21.05.2015
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Brauchtum, Berge, Badespaß – das Chiemgau

Ich habe gegenüber meinem Kind ein schlechtes Gewissen, da ich Urlaub in den Bergen mit meinem Eltern gehasst habe. Verzeih’ mir mein Sohn, aber es ist ein wunderschönes Stück Erde: das Chiemgau.
 

Hier gibt es viele Seen und hohe Berge, hübsche Städte und überall stehen Kühe auf grünen Weiden, jetzt im Frühjahr blüht der Löwenzahn als gelber Farbtupfer darauf. Es ist gut zu erreichen und alle Familienmitglieder – Kind will spielen, Mama auf den Berg, Papa ins Wasser - können auf ihre Kosten kommen. Nur eines kann Ihnen leider keiner versprechen: Sonne!


Bergeslust

 

Aber gehen wir doch gleich mal in die Berge. Ein unvergessliches Erlebnis meines Sohnes war die Seilbahnfahrt auf den Hochfelln. Es ist sicher kein Insidertipp, denn der Parkplatz in Bergen an der Talstation ist im Hochsommer immer gefüllt. Aber vom Gipfel hat man in den Süden einen traumhaften Blick zu den Zentralalpen, zum Großglockner und in die österreichische Bergwelt. Auf der anderen Seite sind der Chiemsee und der Waginger See zu sehen. Das Hochfellnhaus rühmt sich übrigens, das höchstgelegenste Gasthaus des Chiemgaus zu sein.

Erste Erfahrungen auf der Alm
Eine andere Möglichkeit ist, bereits in der Mittelstation auszusteigen. Von hier aus starten kleine und größere Wanderungen, die an netten Hütten vorbeiführen. Bei Kleinkindern muss schließlich der Kraxenträger versorgt sein, bereits selbstständig laufende Kinder können sicher mit einer Wiener Wurst oder einem Apfelstrudel gelockt werden. Jedenfalls treibt dieses Versprechen meinen Nachwuchs zu Höchstleistung an. Unterhalb der stark besuchten Bründlingalm liegt die kleine Jause „Almkaser“, die im Sommer von sympathischen Bauern aus Übersee bewirtet wird. Uns schmeckte dort der Ziegenkäse, unser Sohn war von den dazugehörigen Milchlieferanten begeistert, die um unseren Tisch tobten.

Wundern Sie sich nicht über die vielen Nordic-Walker, die Ihnen hier überall in Berg und Tal begegnen. Wenn es nach den Chiemgauern ginge, müsste jeder Tourist auf diesen Trend setzen und einen „Stockkurs“ besuchen.

Als ein toller Wanderführer hat sich übrigens das kleine Büchlein von Anne Rose „40 wunderschöne Touren auf Chiemgauer Almen für den Feierabend“ erwiesen. Darin werden 40 Wanderungen, die in ein bis maximal zwei Stunden auf sogenannte Niedrigalmen führen, beschrieben. Hier fehlen auch die Bergklassiker Kampenwand, Hochfelln oder  Sonntagshorn nicht. Das Heftchen ist in den Tourismusinformationen oder Buchläden vor Ort erhältlich.

 

Inselfreude

 

Abfahrtssteg am Chiemsee
Weg von den Höhen, hinein ins Wasser. Was gibt es Aufregenderes für ein Kind als mit dem Boot über Wasser zu gleiten. Um den Chiemsee ist natürlich fast an allen Orten ein Bootsverleih zu finden. Eine Fahrt auf Herren-Chiemsee bewegt sich in einem Rahmen, den auch die Kleinsten ertragen können, insbesondere, wenn Sie von der Fähre gleich in die Kutsche umsteigen und per Pferd zum Märchenschloss gebracht werden. Ein nettes Picknick im Schlossgarten oder der Besuch des Schlosshotels sollten neben einer Führung im Hause Ludwigs II. unbedingt eingeplant werden. 

Neben Herren-Chiemsee liegt Frauen-Chiemsee. Viele Fähren fahren beide Inseln an. Die kleinere wirkt im Gesamten wie ein Museum. Neben dem Kloster reihen sich  kleine Häuschen mit gepflegten Gärten aneinander, deren Besitzer kein Unkraut zulassen. Eine frische Fischsemmel, die es allerorten gibt, lässt erkennen, dass dort wirklich gelebt und gefischt wird. Für meinen Sohn war es übrigens unvorstellbar, dass auf der 300 Meter breiten und 600 Meter langen Insel keine Autos fahren.


