gesetze Gottes und Triumph der Sinnlichkeit über den Geist dargestellten Sündenfall Adams und Evas ab durch erotische Momente. Das Tympanon der Krönung Mariens am Südportal der Würzburger Marienkapelle (1491-1493) von Tilman Riemenschneider (1460-1531) wird flankiert von Adam und Eva. Die beiden Akte, mit denen Riemenschneider eines der bedeutendsten Werke der deutschen Spätgotik geschaffen hat, deuten mit ihren Feigen-(Scham-)blättern den Zeitpunkt nach dem Sündenfall an. Mit der Ausmalung der Decke in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan (1508-1512) gelingt Michelangelo Buonarroti (1475-1564) die bildnerische Vereinigung der ganzen Menschheitsgeschichte und mit ihr der Übergang in das Barockzeitalter. Drei Szenen dieses Kollossalwerks sind dem Adam-und-Eva-Thema gewidmet. Peter Paul Rubens (1577-1640) zeigt Adam und Eva als einiges Paar neben dem sie verurteilenden Christus (1577-1640).

In der Neuzeit wird das Thema variiert als Beziehung zwischen Mann und Frau, so u. a. bei Franz v. Stuck (1863-1928) mit "Versuchung" (1912) und Edvard Munch (1863-1944) mit "Metabolismus" und der Radierung "Adam und Eva" (1915).

Bibliografie

Gary Anderson (Hrsg.): Literature on Adam and Eve. Collected essays, Leiden 2000

Eva Maria Borer: Adam und Eva Report, Ratingen 1994

Elaine Pagels: Adam, Eva und die Schlange: die Gerschichte der Sünde, Reinbek bei Hamburg 1994.

Katharina Siefert: Adam- und Eva-Darstellungen in der deutschen Renaissance, Dissertation, Karlsruhe 1994

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