01.06.2015
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Körperkult Mode

Transparente Hüllen

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Der Wunsch, den Körper nach eigenen oder modischen Vorstellungen zu formen, nimmt großen Stellenwert ein. Durch Diäten und Fitness-Training, Solarium oder Selbstbräuner, Körperschmuck wie Piercing und Tattoo und nicht zuletzt durch Silikonimplantate und Fettabsaugen wird der Körper modelliert, gestaltet, verziert und in die "richtigen Maße gebracht. Von transparenten Stoffen bis zu an allen möglichen Körperstellen ausgeschnittenen Kleidern (Cut Outs) legt die Mode schließlich die Hüllen bereit, mit denen das Ergebnis des eigenen Körperdesigns zur Schau gestellt werden kann. Aber die Mode hält auch kleine Hilfsmittel bereit, mit denen nicht allzu perfekte Körperstellen retuschiert werden können.

Comeback des Korsetts

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Madonna kramte mit Hilfe von Modedesigner Jean Paul Gaultier das Korsett und den Torpedo-BH aus der Rumpelkammer hervor und löste damit in den 90er Jahren einen Mode-Boom aus. Die Queen der Selbstinszenierung war nicht unwesentlich am Modetrend beteiligt, dass man Unterwäsche nicht mehr "drunter trägt, sondern öffentlich sichtbar werden lässt.

Jahrhundertlang war das Korsett die versteckte Basis für eine "gute Figur. Mal diente es dazu den Oberkörper flach zu pressen, mal hob es den Busen hervor. Im 19. Jahrhundert wurde das Einschnüren der Taille bis zur Atemnot betrieben, um Frauen- aber auch Männerkörper, in die beliebte Sanduhrform zu zwängen. Und selbst in den 50er Jahren war das Korsett - unter dem Namen "Mieder oder "Korselett - die notwendige Unterkleidung für die rasanten Formen einer Wespentaille.

Textil als zweite Haut

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Die Unterwäsche kam prompt in dem Moment zum Vorschein, in dem sie gar keine körperformende Funktion mehr übernehmen musste. Schließlich ging mit der Fitnesswelle in den 80er Jahren ein völlig neues Körperbewusstsein einher. Jane Fondas Aerobic-Videos fanden reißenden Absatz und die Menschen stürzten sich auf jede neue Diät. Der Körper wurde durchtrainiert bis in die letzte Faser und benötigte keine formenden Kleidungsstücke mehr. Im Gegenteil: Die neue Stretchmode, Minikleider und Leggins zeichneten jede Körperform detailgenau nach und liefern die ideale zweite Haut, um den straffen, muskulösen Body sexy zu präsentieren.

Wunderbarer Wonderbra

Adriana Karembeu-Slenarikovaist das Supermodel mit makellos schlankem Body und vollen Brüsten wirbt für den "neuen Wonderbra, der sein Comeback aus den fünfziger Jahren feiert. Frauen mit kleinerem Busen kann geholfen werden: Der Push-Up hebt den Busen und drückt ihn mittig zusammen, so dass er sich optisch in seinem Volumen fast verdoppelt. Mittlerweile ist er in immer ausgefeilteren Versionen, zum Beispiel mit doppelten Einlagen oder weichen Wasserpolstern, erhältlich.

Shape Up!

Nicht nur im Bereich des Oberkörpers erlebt die formende Unterbekleidung ein Revival. String-Tangas üben "Bauch-weg-Druck" aus. Die neuen Slips - auch für Herren - und Strumpfhosen aus neuen High-Tech-Fasern übernehmen für den Po die Push-Up-Funktion und bringen die Oberschenkel in die richtige Form. Gleichzeitig massieren sie das Gewebe und geben in die Fasern eingebettete Body-Lotions an die Haut ab, um der Ausbreitung von Cellulite vorzubeugen. Das verspricht zumindest die Werbung. Und auch für den Po und die Hüften gibt es inzwischen "künstliche Pölsterchen", die sich angeblich vor allem bei Japanerinnen großer Beliebtheit erfreuen.

Kleidung als Blickfang

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Von der Unterwäsche abgesehen offeriert die Mode diverse Bekleidung, die den Körper präsentiert. Dabei begnügt man sich längst nicht mehr mit Stretchkleidern. Gefragt sind Kleidungsstücke, die viel Haut zeigen. Im Zentrum des Interesses steht der wohlgeformte Bauch, der zwischen Hüftjeans und XXS-Shirts hervorblitzt. Wie bei Britney Spears sollten Hosen mindestens eine Handbreit unter dem Bauchnabel und Shirts eine Handbreit darüber enden. Glitzernde Gürtel und Kettchen werden um die Hüfte geschlungen und zieren den nackten Bauch. Die oft mit Piercings geschmückte Körperpartie wird zum modischen Blickfang. Asymmetrisch geschnittene Tops, die Schulter, Rücken und Dekolletee freilegen, rücken die nackte Haut ins rechte Licht. Transparente Kleider lenken den Blick auf wohl geformte Körper.

Mode für den Körperkult

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Die modische Kleidung konzentriert sich ganz auf den schönen Körper: Unter eng anliegenden, durchsichtigen oder nicht vorhandenen Stoffen kann man nichts verstecken. Aber jeder Trend generiert einen Gegentrend und so erleben wir seit dem Film "Moulin Rouge eine Rückkehr des Korsetts, mit dem man unliebsames Fleisch formschön verpacken kann.
In jedem Fall behauptet sich in der Mode nur das, was getragen wird. Und so reagiert sie auf das gegenwärtige Bedürfnis, den Körper in den Mittelpunkt zu rücken - sie "bekleidet" den Körperkult.

Dem Einzelnen stehen heute allerdings so viele Kleidungsstile zur Auswahl wie noch nie zuvor. Einheitlicher Kleidungsstil ist Vergangenheit. Modetrends sind enorm schnelllebig, Stilelemente aus allen möglichen Zeiten und Kulturen denkbar. Die Wirkung der eigenen Person kann heute sehr individuell inszeniert werden.