21.05.2015
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Eine kleine Geschichte des Staubsaugers

Welch segensreiche Erfindung: Der Sauger auf Rollen (oder im praktischen Handformat ) wird tagtäglich weltweit millionenfach genutzt. In nahezu jedem Haushalt gehört er zum Inventar. Egal ob Schmutz oder Staub mit einem kräftigten Luftdruck-Sauger wird alles verschluckt, bis der Boden blitzt. Der Staubsauger ist vermutlich einer der wichtigsten Helfer im Haushalt, doch nur wenige werden sich schon einmal Gedanken über seine Geburtsstunde gemacht haben. Und kaum einer weiß vermutlich, dass Staubsaugen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein teures Party-Vergnügen war, dem ausschließlich Männer beiwohnen durften.

1901: Erfinder-Wettlauf um den ersten Sauger

Der Engländer Hubert Cecil Booth ging 1901 als Vater des Staubsaugers in die Geschichte ein. Der Ingenieur tüftelte schon seit Monaten an einer Reinigungsmaschine allerdings recht erfolglos. Die zündende Idee kam Booth schließlich, nachdem er der Vorführung eines Kollegen beigewohnt hatte, der ebenfalls an der Entwicklung eines Hochdruck-Reinigers arbeitete. Dessen Maschine versuchte, angehäuften Schmutz auf dem Boden per Luftdruck in einen Sammelbehälter zu blasen erfolglos. Booth fragte seinen Kollegen, weshalb er nicht versuche, den Schmutz anzusaugen anstatt ihn wegzublasen und wurde besserwisserisch belehrt, dass dies unmöglich sei.

Das Boothsche Prinzip: Saugen statt Blasen

Unbeirrt startete Hubert C. Booth schon bald ein eigenes Experiment. Der Erfinder nahm sich ein Taschentuch, legte es auf einen plüschigen Stuhl und begann, durch das Taschentuch zu saugen. Wie er den Luftdruck erzeugte, ist bis heute unklar (böse Zungen behaupten, er hätte den Luftdruck mit den eigenen Lungen erzeugt und mit dem Mund gesaugt). Egal, welche Methode Booth für das Saugen verwendete: Das Experiment glückte, der Schmutz hatte sich auf dem Taschentuch gesammelt. Seine Theorie vom Saugprinzip hatte sich also bewahrheitet!

Der erste Staubsauger: Eine “Saugkutsche

© Vorwerk Deutschland, Wuppertal. Der Urahn aller modernen Staubsauger war ein wahres Ungetüm. Sein Herzstück, die riesige Saugpumpe, musste auf einem Pferdefuhrwerk zum Einsatzort gebracht werden. ca. 1903 - 1910.

Vom berühmten Elektro-Hoover waren die Tüftler Anfang des 20. Jahrhunderts aber noch weit entfernt. Das erste Reinigungsgerät, das Booth nach seinem geglückten Experiment konstruierte, war ein mechanisches Monster, das der Erfinder auf einem Pferdefuhrwerk transportieren musste. Schuld daran war eine riesige Saugpumpe, die das Herzstück der Boothschen Reinigungsmaschine darstellte. So war das Staubsaugen damals eine aufwändige Aktion: Meterlange Schläuche, die mit der mannshohen Konstruktion verbunden waren, sorgten dafür, dass Staub und Schmutz in einen großen Sammelbehälter auf dem Fuhrwerk vor dem Haus befördert wurden.

Das Stahlungetüm funktionierte zwar verlässlich, war allerdings für den damals durchschnittlichen Haushalt gänzlich ungeeignet. Die meisten Menschen verließen sich weiterhin auf ihre bewährten alten Besen, um die gute Stube zum Blitzen zu bringen. Doch der Prototyp des Staubsaugers avancierte schon bald zum Partyvergnügen der englischen Oberschicht: Die Booth-Maschine sorgte auf so mancher Teeparty für Heiterkeit. Wohlbetuchte Gentlemen bewunderten die neueste Technik bei einer warmen Tasse Earl Grey und Zigarren, während weiß bekleidete Männer mit Booths Gerät das Interieur absaugten.

