21.05.2015
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Niederländische Küste: Mehr als nur Meer

Manche Entscheidungen fallen nicht leicht. Und so machten sich holländische Soldaten schweren Herzens daran, das Gotteshaus unweit des Strands bei Bergen aan Zee zu zerstören. So geschehen vor 400 Jahren während des 80-jährigen Krieges, als die Holländer die weithin sichtbaren Mauern schleiften, um den vom Meer aus angreifenden spanischen Kanonieren das Zielen zu erschweren. Heutzutage ist die "Ruinenkirche" am breiten weißen feinen Sandstrand eine der vielen Attraktionen der insgesamt 280 Kilometer langen niederländischen Küste.

Zur Hälfte See, zur Hälfte Land

Niederlande, Nordseeküste, Strandsegler

Die Nordsee im Westen, das Wattenmeer im Norden und das IJsselmeer im Osten: Die Region Nordholland ist an drei Seiten von Wasser umgeben. Zu den beliebtesten Küstenorten der Region zählt Zandvoort, bekannt für sein jugendkompatibles Nachtleben. In Badeorten wie Julianadorp, Castricum, Bergen aan Zee, Egmond aan Zee, Groet, Schoorl und Camperduin geht es vergleichsweise beschaulich zu. Ausflugstipps bietet der Landstrich zwischen Amsterdam und Texel wie den sprichwörtlichen Sand am Meer: vom Riesen-Spielplatz Linnaeushof bis zum Aquarium in Bergen aan Zee. An der IJsselmeerküste führen die ruhigen Hafenstädte Hoorn, Enkhuizen und Medemblik in die große Zeit der holländischen Seefahrt: Das Zentrum der Region bildet Alkmaar, die Stadt mit dem bekanntesten Käsemarkt der Niederlande.

Zur Hälfte See, zur Hälfte Land: Von jedem Punkt Zeelands aus ist der Strand nur einen Steinwurf entfernt. In Badeorten wie Domburg, Renesse, Burgh-Haamstede oder Cadzand-Bad kommen Sonnenanbeter und Erlebnishungrige wie Familien mit Kindern auf ihre Kosten. Paradies für Wassersportler: Das Veerse Meer, die Oosterschelde und das Grevelinger Meer bieten beste Voraussetzungen für Segler, Surfer und Taucher. Die Region bietet zudem einzigartige Feuchtgebiete und Misch-Gewässer mit Salz- und Süßwasser, in denen sich eine außergewöhnliche Flora und Fauna entwickelt hat.

Lob von EU und ADAC

Niederlande, Nordseeküste, Dünenwanderung

Nördlich von Zeeland beginnt Südholland mit seiner reizvollen Kombination aus Großstädten, altholländischen Kleinstädten und Badeorten. Abwechslung satt offeriert die Residenzstadt Den Haag mit zwei Badeorten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Während im mondänen Scheveningen ein Event das nächste jagt, ist das leise Kijkduin besonders für Familien mit Kindern geeignet. Nicht weit entfernt liegt Noordwijk mit seinem 13 Kilometer langen Strand. Wo einst die belgische Königsfamilie badete, weht heute die "Blaue Flagge", das Symbol für beste Wasserqualität. Der ADAC hatte 1999 rund 160 Badeorte an der Nordsee geprüft und dabei den niederländischen Seebädern gute Noten gegeben. Im letzten Jahr testete die EU die Qualität europäischer Badegewässer und lobte die niederländischen Küsten als “beste Qualität in der EU“.

Naturoasen im Meer: Die fünf niederländischen Nordseeinseln laden zum Urlaub "im Grünen" ein. Neben Sonnenanbetern und Wassersportlern kommen hier vor allem Naturliebhaber auf ihre Kosten: Weite Gebiete stehen unter Naturschutz, Autos sind zum Teil nicht zugelassen. Das besondere Inselfeeling manifestiert sich in traditionellen Festen: die Regatta Oorlamrace rund um Vlieland, das Oerol-Festival rund um Musik, Theater und bildende Kunst auf Terschelling, das Mittsommerfest auf Texel, das Reitsportereignis Hippique Festival auf Schiermonnikoog oder das Straßenfestival Rôggefeest auf Ameland.

Manhattan an der Maas

Und: Rotterdam maritim, futuristisch, jung, kulturbewusst, erlebnishungrig. Die lebendige Vielfalt der niederländischen Stadt spiegelt sich vor allem in ihrem kulturellen Angebot wider: Von der Malerei bis zum Feinschmeckerfestival, von der Oper bis zur Jugendkultur. Schon auf den ersten Blick beeindruckt Rotterdam durch seine moderne Architektur. Futuristisch anmutende Bauwerke prägen die Innenstadt, Kubushäuser bilden einen spannenden Kontrast zum Alten Hafen die auf der Spitze stehenden Würfel stellen einen "Wald aus Baumhäusern" dar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der völlig zerstörten Stadt nicht Altes wieder aufgebaut, sondern Neues geschaffen. So entstand eine moderne City, die nur noch in Ansätzen an das Rotterdam des 19. Jahrhunderts erinnert. Da die dynamische Stadt noch immer wächst, ist auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten mitunter viel Fantasie gefordert. So wurde ein ehemaliges Hafengebiet in einen neuen Stadtteil verwandelt wegen seiner progressiven Architektur "Manhattan an der Maas" genannt. Die modernen Kulissen bergen eine verblüffende kulturelle Vielfalt. Herzstück ist der Museumspark mit dem renommierten Kunstmuseum Boijmans Van Beuningen, der weitläufigen Kunsthal und dem noch jungen Architekturinstitut.

Größter Meereshafen der Welt

Die Verbindung bildet ein Meisterstück der Baukunst: Die Erasmusbrücke. Ebenso entscheidend für die Entwicklung der Stadt war der Erfolg des Hafens: Mit mehr als 300 Millionen Tonnen Güterumschlag pro Jahr besitzt Rotterdam den größten Hafen der Welt. Eine Hafenrundfahrt ist Pflicht: Die Runde führt zu Kranriesen und Containerschiffen, vollautomatischen Entladeterminals und Lagerhallen, Radar gesteuerten Navigationssystemen und gigantischen Instandhaltungswerften. Der eindrucksvolle Hafenbetrieb erstreckt sich über 40 Kilometer von der Stadtgrenze bis zur Mündung der Maas in die Nordsee.

Hoch hinaus geht es auf dem Euromast. Der 185 Meter hohen Turm bietet den besten Überblick über die zweitgrößte Stadt der Niederlande. Und um den Titel des höchsten Aussichtspunktes in einem flachen Land haben die Rotterdamer gekämpft: Als 1970 andere Bauten die prestigeträchtige Rekordmarke zu übertreffen drohten, legten sie nach und erhöhten den ursprünglich 100 Meter hohen Euromast auf das heutige Niveau. Sie toppten den Turm mit einem Turm, dem Space Tower.

(H&A medien/Paul Balthasar)