21.05.2015
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Reproduktives Klonen

Ethische Bedenken und gesetzliche Regelungen in den einzelnen Ländern.

Klonforscher wie Ian Wilmut und Rudolf Jaenisch machten bald deutlich, dass sie das reproduktive Klonen von Menschen ethisch und moralisch für nicht vertretbar halten. In Deutschland ist, wie in den meisten europäischen Ländern, reproduktives Klonen von Menschen per Embryonenschutzgesetz ausdrücklich verboten.

Obwohl das reproduktive Klonen von Menschen in den meisten europäischen Ländern verboten ist, versuchte Karl Illmensee erstmals am 14. März 2003 einen Menschen zu klonen. Der gebürtige Österreicher hatte 1981, 15 Jahre vor der Geburt von Dolly, behauptet, drei Mäuse geklont zu haben. Doch da die Experimente nicht wiederholt werden konnten, verlor der Forscher seine Reputation. Nach der Geburt Dollys machte sich Illmensee Hoffnung auf Rehabilitation und schloss sich einer Gruppe von Reproduktionsmedizinern an, die sich öffentlich für das reproduktive Klonen von Menschen aussprachen und ethische Bedenken ignorierten.

Unter ihnen war auch der Reproduktionsmediziner Panayiotis Zavos aus Lexington, der das Klonen von Menschen damit legitimierte, dass unfruchtbaren Paaren nur auf diesem Wege genetisch verwandter Nachwuchs ermöglicht werden könne. Zwischen 2003 und 2005 erzeugte Illmensee mit Zavos’ Unterstützung mindestens neun menschliche Klonembryonen von einer Amerikanerin ohne Partner und vier Paaren aus Ägypten, den USA, England, sowie "Syrien oder Jordanien". Die Embryonen wurden in die Gebärmuttern der Frauen eingesetzt, zu einer Schwangerschaft kam es jedoch nicht.

Klon- und Stammzellforscher wie Hans Schöler vom Max-Planck-Institut in Münster haben diese Experimente als "unverantwortlich" kritisiert. Denn von den Klonexperimenten an Tieren ist das hohe Risiko von Fehlbildungen der Klonembryonen in allen Stadien der Entwicklung, von der reduzierten Lebenserwartung und Anfälligkeit für ungewöhnliche Erkrankungen bekannt. Doch nicht allein die technische Unzulänglichkeit der Klontechnik wird als Argument gegen das reproduktive Klonen des Menschen angeführt. Grundsätzliche ethische Bedenken tun sich auf, wenn es nun möglich erscheint, Menschen um ihrer Eigenschaften willen zu selektieren und gezielt zu vermehren.

Wer soll geklont werden?
Geheimnis des Lebens?

DNA DNS Desoxyribonukleinsäure in 3-D

Was vor Dolly gänzlich unbeeinflussbar erschien, müsste neu zu definierenden ethischen Regeln folgen, sobald das reproduktive Klonen von Menschen ebenfalls technisch machbar wird. Wer sollte aufgrund welcher Eigenschaften geklont werden und wer nicht? Und ist eine Technik, die eine solche Frage aufwirft, überhaupt ethisch akzeptabel? Der spanische Schriftsteller Javir Marías verglich die Klontechnik gar mit der Erfindung der Atombombe. Der Soziobiologe Richard Dawkins, war hingegen von der Idee "fasziniert", einen Klon von sich selbst heranwachsen zu sehen.

Auch das so genannte therapeutische Klonen ist ethisch heftig umstritten, weil die geklonten menschlichen Embryonen bei der Stammzellentnahme einem bestimmten Zweck dienen und abgetötet werden. Doch auch ein Verzicht auf das therapeutische Klonen als Behandlungsoption ist ethisch bedenklich und bedarf einer Legitimation. Diese ethischen Konflikte spiegeln sich in den politischen Entscheidungsprozessen wider: Die Vereinten Nationen haben in einer Deklaration das reproduktive Klonen 2005 zwar unverbindlich geächtet. Zu einer bindenden Resolution kam es jedoch nicht, weil einige Länder das therapeutische Klonen legalisiert, andere jedoch sowohl das therapeutische als auch das reproduktive Klonen verboten sehen wollten.

In den USA gibt es nach wie vor kein Bundesgesetz gegen das Klonen, so dass die Bundesstaaten individuell festlegen, ob jegliches oder nur reproduktives Klonen verboten ist. Viele haben jedoch gar kein Klon-Gesetz – so auch in Kentucky, wo Karl Illmensee seine Menschenklonexperimente durchführte.

Sascha Karberg