21.05.2015
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Unerschrockene Pflanzer gesucht

Von Sonthofen bis Berchtesgaden soll der Schutzwald verstärkt werden

Der Deutsche Alpenverein (DAV) macht sich für den Bergwald stark – und das nicht nur mit Worten. Auch in diesem Jahr sucht er wieder Helfer für die Pflanzung des Schutz bietenden Forsts in den Alpen.

Neu ist dieses Engagement nicht. Bereits vor 120 Jahren flossen mehr als tausend Gulden in die Aufforstung in Nord- und Südtirol. Ein Jahrhundert später startete der DAV eine Kampagne für den Bergwald, um darauf hinzuweisen, dass die Bäume an den Hängen der Alpen natürlichen Schutz vor Lawinen bieten, dass ohne sie gewaltige Erosionsschäden und Hochwasserkatastrophen drohen sowie die Trinkwasserversorgung bedroht ist. Allerdings wollten es insbesondere die Jugendlichen im DAV nicht allein dabei belassen, eine Resolution zu verabschieden, sondern sie drängten darauf, selbst Hand anzulegen, um den Bergwald zu erhalten. So entstand 1984 eine Zusammenarbeit mit der Bayerischen Forstverwaltung, die sich bis heute fortsetzt.

„Die Aktion Schutzwald verliert nichts an Aktualität“, heißt es beim Alpenverein, der auf die jüngsten Klimaprognosen verweist, nach denen eine Zunahme von Extremereignissen droht: Starke Schneefälle im Spätwinter, kurze und heftige Starkregen mit längeren Trockenperioden im Sommer. „Daher kann die enorme Wichtigkeit eines intakten Schutzwaldes nicht mehr angezweifelt werden“, so der DAV.

Doch ist der Bergwald durch Überalterung, Monostruktur, Immissionen und Verbiss gefährdet. Pflege und Umbau seien notwendig und möglich durch Naturverjüngung und Regelung des Wildbestandes. Auch Steige müssten gebaut, werden, um überhaupt an die Flächen heranzukommen. Gepflanzt werden sollen heimische Gehölze, die dem natürlichen Standort angepasst seien. Auch der Bau von Schneebremsen sei notwendig.

Bei all dem helfen seit mehr als zwanzig Jahren zahlreiche Ehrenamtliche mit. Die Skepsis der Revierförster und Waldarbeiter sei anfangs groß gewesen, doch schnell habe sich herausgestellt, dass die freiwilligen Helfer sehr effektive Arbeit leisteten. Dei Beteiligten berichten von dem Gefühl"etwas Positives geleistet zu haben". Willi Mosch etwa, der vor vier Jahren dabei war und feststellte:"Für uns Teilnehmer, die fast alle ihren normalen Tagesabluaf in einer technisch und industriell orientierten Umwelt erleben, war dieser Kontakt mit der Nautr eine besondere Erfahrung." Manfred Haider, eine "unerschrockener Pflanzler von der Anthaupten Alm" findet gar, dass das "Pflanz`ln" süchtig macht.

Von Juni bis September sucht der DAV nun wieder Männer und Frauen ab 18 Jahren, die im bayerischen Gebirgswald mit anpacken. Im Schutzwald werden an steile Hangflächen wichtige Lücken geschlossen. Unter Anleitung von Förstern werden die Bäumchen gepflanzt und Steige angelegt. Die Teams von maximal zwölf Personen forsten jeweils eine Woche lang und pflanzen in dieser Zeit 2000 bis 5000 Bäume. Die Aufforstungsgebiete liegen im alpinen Schutzwald von Sonthofen im Allgäu bis hin nach Berchtesgaden. Helfer können alleine oder als Gruppe teilnehmen und bekommen einen finanziellen Zuschuss für ihre Mithilfe. Übernachtet wird in Forst- oder Alpenvereinshütten mit Selbstverpflegung. Anmeldung und weitere Informationen unter www.alpenverein.de, Natur& Umwelt.

von Iris Hilberth, wissen.de