21.05.2015
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Abenteuer- und Aktivurlaub: Zwischen Grenzerfahrung und bewegten Ferien

Dennis Tito ließ sich nicht lumpen: 20 Millionen Dollar zahlte der amerikanische Milliardär für eine einwöchige Reise, die vor ihm noch kein Privatmann erlebt hatte. An Bord eines Sojus Raumgleiters besuchte er im Mai 2001 die Internationale Raumstation (ISS) im All.

Zwischen Weltraum und Tiefsee: Nervenkitzel pur

Der ultimative Urlaubskick: Mark Shuttleworth nach seinem Weltraumtrip.

Der ultimative Urlaubskick: Mark Shuttleworth nach seinem Weltraumtrip.

Kein Einzelfall: Im April 2002 brach der Südafrikaner Mark Shuttleworth von Baikonur in Kasachstan zum Abenteuer im Weltraum auf. Was heute noch exklusives Vergnügen ist, soll ab 2025 schon erschwinglich für ganz gewöhnliche Millionäre sein, sagt der Veranstalter Space Adventures (http://www.spaceadventures.com). Weitaus erschwinglicher und das schon heute sind Suborbital-Flüge oder Abenteuer in der Schwerelosigkeit an Bord eines russischen Spezialflugzeugs, einer umgebauten Ilyushin-76.

Ebenfalls in Russland gibt es noch ein weiteres Angebot für starke Nerven: So kann man mit der russischen Luftwaffe die Schallmauer durchbrechen. An Bord eines MIG-25-Kampfjets führt der rasende Flug mit mehr als 2700 Stundenkilometern durch die Wolken. Für den Notfall ist vorgesorgt, und die sichere Landung garantiert der begleitende Pilot.

Wen es hingegen in die Tiefe zieht, der kann in Spezial-U-Booten hinab zum Wrack der Titanic tauchen. In 3800 Metern Tiefe liegen die stählernen Reste des in zwei Teile zerborstenen Luxusliners im eisigen Atlantik. Abenteuer- und Aktivurlaub diesseits von Stratosphäre und Meeresgrund gibt es schon heute in großer Vielfalt. Das Spektrum ist weit gefasst und reicht von der Grenzerfahrung im ewigen Eis bis zum sportiven Event ohne Leistungsstress.

Expeditionen ins Abenteuer

Balanceakt: Abenteuer Regenwald

Balanceakt: Abenteuer Regenwald

Für Abenteuer braucht es aber nicht unbedingt Hightech, mitunter kommt der Kick gerade durch die Beschränkung auf das Allernötigste. Zweimannzelt statt Fünf-Sterne-Hotel, Trockenfleisch statt Fünfgang-Menü ohne die Segnungen des 21. Jahrhunderts geht es in die entlegensten Regionen des Globus. Expeditionen in den Himalaja, die Antarktis oder die südamerikanischen Regenwälder bieten nicht alltägliche Herausforderungen, die an das Limit der Leistungsfähigkeit führen. Mitunter sogar darüber hinaus wie 1996, als am Mount Everest ein Dutzend schlecht vorbereiteter Eventtouristen in der so genannten Todeszone erfror.

Wer das Abenteuer sucht, sollte sich rechtzeitig mit den bevorstehenden Aufgaben auseinandersetzen. Schließlich bedeutet das Vorhaben nicht nur Nervenkitzel, sondern auch Stress, Strapazen und Risiko. Der Lohn für solche Entbehrungen ist allerdings hoch: Keine andere Reiseart verschafft derart nachhaltige Eindrücke von Land und Leuten. So organisiert beispielsweise der Deutsche Alpenverein (http://www.dav-summit-club.de) neben konventionellen Klettertouren auch weltweite Expeditionen. Ein Bewertungssystem zeigt, wie es mit der Erfahrung und der Kondition der Teilnehmer aussehen sollte. Dazu gibt der Verein eine Liste der benötigten Ausrüstung heraus.

Im Trend: Aktivurlaub

Surfen: Aktivurlaub hautnah am Wind.

Surfen: Aktivurlaub hautnah am Wind.

Auch kräftezehrend, aber weitaus weniger riskant ist der Aktivurlaub. Hier geht es nicht um das Erleben von Grenzsituationen, sondern um bewegte Ferien. Dabei muss man gar nicht unbedingt in die Ferne schweifen, denn auch hier zu Lande gibt es zwischen Nordsee und Alpenrand eine Vielzahl von Angeboten.

Surfen in der Brandung vor Sylt, Rafting in den wilden Wassern Frankens, Inlineskaten am Alsterufer, Paragliding in der Schwäbischen Alb, Wandern im Harz oder Bergsteigen unweit der Zugspitze das Angebot an Aktivurlaub in Deutschland ist enorm.

Besonders angesagt: Aktivurlaub mit dem Rad. Touren gibt es nicht nur in den klassischen Bergregionen, sondern allerorten und für jeden Schwierigkeitsgrad. Im österreichischen St. Kanzian etwa führt eine Mountainbike-Tour (http://www.sportcenter.at) durch ein stillgelegtes Bergwerk. Rund acht Kilometer werden dabei zurückgelegt. In dunklen Höhlen und bei acht Grad Celsius ist Gänsehaut vorprogrammiert. Aber es geht auch gemütlicher bei unangestrengtem Radeln durch die Genießerregionen Europas vom Elsass bis Andalusien mit kulinarischen Köstlichkeiten am Ende einer jeden Etappe.

Wer's exklusiver mag, sollte Golfen im Schatten aktiver Vulkane versuchen. Neuseeland bietet mehr als 400 Golfplätze zumeist in einzigartigen Landschaften. Die International Association of Golf Tour Operators zeigte sich angesichts der Vielfalt der Greens beeindruckt und kürte die Insel im Jahr 2001 zur “unentdeckten Golf-Destination.

Im Urlaub neue Hobbies entdecken

Aktiv ist aber nicht nur, wer im Schweiße seines Angesichts seine Fitness trainiert. Schließlich bietet der Urlaub auch eine hervorragende Gelegenheit, sich einer Passion endlich einmal grenzenlos zu widmen oder ein neues Hobby im Schnupperkurs unter entspannten Bedingungen kennen zu lernen. In jedem Fall heißt die Maxime: Urlaub vertrödeln verboten. Statt dessen gilt es, seine künstlerischen Fähigkeiten zu schulen beim Malkurs in der Provence oder Bildhauern in Umbrien, seiner Musikalität zu frönen beim Singen in der Toskana oder dem Dudelsackblasen im schottischen Hochland die Möglichkeiten sind endlos.

Paul Balthasar H&A medien