21.05.2015
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Röhren, beißen, reifen

Das Laub verfärbt sich. Baumfrüchte reifen. Einige Tiere füllen ihre Wintervorräte auf. - Es ist Herbst. Beim Spaziergang im Wald lassen sich spannende Vorgänge beobachten.

 

Es darf geröhrt werden

Von Mitte September bis Mitte Oktober ist Brunft und damit Paarungszeit beim Rotwild. Die Hirsche röhren und treiben die weiblichen Tiere, bis es zur Befruchtung kommt. Doch aufgepasst: Rotwild ist ein Rudeltier. Ein Hirsch kommt selten allein. Zur Zeit der Brunft gilt daher besondere Vorsicht beim Autofahren.

 

Suhlen im Bad

Am Tag verstecken sich die Wildschweine im Unterholz. Erst wenn es dämmert, brechen sie zur Nahrungssuche und zum Baden in der Suhle auf.

Die Speisekarte der Wildschweine ist vielfältig: Wurzeln, Gräser, Früchte der Waldbäume, aber auch Insekten, Würmer und kleine Säugetiere.

Wildschweine leben in Rotten, in denen eine strenge Rangordnung herrscht. Die älteste Bache (weibliches Schwein) hat das Sagen – Keiler (männliche Schweine) stoßen nur zur Paarungszeit (Rauschzeit) zur Rotte, leben ansonsten allein. Die Rauschzeit beginnt Ende Oktober.

 

8.000 Stacheln

Der Igel lebt an den Rändern des Waldes. Er ernährt sich von Schnecken, Regenwürmern, Käfern, Larven, Spinnen und Insekten. Und das vor allem in der Nacht. Doch gerade im Herbst, wenn der Igel sich sein Winterfett zulegt, ist er auch tagsüber auf Achse.

Bei einem ausgewachsenen Igel kann man bis zu 8.000 Stacheln zählen. Wittert er auf einem Streifzug Gefahr, rollt er sich zu einem stachligen Ball zusammen. Der Feind des Igels kommt in erster Linie aus dem Straßenverkehr.

 

Kräftiger Biss und ziemlich vergesslich

Eichhörnchen sind Nagetiere – sie besitzen ausgesprochen starke Zähne. In erster Linie ernähren Sie sich von Nadelbaumsamen, Bucheckern, Früchten, Wurzelknollen und Pilzen. Im Herbst kommen Eichhörnchen daher voll auf ihre Kosten. Sie legen nun ihre Wintervorräte an verschiedenen Plätzen an. Eine ausgesprochen gute Vorsorge! Mit einem Haken: In der Regel finden sie nicht alle wieder....

 

In die Beeren ziehen

Im Herbst ist auch im Wald Erntezeit. Die Sträucher der Heidelbeere wachsen vor allem in Nadelwäldern und Heiden. Sie kommen meist in großen Beständen vor, so dass sich das Sammeln trotz der geringen Größe der Beeren lohnt.

Doch Vorsicht: Alle Früchte und Beeren, aber auch Pilze, können mit den mikroskopisch kleinen Eiern des Fuchsbandwurms infiziert worden sein. Für den Menschen kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm durchaus tödlich enden. Um die Infektionsgefahr zu senken, hilft es, die Früchte vor dem Verzehr gründlich zu waschen und bei der Weiterverarbeitung stark zu erhitzen.

Die Heidelbeere gibt es mittlerweile auch als Kulturpflanze. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte lieber auf dem Wochenmarkt einkaufen.

 

Gib ihm die Sporen!

Bekannte Waldpilze sind Maronen, Pfifferlinge und Steinpilze. Maronen wachsen vorzugsweise unter Kiefern und Fichten, Pfifferlinge und Steinpilze dagegen in Laub- und Nadelwäldern. Mögen die Namen auch noch so märchenhaft verlockend klingen, die folgenden Pilze sind hochgiftig und nicht zum Verzehr geeignet: Grüner Knollenblätterpilz, Kegelhütiger Knollenblätterpilz, Orangefuchsiger Rauhkopf, Löwengelber Schleierling, Spitzgebuckelter Rauhkopf, Pantherpilz, Gift- oder Frühjahrslorchel, Kahler Krempling, Gifthäubling oder Nadelholzhäubling. Wer nur ein klein wenig an seiner korrekten Pilzbestimmung zweifelt, sollte seine Fundstücke daher nicht essen.

 

So ein Früchtchen!

Die Früchte des Kastanienbaums, der Rotbuche und der Stieleiche reifen im September und Oktober heran. Die grüne, stachelige Kapselfrucht der Kastanie und Eicheln sind eine wichtige Nahrungsquelle für Wildschweine und Rotwild. Die Bucheckern sind Nussfrüchte und stehen bei Eichhörnchen und Eichelhäher, aber auch bei Schweinen, Rotwild, Damwild, einigen Vögeln und Kleinsäugern hoch im Kurs.

 

Michaela Wetter, wissen.de