1907: Hoovers “Modell O stürmt den US-Markt

1916 brachte Hoover diesen Handstaubsauger auf den Markt, Standard für die nächsten zwei Jahrzehnte. Der Sauger verfügt über einen Staubbeutelsack mit integriertem Wegwerfbeutel aus Papier.

1916 brachte Hoover diesen Handstaubsauger auf den Markt, Standard für die nächsten zwei Jahrzehnte. Der Sauger verfügt über einen Staubbeutelsack mit integriertem Wegwerfbeutel aus Papier.

Booths Erfindung sprach sich rasch herum. In Ohio wurde der Fabrikbesitzer William B. Hoover auf die neue Technik aufmerksam. Seinem Angestellten Murray Spangler, der an einer schweren Stauballergie litt, gelang es, Booths Gerät zu optimieren. Er machte sich die Elektrizität zunutze und konstruierte in kurzer Zeit einen wesentlich kompakteren Apparat, der das Booth-Gerät bald ersetzen sollte: Spanglers Modell bestand aus einer Holzbox, in der ein kleiner, elektrischer Ventilator steckte, einem Stromkabel und einem Sack, in den der Schmutz gesaugt wurde fertig war der erste Hoover-Staubsauger, der später “Modell 0 getauft wurde.

Als Firmenchef Hoover den Apparat Spanglers sah, kaufte er ihm sofort die Rechte an der Erfindung ab. Wenig später verwandelte sich die Hoover Company von einer Lederfabrik in die erste Staubsauger-Fabrik der Welt. Neue Technik und günstige Preise verhalfen dem elektrischen Raumpfleger zum Durchbruch auf dem US-Markt. In den 1920er Jahren stellten schließlich weitere Unternehmen (z.B. Kirby, Eureka, Electrolux) Staubsauger her.

Staubsauger-Vertreter und Werbung sorgten schon bald für große Popularität des modernen Haushaltsgerätes. Hier eine Werbung aus den 1920er Jahren für das Staubsaugermodell Star-Sauger.

Staubsauger-Vertreter und Werbung sorgten schon bald für große Popularität des modernen Haushaltsgerätes. Hier eine Werbung aus den 1920er Jahren für das Staubsaugermodell Star-Sauger.

In den 1930er Jahren setzte sich das neue Haushaltsgerät auch in Deutschland durch. Ein Großteil des Verkaufs wurde hier von Vertretern übernommen. So gelangte zum Beispiel der erste Handstaubsauger “Kobold des Wuppertaler Herstellers Vorwerk in die heimischen Räume und eroberte die Herzen der Hausfrauen.

Was landet eigentlich im Staubsaugerbeutel?

Ein Großteil des Drecks, der letztendlich im Staubsaugerbeutel landet, stammt vom Menschen selbst. Interessanterweise besteht Haushaltsdreck und -schmutz zu 75 bis 80 Prozent aus abgestorbenen menschlichen Hautzellen, Schuppen und Haaren, die wir jeden Tag auf Teppich, Linoleum und Parkett verteilen. Die berüchtigten Staub-Milben, Pollen und Dreck, den man mit den Schuhen in die Wohnung schleppt, machen nur einen geringen Anteil im Schmutzfach des Staubsaugers aus.

© Siemens AG, München. Staubsauger der neuen Generation enthalten Bio-Filter-Systeme gegen Wachstum von Bakterien und Schimmelpilzen.

Heute bieten allein in der Bundesrepublik über 100 Hersteller von AEG bis Water Matic International Jahr für Jahr in Form, Farbe und Leistung verschiedene Staubsauger an, die laut Werbeslogan noch schöner, sauberer, schneller und leiser saugen und dabei noch gut aussehen. Selbst spezielle anti-bakterielle Staubsauger, bei denen eine UV-Lampe Bazillen zerstört, sind auf dem Markt zu haben. Und wer es leid ist, immer den falschen Beutel für das heimische Gerät zu kaufen, kann heute auch Staubsager erwerben, die den Dreck ganz ohne Beutel in eine Kammer aufsaugen.