21.05.2015
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wissen.de Artikel

Goodbye Deutschland!

Von dem Reiz auszuwandern

Die Serie "Goodbye Deutschland" und zahlreiche andere Doku-Serien greifen ein immer beliebteres Thema auf: das Auswandern. wissen.de hat mit Ralf Meier gesprochen - Journalist und Autor des Buches zur gleichnamigen VOX-Serie "Goodbye Deutschland - die Auswanderer". Erfahren Sie mehr über erfolgreiche Tipps rund ums Auswandern, die Auswanderungspläne des Autors sowie über seinen "Gladiator"-Freund Ralf Moeller.

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Traumziel Sizilien

Mit Anna am "Fontana del ratto di Proserpina" in Enna, dem "Nabel Siziliens".

wissen.de: Herr Meier, wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch zum Thema Auswandern zu schreiben?

Ralf Meier: Die VOX-Dokus "Goodbye Deutschland – Die Auswanderer" und "Auf und davon" laufen ja bereits seit langem sehr erfolgreich im Fernsehen. Die Idee zu einem Begleitbuch zu diesen Serien ist von meinen Kollegen der txt redaktion+agentur an mich herangetragen worden. Gemeinsam haben wir in den letzten Jahren zahlreiche Lifestyle-Bücher auf den Weg gebracht und auch mehrfach Projekte für den wissenmedia-Verlag realisiert. Sie wussten, dass ich ein sehr persönliches Interesse an diesem Thema habe, außerdem hatte ich bereits kurz zuvor für das Goethe-Institut zu den Motiven von Auswanderern recherchiert und dabei jede Menge Hintergrundmaterial gesammelt.

wissen.de: Woher haben Sie die genauen Hintergrundinformationen für Auswanderer?

Ralf Meier: Aus persönlichen Gesprächen habe ich viel über die emotionale Seite des Auswanderns erfahren. Über die harten Fakten, z.B. Visa, Arbeitserlaubnis und Sozialversicherungen informieren die Versicherungsträger, das Auswärtige Amt, die Botschaften der Zielländer, aber auch Institutionen wie das Raphaelswerk mit seinen zahlreichen Anlaufstellen. Außerdem gibt es im Internet zahlreiche Foren, in denen Auswanderer ihre Erfahrungen posten. Positive wie negative.

wissen.de: Sie planen selbst auszuwandern, warum?

Ralf Meier: Als Journalist und Autor ist die deutsche Sprache mein wichtigstes Instrument. Aus beruflichen Gründen ins Ausland zu ziehen, wie es derzeit so viele Menschen tun, stand daher nie zur Diskussion. Stattdessen gehöre ich zu denen, die ihren Ruhestand lieber unter südlicher Sonne als im ewigen Herbst Deutschlands verbringen wollen. Mein Ziel ist Sizilien.
Ein Standbein in Deutschland wird es allerdings immer geben. Wir sind hier schon durch unsere Kinder zu fest verwurzelt, um alle Zelte abzureißen. Von Düsseldorf nach Catania sind es mit dem Flieger ja nur zwei Stunden. Auswandern light sozusagen.

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Traumziel: Sizilien

wissen.de: Warum wollen Sie gerade nach Sizilien auswandern? Was reizt Sie an diesem Land?

Ralf Meier: Die sizilianische Lebensart fasziniert mich, seit ich als Jugendlicher den Roman „Mamma Lucia“ von Mario Puzo gelesen habe. Der entscheidende Grund ist allerdings, dass meine Frau Anna Sizilianerin ist und ein großer Teil ihrer Familie dort lebt. Wir nutzen jetzt schon jede Gelegenheit zu einem Besuch, selbst wenn es nur ein verlängertes Wochenende ist. Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal selbst Wein gemacht. Natürlich mit der tatkräftigen Unterstützung meines Schwiegervaters und meines Schwagers. Trotzdem war es eine völlig neue Erfahrung für einen Stadtmenschen wie mich. Na gut, die Sommeliers der Edelrestaurants stehen noch nicht Schlange, um meinen Wein zu kaufen, aber immerhin: Mir schmeckt er.

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Traubenpresse statt Computer

Beim Weinmachen legt der Autor selbst Hand an.

wissen.de: Für das Buch haben Sie sich ausführlich mit Menschen, die ihre Auswanderpläne verwirklicht haben, beschäftigt. Welche Auswanderbiografien finden Sie besonders spannend finden?

