29.05.2015
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Ski-Trends

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Carver ohne Stöcke

Carven

Noch warten wir auf die weiße Pracht, aber (hoffentlich) bald werden Schneemassen die Almwiesen und Berghänge wieder zu Skipisten und Tiefschneehänge verwandeln. Den fehlenden Rest erledigen bis spätestens Weihnachten die Schneekanonen. Und allerorts in den Alpen werden die Tourismusverbände mit Ski-Openings um die Gunst der ersten Wintergäste buhlen. Spätestens dann fragt sich der Wintersportler: Tut es das alte Material noch mal oder soll ich mir nicht in diesem Jahr mal ein Paar neue Ski gönnen?

Der Leihski ist "in"

Der Trend hin zum Leihski ist ungebrochen. Ein paar bequeme Skischuhe besitzen und dann die neueste Skimodelle stets vor Ort mieten hat schließlich seinen Reiz und ist bequem. Hat man sich doch zum Kauf entschlossen, taucht sogleich die nächste, womöglich noch viel schwierigere Frage auf: Welcher Ski darf es denn sein? Ließ einem der Skiverkäufer früher lediglich das eigene Fahrkönnen einschätzen und fragte dann noch: „Sind Sie eher ein sportlicher oder gemütlicher Fahrer?“, wird es heute schon wesentlich komplizierter.

Noch nie gab es eine so große Auswahl wie in dieser Saison. Die Produktpalette ist riesig, die Regale in den Sportgeschäften sind voll mit den verschiedensten Bretter-Typen. Jeder Skifahrer hat seine eigene Vorstellung vom alpinen Sport, die Industrie scheint alle Wünsche erfüllen zu wollen. Wer einfach nur ein Paar Ski will, ist zunächst überfordert: Allround-Carver, Race-Carver, Power-Carver, Skicross, Freeride, Twin Tip, Telemark, Wellness-Ski, Funcaver …– und all das dann noch als Lady-Modelle.

Alles in einem: der Mulit-Condition-Ski

Fest steht: wer sich für einen so genannten Multi-Condition-Ski entscheidet, der liegt in diesem Winter nicht nur voll im Trend, sondern er wird sicher auch seine Freude daran haben, in verschiedenen Situationen und bei unterschiedlichen Pistenverhältnissen die passenden Bretter angeschnallt zu haben. Ob nun der gefrorene Gletscher, der Tiefschnee oder der Firn des Frühjahrs lockt, die Hersteller versprechen, mit diesem Skityp lasse sich die gesamte Saison bestreiten. Er weist meist die breite Geometrie eines Freeriders auf und ist zugleich so stark tailliert wie ein Slalomski. Dadurch erhalten die Multi-Condition-Ski im Tiefschnee besonders guten Auftrieb. Etwas breiter sind die Allmountain-Carver, die ebenfalls Vielseitigkeit verheißen und dazu einfacher zu fahren sein sollen als die früheren Allrounder. Der Skifahrer soll weniger Kraft zum Lenken benötigen, Laufstabilität, Kantengriff und Kurverführung sollen verbessert worden sein.

Längst haben die Hersteller die Frauen als eigene Zielgruppe entdeckt. Und das betrifft nicht nur das Design, sondern auch die Bauweise der Bretter. Denn die Branche hat festgestellt: Frauen fahren oft technisch besser, aber mit weniger Kraft. Und noch dazu vergeht ihnen der Spaß am Wintersport, wenn sie nach dem Schleppen viel zu schwerer Ski bereits beim Erreichen der Talstation müde sind. Wenn auch die Auswahl an Lady-Modellen noch nicht ganz an die Vielfalt der Männerski heranreicht, das Segment ist auch in diesem Jahr wieder gewachsen.

Wer auf Individualität steht, weil es ihm die Laune verdirbt, wenn vier von fünf Sessellift-Mitfahrern die gleichen Bretter wie man selbst untergeschnallt haben, dem gefällt sicherlich der Trend hin zu kleinen, exklusiven Herstellern. Vorausgesetzt  natürlich, er ist bereit, sich die Extravaganz auf der Piste etwas kosten zu lassen. Edelmarken wie Volant, Bogner, Lacroix und Chanel haben den Skimarkt entdeckt und bieten ungewöhnliches Dekor, das auf die Skikleidung abgestimmt ist.

Coole Alternative: der Twin Tip

Eine große Zukunft wird auch den Twin Tip Modellen vorhergesagt. Die Ski mit den aufgebogenen Enden gelten vor allem unter jungen Wintersportlern als coole Alternative zum „langweiligen“ Allmountain-Carver und Wahlmöglichkeit  zum Snowboard. Der trendige Ski aus den USA, den nicht mehr nur allein die waghalsigen Hüpfer in den Funparks und Halfpipes an die Füße schnallen, sondern der zunehmend auch als vielseitiger Ski genutzt wird, erfreut sich vor allem zunehmender Beliebtheit, weil er mit Lifestyle, Freiheit, Andersartigkeit und Abgrenzung von den Massen verbunden wird.

Eine andere Arte der Individualität spielt sich zunehmend abseits der Pisten ab. Die Zahl der Tourenskifahrer hat in den vergangnen Jahren enorm zugenommen und wird weiter steigen. Im gesamten Alpenraum rechnet man mit einer Million Menschen, die mindestens zehn Touren in der Saison absolviert. Auch hier hat die Industrie auf die Bedürfnisse der Freizeitsportler reagiert. Die Ski sind wesentlich leichter geworden und verfügen zudem über ein besseres Abfahrtverhalten, und zwar nicht nur neben, sondern auch auf der Piste. Auch gibt es bereits Schuhe, die sich wesentlich besser als frühere Tourenskischuhe auch für das Fahren auf der Piste eignen. Denn: Vielseitigkeit steht hoch im Kurs.

Von Iris Hilberth