01.06.2015
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Wieder daheim

Neun Monate durch die Welt: Kerstin reiste von August 2006 bis Mai 2007 durch die Welt. Von London aus ging es über San Francisco nach Chile, Bolivien, Neuseeland und Australien. Dazwischen viele Übernachtungen in Jugendhotels und auf Campingplätzen, Kontakt mit Menschen aller Rassen und Hautfarben, neue Essgewohnheiten und Sprachen. Jetzt ist sie wieder zurück - in München angekommen. Wir haben die Weltreisenden um ihr persönliches Fazit gebeten.

Was war der spannendste Moment auf deiner Weltreise?
 

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San Francisco Beach - Stille Momente in den Dünen

Der spannendste Moment auf der ganzen Reise war sicherlich, als ich spät abends in Santiago de Chile angekommen bin und mir unweigerlich klar wurde, dass ich kein Wort spanisch verstehe. In diesem Moment dachte ich nur “was zum Teufel tue ich hier eigentlich. Werde ich wohl jemals heil in meinem Studentenwohnheim ankommen?“ Naja, als ich da dann so am Flughafen stand, natürlich ohne Pesos in der Tasche und auch nicht fähig war, mir Geld aus dem spanisch sprechenden Geldautomaten zu ziehen, hab ich erst einmal beschlossen mir mit meiner Kreditkarte zwei Bier an der Flughafenbar zu kaufen um mich dann auf den spannenden Weg zum „El Punto“ zu begeben. Also die Aktion war wirklich eine Herausforderung und ich habe auf  jeden Fall gelernt, wie hilflos man sich ohne Sprachkenntnisse fühlen kann. Die Nacht hatte allerdings noch ein Happyend. Nachdem mich ein Taxifahrer sicher am Ziel abgesetzt hatte, bin ich mit ein paar Leuten aus dem Studentenwohnheim noch die ganze Nacht tanzen gegangen. Ich dachte mir "feiern kann ich auch auf spanisch" und meiner Eingliederung hat es auch gut getan.

 

 

Ausland, Ferne, Freunde und Familie weit weg: Was hast du in dieser Zeit besonders vermisst?

 

Also am Anfang habe ich eigentlich gar nichts vermisst. Ich denke, ein kleiner „Einbruch“ kam dann nach 3 Monaten. Da hab ich kurzzeitig meine Familie und Freunde, mein Bett, mein Klo, meinen Kleiderschrank und meine Küche schon ein bisschen vermisst. Aber durch die tollen Eindrücke (ich war zu der Zeit in Chile/Bolivien), bleibt gar nicht so viel Zeit richtig traurig zu sein. Es gibt halt wie zu Hause auch gute und schlechte Zeiten. Das Interessante war, als ich dieses kleine Tief überstanden hatte, habe ich mich innerlich jeden Tag mehr von zu Hause distanziert. Plötzlich ist jedes Bett, jede Küche und jedes Klo deines. Genauso ist es mit den Leuten, die dich umgeben. Man lernt so viele tolle Menschen kennen, da hatte ich kaum Zeit, meine Leute zu Hause zu vermissen. Vor allem bleibt ja immer die Gewissheit, dass man die Menschen, die man zu Hause lieb hat, bald wieder sieht.

 

 

Wie bist du aus deinem Reisetief wieder herausgekommen?

 

Wie schon gesagt, die Reise geht weiter. Jeder Tag bringt neue Erfahrungen und Eindrücke. Und wenn es gar nicht mehr alleine ging, hatte ich natürlich auch meine Kontaktpersonen zu Hause. Gott sei Dank leben wir ja im Zeitalter von Internet und Telefon. Mein größter Dank gilt hierbei Skype.

In Bolivien hast du die Menschen sehr gemocht, wie aus einem Brief zu entnehmen war. In welchem Land hast du dich am wohlsten gefühlt?

 

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"Ausatmen: So habe ich mir das auf der Weltreise vorgestellt. Besser als jede Kneipe."
Am wohlsten hab ich mich sicherlich in Neuseeland gefühlt. Die Menschen und die Natur sind unglaublich dort. Jeder einzelne Tag war toll und voller positiver Eindrücke. Hatte ich Probleme gab es immer Leute, die sofort Hilfe angeboten haben, aber auch ohne Notlagen bin ich immer wieder mit Menschen in Kontakt gekommen, die einfach nur unglaublich offen und nett waren. Natürlich ist es sprachlich gesehen auch viel einfacher für mich gewesen als in Südamerika.

 

In einem Brief schreibst du von dem negativen Verhalten der Australier gegenüber den Aborigines. Welche Erfahrungen sind dir auf der Reise noch negativ aufgestoßen?

 

Da gibt es tatsächlich noch ein paar Dinge. Wie in einem Brief schon erwähnt, hatte ich meine Probleme mit dem amerikanischen Lebensstil. Vor allem in Sachen Umwelt, Arbeitnehmerrechte und Kindererziehung. Was ich auch arg schlimm fand, war das Verhalten der Argentinier (vor allem an der Grenze) zu den Bolivianos. Die wurden behandelt wie ein Stück Dreck. Natürlich alles potentielle Schmuggler. Und was ich ja wirklich das allerletzte fand, war das Verhalten der Australier gegenüber den Aborigines. Die bilden sich echt ein, dass sie was Besseres sind und die Aborigines Untermenschen oder so. Da frage ich mich, ob die überhaupt checken, wem das Land ursprünglich gehört hat. Was bilden sich die eigentlich ein?

 

 

Und umgekehrt: Welche Lebensformen, Erfahrungen, Verhaltensweisen sind dir besonders positiv aufgefallen?

 

Das kann ich auf jeden Fall nicht an einem Land festmachen. Ich hab so viele tolle Menschen getroffen, die super positiv und relaxt waren. Nach ein paar Monaten Urlaub schwappte diese Grundrelaxtheit auch auf mich über und plötzlich sieht man das Leben mit anderen Augen. Alles ergibt sich von selbst, großes Planen ist Zeitverschwendung und sowieso ist eh immer alles so richtig wie es ist. Ich merke auch jetzt noch, dass ich viel entspannter bin und anders mit Dingen, vor allem Problemen, umgehe. Ich fühl mich super ausgeglichen und in meiner Mitte, aber um das zu lernen, musste ich eben für ein paar Monate weg.