21.05.2015
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wissen.de Artikel

Was bitte macht ein Geomatiker?

Neue und modernisierte Berufe im Jahr 2010

Ausbildungsberufe brauchen ein regelmäßiges Update. Denn das Know-how, das Unternehmer an ihre Zöglinge weitergeben, muss den aktuellen technischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen und neuen Erfordernissen entsprechen. Deswegen kommen jedes Jahr Ausbildungsberufe auf den Prüfstand: Arbeitgeber, Gewerkschaften, Bund und Länder überlegen, welche Berufe gestrichen oder modernisiert, welche neu entwickelt werden. Neben zehn modernisierten Ausbildungsordnungen werden dieses Jahr zum 1. August die Berufe Kartograph und Bergvermessungstechniker vom Markt genommen, der Geomatiker kommt neu hinzu. Eine Übersicht.

Neuer Beruf

Der angehende Geomatiker sitzt ab sofort im ersten von insgesamt drei Ausbildungsjahren mit den Azubis zum Vermessungstechniker in einem Klassenraum. Der neu geschaffene Beruf Geomatiker wird die Inhalte aus dem dann nicht mehr angebotenen Beruf Kartograph auffangen. Außerdem stehen wesentliche Elemente aus der Photogrammetrie und Fernerkundung auf dem Lehrplan. Schwerpunkt des Berufes ist die gesamte Prozesskette von der Geodatenerfassung über die Weiterverarbeitung (Interpretation, Integration, Analyse, Speicherung) bis zur Visualisierung und Marketing.

 

Modernisierte Berufe 

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Jugendlicher bei der Berufsberatung

In den örtlichen Agenturen für Arbeit nehmen sich die Berufsberaterinnen und Berufsberater viel Zeit für persönliche Beratungsgespräche.

Für den Azubi zum Vermessungstechniker kommen Geoinformationstechnologie und Bergvermessung neu hinzu. Da die Bergvermessung in den Beruf des Vermessungstechnikers integriert wird, kann der Ausbildungsberuf des Bergvermessungstechnikers aufgehoben werden. 

Die duale Ausbildung zum Büchsenmacher dauert ab dem 1. August 2010 nur noch drei statt dreieinhalb Jahre. Die beiden Teile der Gesellenprüfung werden zeitlich entzerrt. Zu den inhaltlichen Neuerungen gehört, dass die Azubis nicht nur manuell und handwerklich, sondern auch auf rechnergesteuerten Maschinen fertigen lernen. Waffenrechtliche Bestimmungen bleiben Bestandteil des Lehrplans. 

Beim Beruf zum Papiertechnologen sind ab sofort Fremdsprachen gefragt. Damit soll die Kommunikation innerhalb des Betriebs verbessert werden. Die Fachrichtungen "Papier, Karton und Pappe" und "Zellstoff" fallen weg. Dafür spezialisieren sich die Azubis schon früh, und zwar entsprechend der Ausrichtung des Betriebes. Sie können aus 12 Wahlqualifikationen zwei auswählen. Neu ist außerdem, dass die Azubis lernen, kleine Wartungsarbeiten an den Papiermaschinen durchzuführen. Da es keine mechanischen Maschinen mehr gibt, sondern diese mit mehr Mess- und Leitstandtechnik ausgestattet sind, steht die Mess- und Regeltechnik auf dem  Lehrplan. An die Stelle der Zwischenprüfung tritt eine zweigeteilte Abschlussprüfung.

Alte Handwerksberufe neu organisiert 

Der Trend beim Böttcher-Handwerk geht zurück in die Vergangenheit. War in den 80er Jahren die Nachfrage nach Kunststoff- und Edelstahlbehältern groß, gewann noch im gleichen Jahrzehnt das traditionelle Holzfass zunehmend an Bedeutung. Die  Azubis lernen jetzt wieder, Bottich und Fässer aus Holz zu konstruieren und herzustellen. Der Unterricht findet in Österreich statt. 

Der angehende Revierjäger lernt, Wildbestände und Jagdbetrieb über größere Flächen als bisher zu organisieren. Neu in den Lehrplan aufgenommen wird die Öffentlichkeitsarbeit sowie Führungen und Veranstaltungen zum Thema "Jagd" und "Wildarten".

Der Molkereifachmann heißt ab dem 1. August Milchtechnologe. In seiner Ausbildung erwirbt der Milchtechnologe zusätzlich Kenntnisse in betrieblichen Systemen zur Qualitätssicherung und in der Betriebshygiene. Schwerpunkt der Ausbildung ist die Leittechnik zur Steuerung des gesamten Produktionsprozesses. Der Milchtechnologe kann später in milchverarbeitenden Betrieben, aber auch als Feinkost-, Getränke- oder Süßwarenhersteller arbeiten.

Für die Berufe "Segelmacher" und "Technischer Konfektionär" soll es gemeinsame schulische Inhalte geben. Grund: Die Beschäftigten beider Berufe stellen Planen, Zelte und Markisen, also technische Konfektionsware her und montieren diese. Jeder Beruf bekommt jedoch je einen eigenen Rahmenlehrplan und eine eigene Prüfungsverordnung. 

Zu den vier Fachrichtungen in der Ausbildung zum Pferdewirt kommt eine fünfte hinzu: das "Spezialreiten", das in "Westernreiten" und "Gangreiten" unterteilt ist. Die Fachrichtungen "Pferdehaltung und Service", "Pferdezucht", "Klassische Reitausbildung" und "Pferderennen" bleiben bestehen. Auf Pferdehaltung und Service wird mehr Wert gelegt als bisher: Die Pferdewirte betreuen und versorgen die Tiere externer Pferdehalter vor allem in so genannten Pensionspferdebetrieben. Die Prüfung orientiert sich ab sofort am Berufsalltag, Theorie und Praxis werden miteinander verknüpft.

 

Der Beruf zum Buchhändler wird ebenfalls modernisiert. Das Neuordnungsverfahren wird allerdings voraussichtlich im Mai 2010 abgeschlossen sein.

 

Ausblick 2011

Zum 1. August 2011 erhalten folgende Berufe eine neue Ausrichtung:

  • Drucktechnologe

  • Fachkraft für Lederverarbeitung

  • Mediengestalter Flexografie

  • Reiseverkehrskaufmann

  • Siebdrucktechnologe

 

Ausführliche Informationen zu diesen Ausbildungsberufen und -verordnungen finden Sie im Internet unter www.bibb.de und www.bmwi.de.

von Dorothea Treder, wissen.de