Chiemsee Schifffahrt Ludwig Freßler KG; Telefonnummer 08051/62943

Badespaß

Baden kann man am „Bayrischen Meer“ fast überall, sofern die Temperaturen es erlauben. Es gibt auch schöne Strandbäder, wie beispielsweise in Übersee, Seebruck, Chieming oder Gstadt. Mein Favorit ist das Seebad Chieming. Aber nicht nur wegen des Strandbades, sondern wegen des Italieners, der nebenan seine Biertische aufgestellt hat. In einem wunderbarer Biergarten unter großen Linden direkt am See werden leckeres Essen und herrlicher Cappuccino serviert. Und lassen Sie uns mal ein offenes Wort reden: Jägerschnitzel, Wienerschnitzel und Schweinebraten kann man ja nicht jeden Tag essen, wie es uns die bayrischen Küchenchefs einzureden versuchen.

 

Aber das Chiemgau bietet auch weniger berühmte Seen, die Badespaß für die ganze Familien garantieren. Der Tüttensee beispielsweise ist ein kleiner Moorsee in der Nähe von Grabenstätt. Hängematten, Beachvolleyball, ein großer Holzsteg auf dem Wasser, Riesenbälle und Africola ziehen die coolsten Menschen aus der ganzen Region an. So jedenfalls wirkte das auf uns. Auch Familien genießen das warme Seewasser, denn der Sandkasten inmitten der Liegewiese ist immer voll besetzt. 


Das Dreigespann „Lödersee“, „Mittersee“ und „Weitsee“, das zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl liegt, verspricht mit Kindern wilden Badespaß. Allerdings gibt es wenig schattige Plätze, aber tolles Bergpanorama. 

 

Stadtbummel

Nach so viel Natur zieht es einen mal wieder in die Stadt. Ein echtes Highlight ist ein Marktbummel am Samstag in Traunstein. Die Gemüsehändler und Fleischverkäufer aus der Region sammeln sich mitten auf dem Stadtplatz, der neben Einkauf auch zum Kaffeetrinken oder Eisessen einlädt. Die etwa 18.000 Einwohner kleine Stadt, die durch Salzproduktion reich wurde, reizt mit ihren zahlreichen kleinen Geschäften zum Einkaufen. Ob Kleiderboutique, italienischer Feinkostladen, hübsche Blumenläden oder Ökomarkt – alles ist im Zentrum zu finden. Auch die Kunst kommt hier nicht zu kurz, wie man in der Städtischen Galerie oder der „Alten Wache“ im Rathaus oder einer der privaten Galerien sehen kann. Tipp: Lassen Sie Mann und Kind an einem Brunnen am Stadtplatz verweilen und ziehen sie mal alleine los.

Nicht nur bei schlechtem Wetter bietet sich ein Stadt- oder Kulturtag in Salzburg, Rosenheim oder Wasserburg an, hübsche Städte, die schnell per Auto oder Bahn zu erreichen sind. 

 

 

Und hier noch weitere Tipps:

 

Trachtenwallfahrt

Alljährlich findet am 3. Wochenende im Mai eine Trachtenwallfahrt nach Maria Eck statt. Hunderte von Trachtenvereine pilgern von Siegsdorf ins Kloster.

Wer sich mit der Erdgeschichte des Chiemsees auseinandersetzen will, sollte das Mammut-Museum in Siegsdorf besuchen. Der Siegsdorfer Höhlenlöwe weckt sicher bei keinem Kind mehr Angst. Auch die Steinzeit wird durch eine spielerische Variante abgedeckt. Vergessen Sie die Zivilisation und verwandeln Sie sich im Freizeitpark in einen Mammutjäger. Das macht nicht nur den Kindern Spaß. Es gibt während der Sommermonate auch besondere Angebote, wie beispielsweise Trommelkurse,  Steinzeitnacht oder Schamanentreffen. 

Karibisches Flair

Ein Stück Paradies findet man in Übersee in der Sundowner Bar am Hotel Chiemgauhof, die Ende Mai öffnet. Stellen Sie sich vor: Die Sonne versinkt langsam im Westen, im Süden verdunkeln sich die Kampenwand und das Kaisergebirge, leise Reggae-Musik ertönt im Hintergrund, leckere Drinks werden in einem silbernen Bus zubereitet, die nackten Füße spielen im Sand, das Wasser bewegt sich sanft direkt vor Ihren Augen ... die Karibik grüßt. Sie könnten bei zu viel Stimmung auch gleich hier übernachten. Vergessen Sie aber Ihre Kinder nicht! 

 

Apropos Kinder: Eigentlich habe ich kein schlechtes Gewissen, wie anfänglich erwähnt. Mein Kleiner ist Feuer und Flamme, wenn er hört, dass Urlaub oder Wochenende im Chiemgau geplant ist.

  

Und wo Übernachten?
Kinderfreundliche Unterkünfte:

Familienhotel:

http://www.familotel.de/hotels/hotel_freizeit.php?id=18

Auf dem Bauernhof:

http://www.chiemgau-bauernhofurlaub.de/ima_kinderland.php

 

 

 

 

von Andrea Rickert, wissen.de