28.05.2015
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wissen.de Artikel

Geld regiert die Kinderwelt

Wie viel Taschengeld ist angemessen?

Kinder bekommen so viel Taschengeld wie nie zuvor. Ausgegeben wird es der aktuellen KidsVerbraucheranalyse zufolge vor allem für Süßigkeiten (63 Prozent), Comics und Zeitschriften (44 Prozent), Getränke (36 Prozent) und Eis (35 Prozent). 27 Prozent der Befragten investieren in Spielzeug und Spiele, 19 Prozent in Sammelkarten sowie Sticker und 15 Prozent in Kinokarten. 13 Prozent bezahlen mit dem Taschengeld ihre Handykosten. Der Studie zufolge stehen den 6- bis 9-jährigen im Monat durchschnittlich 18,78 Euro, den Zehn- bis 13-Jährigen 34,30 Euro zur Verfügung. Dazu kommen Geldgeschenke zum Geburtstag, zu Weihnachten, kleine Zuverdienste fürs Rasenmähen oder Babysitten und die Sparbücher. Rechnet man sämtliche Beträge hoch, ergibt das bei insgesamt rund 7,4 Millionen Kindern im Alter von 4 bis 13 Jahren eine Kaufkraft von fast 6 Milliarden Euro. Darüber hinaus beeinflussen sie die Kaufentscheidungen ihrer Eltern, Tanten und Großeltern und üben damit auch indirekt eine gewaltige Kaufkraft aus.

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Mädchen mit Münzen und Sparschwein

Nicht allen Kinder gelingt es einen Teil ihres Taschengeldes zu sparen.

Das erste Taschengeld erhalten viele Kinder, sobald sie in die Schule kommen. Einige Pädagogen empfehlen sogar Taschengeld für Vier- bis Fünfjährige. Doch wieviel ist für welche Altersstufe angemessen? Offizielle Empfehlungen geben beispielsweise die Jugendämter. Demnach sind für Kinder unter 6 Jahren 50 Cent die Woche angemessen, am besten in 10-Cent-Münzen, damit die Kinder leichter rechnen und haushalten lernen. Für 6- bis 7-jährige Schulkinder werden 1,50 bis 2 Euro wöchentlich, für 8-9-jährige 2 bis 3 Euro wöchentlich empfohlen. Eine monatliche Auszahlung ist erst ab 10 Jahren sinnvoll. Das Taschengeld sollte pünktlich ausbezahlt werden, ohne Wenn und Aber. Taschengeldentzug als Erziehungsmittel hat ausgedient. Taschengeld sollte auch nicht als Belohnung eingesetzt werden und nicht für selbstverständliche Aufgaben im Haushalt gezahlt werden. Außerdem sollte es auf keinen Fall Ersatz für Zuwendung sein. Auch wenn beide Eltern berufstätig sind und die Kinder den Großteil ihrer Zeit in Kindergarten, Hort oder Schule verbringen.

 

Gelderziehung in Phasen

Einen Rechtsanspruch auf Taschengeld haben Kinder zwar nicht, doch wenn sie es bekommen, dürfen sie frei darüber verfügen. Allerdings gibt es Grenzen, die im so genannten Taschengeldparagraphen geregelt sind. So ist der Kauf von Kaugummis rechtskräftig, während der Kauf eines Smartphones von den Eltern rückgängig gemacht werden kann. Generell gelten Kinder unter 7 Jahren als geschäftsunfähig, 7- bis 18-Jährige als beschränkt geschäftsfähig. Damit Jugendliche nicht gleich beim ersten Dispokredit in die Schuldenfalle tappen, empfehlen Experten eine dreizügige Gelderziehung. Phase eins hat den verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Taschengeld zum Ziel, in Phase zwei lernt man durch kleine Jobs, dass Geld einen Gegenwert für Arbeit darstellt, in Phase drei geht es dann um erste Erfahrungen mit Kredit und Kapital, mit Handyverträgen, Konten und Depots.

 

Vom Schulkind zum Konsumenten

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Rechnen mit Geld

Auch im Schulunterricht sollte der Umgang mit Geld Thema sein.

Dass die Mehrzahl der Kinder heute ein Taschengeld bekommt, ist nicht zuletzt eine Folge der Industrialisierung. Wirtschaftlich betrachtet war es sinnvoller, Kinder auszubilden als sie arbeiten zu lassen. So führte das Arbeitsverbot für Kinder einerseits und die Einführung der allgemeinen Schulpflicht andererseits dazu, dass Kinder in den Industrieländern in den Jahren zwischen 1870 und 1930 vom Arbeitsmarkt verdrängt wurden. In Deutschland war es durch die beiden Weltkriege zum Teil bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts üblich, dass bereits Kinder zum Familieneinkommen beitrugen. Erst in den 1960er/70er Jahren erhielt die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland regelmäßig Taschengeld. Aus dieser Zeit stammt nicht nur der erste Brockhaus-Eintrag, sondern auch der erste Rechtsstreit zum Thema, und die Werbung wandte sich nicht mehr an die Eltern, sondern direkt an den Nachwuchs. Ab Mitte der 1980er Jahre etablierte sich die Kindermarktforschung. Seit 1996 veröffentlicht der Comic- und Jugendmagazinverlag Egmont Ehapa Daten zur Kaufkraft von Kindern in Deutschland und trägt damit wesentlich zur Wahrnehmung von Kindern als Konsumenten bei. Kritiker sprechen von einer Kommerzialisierung der Kindheit, und tatsächlich gab es niemals zuvor ein so vielfältiges Angebot, das sich direkt an Kinder und Jugendliche wendet. Umso sinnvoller ist es, seine Kinder beizeiten an einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld und Konsumgütern zu gewöhnen.

 

So viel Taschengeld ist angemessen

Alter

Betrag in Euro

6 Jahre50 Cent
6 bis 7 Jahre1,50 bis 2,- (wöchentlich)
8 bis 9 Jahre2,- bis 3,- (wöchentlich)
10 bis 11 Jahre13,- bis 16,- (monatlich) 
12 bis 13 Jahre

20,- bis 22,- (monatlich)

14 bis 15 Jahre25,- bis 30,- (monatlich)
16 bis 17 Jahre35,- bis 45,- (monatlich)
18 Jahre

70,- (monatlich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (www.familien-wegweiser.de)
von wissen.de-Autorin Katja Schmid, August 2012