21.05.2015
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wissen.de Artikel

Weniger Verkehrstote

100 Jahre Verkehrsunfallstatistik

Autofahren war vor 100 Jahren viel gefährlicher als heute. Seit 1970 sinkt die Zahl der getöteten Personen trotz erhöhtem Verkehrsaufkommens kontinuierlich.

Wie das Statistische Bundesamt zum hundertjährigen Bestehen der Straßenverkehrsunfallstatistik ermittelt hat, war im Zeitraum 1906/1907 das Risiko, bei Unfällen im Straßenverkehr zu sterben – bezogen auf den Kraftfahrzeugbestand – 56-mal so hoch wie im Jahr 2005.

Zwanzig Jahre nach der Patentierung des ersten Automobils sah sich die Regierung des Deutschen Reiches veranlasst, die "Statistik der beim Betrieb von Kraftfahrzeugen vorkommenden schädigenden Ereignisse" ab 1. April 1906 einzuführen. Wenige Monate später, ab Januar 1907, wurde zum ersten Mal auch der Kraftfahrzeugbestand erhoben.

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Der Schauspieler James Dean ist vermutlich das prominenteste Opfer eines Verkehrsunfalls. Er starb 1955 in seinem Porsche, der bei dem Unfall völlig zerstört wurde.

Am 30. September 1955 kommt der junge Schauspieler James Dean bei einem Verkehrsunfall in den USA ums Leben. Das völlig zerstörte Porsche-Cabriolet, in dem James Dean starb.

Die Bestandsstatistik ermittelte für den ersten Stichtag 27 026 zugelassene Kraftfahrzeuge im Deutschen Reich, davon 15 954 Krafträder, 957 Lastkraftwagen und 10 115 Autos. Im ersten Berichtsjahr (1. Oktober 1906 bis 30. September 1907) wurden 4 864 Unfälle gezählt, bei denen 145 Personen getötet und 2 419 verletzt wurden. 85% der Getöteten kamen bei Unfällen mit Personenkraftwagen ums Leben, obwohl der Pkw-Anteil am Kraftfahrzeugbestand zu dieser Zeit nur bei 37% lag. Autofahren war somit in den Pionierjahren noch deutlich gefährlicher als heute. Insgesamt ist der Kraftfahrzeugbestand bis 2005 auf das 2083-fache gestiegen, die Zahl der Verkehrstoten aber "nur" auf das 37-fache.

Hohe Motorleistung schien damals die Fahrer besonders leicht zu überfordern. Von den 54 zugelassenen Kraftfahrzeugen mit mehr als 40 PS waren 48 im ersten Berichtsjahr in Unfälle verwickelt. Der Zusammenstoß mit einem anderen Kraftfahrzeug war bei der damaligen Dichte an Fahrzeugen ein seltenes Ereignis: 196 derartige Kollisionen (4% aller Unfälle) wurden im Zeitraum 1906/1907 gezählt, davon allein 152 in Berlin. Häufig waren Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern (32%), mit Reitern und Geschirren (27%), Straßenbahnen (11%) oder eine Folge des Durchgehens von Zugtieren (10%).

Für 1953 lässt sich das erste Bundesergebnis (nach dem heutigen Gebietsstand) errechnen: 12 631 Verkehrstote kamen statistisch auf fast 4,8 Millionen Fahrzeuge. Beide Zahlen stiegen in den Folgejahren: 1970 wurden 21 332 Verkehrstote gezählt, der Kraftfahrzeugbestand hatte auf 20,8 Millionen zugenommen. Seitdem ist – mit wenigen Ausnahmejahren – die Zahl der Verkehrstoten permanent gesunken: Im vergangenen Jahr kamen 5 362 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, 56,3 Millionen Fahrzeuge waren in Deutschland registriert. Eine positive Entwicklung, zu der sicher auch die amtliche Statistik durch ihre laufende Berichterstattung und Analyse des Unfallgeschehens einen Beitrag geleistet hat.

http://www.destatis.de

Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden