21.05.2015
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Nur 6 überlebten

Der Wirbelsturm "Carrie" wird zum Schicksal für das Segelschulschiff "Pamir"

Für einen SOS-Ruf ist es zu spät. Westlich der Azoren ist die deutsche Viermastbark "Pamir" dem heranziehenden Hurrikan hilflos ausgeliefert. Sie kentert und sinkt mit ihrer Besatzung am 21. September 1957 in kürzester Zeit in den Fluten des Nordatlantik. Vor 50 Jahren beherrschten diese Katastrophe tagelang die Schlagzeilen der deutschen Presse. Wer heute die Stadt Lübeck besucht, sollte auf jeden Fall in die Jacobikirche gehen. In der nördlichen Turmkapelle befindet sich eine Gedenkstätte für die auf See gebliebenen Fahrensleute. Hier liegt auch das Wrack eines Rettungsbootes der "Pamir", dessen Schwesterschiff, die Viermastbark "Passat", heute im Travemünder Hafen liegt.

Nur sechs Matrosen der 86köpfigen Besatzung, in der Mehrzahl lebensfrohe Kadetten auf Ausbildungsfahrt, überleben die Katastrophe. Am 23. September 1957 birgt der New Yorker Dampfer "Saxon" fünf zu Tode erschöpfte Matrosen, einen weiteren Überlebenden rette am nächsten Tag ein Boote der amerikanischen Küstenwache.

Auf Betreiben der Bundesregierung hin wird noch bis zum 28. September nach möglichen Überlebenden gesucht, gefunden werden aber nur Trümmer des geschichtsträchtigen Segelschulschiffes.

"Carrie"

1957, Schiffskatatstrophe, Pamir, Segelschulschiff

Im Wirbelsturm "Carrie" versinkt am 23. September 1957 das deutsche Segelschulschiff "Pamir" im Nordatlantik. Gunther Hasselbach ist einer der sechs Überlebenden. Die Besatzung des Küstenwachbootes bringt den geschwächten Matrosen an Bord des französischen Linienschiffes "Antilles".

Hauptursache für das Unglück ist der Wirbelsturm "Carrie". Die Befragung der Überlebenden bringt allerdings noch weitere Einzeilheiten ans Tageslicht. Nach wechselvoller Geschichte fuhr das 1905 gebaute Schiff seit Mitte der 1950er Jahre als frachbeförderndes Segelschulschiff für die Lübecker "Stiftung Pamir und Passat". Bei ihrer letzten Fahrt lädt sie in Buenos Aires 3780 Tonnen Gerste, davon sind lediglich 255 Tonnen in Säcke verpackt. Im aufkommenden Unwetter verrutscht die Ladung im Bauch des Schiffes, die Pamir gerät in bedrohliche Schräglage. Hinzu kommt ein nicht mehr einzudämmender Wassereinbruch im Lagerraum. Das mächtige Schiff ist mit schwerer Schlagseite und dem leckgeschlagenen Rumpf den Sturmböen hilflos ausgeliefert. Zusätzliche Gefahr birgt die volle Besegelung, die für den aufkommenden Sturm völlig ungeeignet ist.

Grausamer Tod

Segelschiff, Pamir, 23.09.1957, Schiffskatastrophe

Eines der letzten Fotos des deutschen Viermasters Pamir wird vom Dreimaster "Christian Radich" aus gemacht. Die beiden Schiffe treffen sich mitten im Atlantik zu Filmaufnahmen für Louis de Rochemonts "Cinemiracle Adventure".

Nach Aussagen der Überlebenden bringen sich zwar viele Seeleute zunächst in einigen Rettungsbooten in Sicherheit. Die schlechte Ausstattung der kleinen Nussschalen (kein Proviant und Wasser) aber macht diese Flucht zu einem aussichtslosen Unterfangen. Die verletzten und erschöpften Männer leiden an Trinkwassermangel und werden von Haien angegriffen.

Chronik Verlag