Ralf Meier: Unter den modernen Auswanderern beeindruckt mich natürlich besonders die Biografie von Arnold Schwarzenegger. Da verlässt jemand als junger Mann seine Heimat, um sein Glück in der großen weiten Welt zu machen und setzt seine Ideen genauso um, wie er sie geplant hat. Noch dazu in so völlig unterschiedlichen Lebensbereichen. Das ist schon ziemlich bemerkenswert und in dieser Form wohl auch einzigartig. Beeindruckt hat mich aber auch der Werdegang meiner Frau Anna, die mit acht Jahren ohne jegliche Kenntnisse der Landessprache in eine deutsche Klasse kam. Trotzdem gelang ihr die Eingewöhnung in kürzester Zeit. Dieses Durchsetzungsvermögen hat sie sich bis heute bewahrt.

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Auswanderer Ralf Moeller: Schauspieler und Freund des Autors


wissen.de: Ein prominenter Freund von Ihnen, Ralf Moeller, ist bereits 1992 nach Los Angeles ausgewandert. Stehen Sie regelmäßig in Kontakt? Was können Sie von seinen Erfahrungen weitergeben?

Ralf Meier: Ralf war über viele Jahre regelmäßig in Kalifornien und hatte die nötigen Kontakte geknüpft, bevor er endgültig dorthin gezogen ist. Wir sehen uns natürlich nicht mehr so oft wie früher, als er in Recklinghausen quasi um die Ecke wohnte, halten aber telefonisch Kontakt. Wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt, schreibe ich auch mal einen Artikel über ihn. Wir sind ja beide bis heute dem Fitnesssport eng verbunden. Auch er gehört zweifellos zu den erfolgreichen Auswanderern. Daran hatte ich allerdings ohnehin nie Zweifel. Er war ja damals schon auf der Überholspur, und Ralf hat das, was man im Boxen „Nehmerqualitäten“ nennt. Wenn er sich ein Ziel gesetzt hat, kann ihn kein Rückschlag davon abhalten, dieses Ziel zu erreichen.

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Ralf Meier und „Gladiator” Ralf Moeller
Seine Karriere in Hollywood begann 1988 mit dem „No“ einer Sekretärin in einem der führenden Filmstudios. Schon damals ganz Gladiator, ignorierte Ralf sie und stürmte mit den Worten ins Büro des Studiobosses, er sei nicht 12 Stunden geflogen, um sich schon im Vorzimmer abwimmeln zu lassen. Auf dem Rückflug hatte er die Verträge für seine ersten drei Hollywood-Produktionen, darunter „Cyborg“ mit Jean-Claude van Damme, in der Tasche. Mit dieser Einstellung steigen natürlich auch die Chancen für einen gelungenen Neuanfang im Ausland. Die wichtigste Regel in Ralfs Leben kann man sicher auf alle Lebensbereiche übertragen. Sie lautet: Wenn Du etwas wirklich willst, kümmere Dich selbst darum. Verlass Dich nie auf andere! Aber genau daran hapert es bei vielen. Nicht aus Zeitmangel, sondern aus Angst vor einer Absage oder einer Zurückweisung.

wissen.de: Welche weiteren Tipps können Sie Auswanderwilligen geben?

Ralf Meier: Vorbereiten, vorbereiten, vorbereiten. Sich nicht nur an seinen Hoffnungen und Wünschen orientieren, sondern alle Möglichkeiten in Gedanken durchspielen. Auch negative Szenarien. Das ist besonders für Familien wichtig. Was passiert, wenn ein Familienmitglied plötzlich schwer erkrankt? Sind die Behandlungsmöglichkeiten im Zielland ausreichend? Wie lange hält man durch, wenn man den Job verliert? Gibt es Alternativen? Und ganz wichtig: Eine Sprache nicht erst im Zielland erlernen, sondern so gut wie möglich schon vor der Abreise. Um die Bedeutung der Sprache ermessen zu können, genügt ein Blick auf Deutschland. Hier leben ja auch mehrere Millionen Ausländer. Diejenigen, die kaum Deutsch sprechen, haben die schlechtesten Karten. Das fängt in der Schule an und zieht sich wie ein roter Faden durch den Rest ihres Lebens. Kein Arbeitgeber kann Mitarbeiter gebrauchen, mit denen er sich nur mit Händen und Füßen unterhalten kann. Das gilt überall auf der Welt.
Nicht zuletzt sollte man sich auch ernsthaft fragen, ob man überhaupt ein Typ zum Auswandern ist. Wer schon nervös wird, wenn´s für zwei Wochen in den Urlaub geht, sollte seine Zukunftspläne vielleicht doch lieber auf Deutschland konzentrieren. Schließlich gibt es hier auch wunderschöne Gegenden.

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Kurzvita

Ralf Meier wurde am 13. Juni 1960 in Duisburg geboren und schreibt heute als freier Journalist und Sachbuchautor insbesondere über Lifestyle-Themen. Seine Bücher und Artikel wurden in zahlreichen Sprachen übersetzt und sind in Europa, Amerika und Australien erschienen. Im Alter will auch er „Goodbye Deutschland“ sagen, um sich auf Sizilien dem Anbau von Wein und Oliven zu widmen.

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