21.05.2015
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Exotische Reiseziele: Ghana

An der “Goldküste“

Eine der vielen Sklavenburgen an der “Goldküste“: Emina Castle (© 2001, Photos To Go)

Jahrhundertelang suchten Europäer diesen Küstenstrich Westafrikas auf, um ihre Gier nach Gold und Sklaven zu befriedigen. Noch heute säumen Sklavenburgen die Strände Ghanas, stumme Zeugen einer dunklen Vergangenheit. Die Gegenwart aber bietet ein anderes Bild: herzliche Menschen, weite Sandstrände und eine abwechslungsreiche Tropenlandschaft laden zum Besuch der “Goldküste“ ein.

Sicheres Reiseland

Im Gegensatz zu vielen anderen schwarzafrikanischen Ländern ist der Reisende in Ghana relativ sicher. Dafür bürgen die friedliche Bevölkerung und die niedrige Kriminalitätsrate. Dennoch sollte man die üblichen Sicherheitsmaßnahmen gegen Diebstahl besonders am Flughafen Accra beherzigen. Ansonsten empfängt einen das rund 18, 5 Mio. Einwohner zählende Land, das etwa so groß ist wie die alte Bundesrepublik, mit offenen Armen und einer in Europa selten vorzufindenden Gastfreundschaft.

Accra: Märkte und Monumente

Die Hauptstadt Accra freilich, die mit der angegliederten Industrie- und Hafenstadt Tema, rund 3 Mio. Einwohner zählt, ist das Paradebeispiel einer ungeplant gewucherten Dritte-Welt-Stadt, der sowohl ein Zentrum wie auch die urbane Struktur fehlen. Bemerkenswert sind verschiedene Märkte, wie der Makola Market oder das Arts Centre mit dem angrenzenden Souvenirmarkt, oder wenige Monumentalbauten wie der Unabhängigkeitsplatz, der mit seinem klobigen Triumphbogen an das Ende der britischen Kolonialherrschaft (1957) erinnnert.

Unweit davon befindet sich die Christiansborg (auch Osu Castle). Ursprünglich eine dänische Sklavenburg aus dem 17. Jahrhundert, dient sie heute als Regierungssitz. Aus Furcht vor Putschversuchen darf die weiß gekalkte Burg nicht fotografiert werden - dafür die ärmlichen Wellblechhütten, die sie umsäumen, einen schroffen Gegensatz bildend. Seit Januar 2001 leitet im Osu Castle John Agyekum Kufuor die Politik eines Landes, das 1992 den Weg zurück zur Demokratie gefunden hat. Der ausgesprochen populäre Präsident will mit Gewerbe- und Einkommensteuersenkungen die im Niedergang befindliche Wirtschaft wiederbeleben. Im Gegenzug werben im ganzen Land Plakate dafür, dass diese Steuern überhaupt bezahlt werden.

Überlandbusse und Tro-Tros

Am schnellsten und bequemsten reist man in Ghana mit den STC-Überland-Bussen, die fahrplanmäßig zwischen den größeren Städten verkehren. Tickets für die meist ausgebuchten STCs sollten bereits am Vortag gekauft werden. Kürzere Strecken, auch innerhalb einer Stadt, kann man mit Kleinbussen, den Tro-Tros, zurücklegen - diese sind billig und abenteuerlicher. Dort werden auch einmal tote Schafe zu den Gepäckstücken gelegt oder während der Fahrt Spontanpredigten gehalten. In den lärmenden, staubigen Busbahnhöfen wimmelt es auch von gebrauchten Kleinbussen aus Deutschland mit sinnigen Aufschriften wie “Heizungssysteme Schmidt“. Meist sprechen die Busse aber eine religiöse Sprache und sind von Slogans wie “Jesus loves You“ verziert.

Begegnungen in Cape Coast

Apfeltransport in Cape Coast (© W. Gerl)

Mit dem STC-Bus fährt man rund 4 Stunden die Küste entlang nach Cape Coast. Die wichtigste Attraktion der 100.000 Einwohner-Stadt ist die ehemals britische Sklavenburg, eines der Zentren des weltweiten Sklavenhandels. Das Museum und die Führung durch das erstaunlich gut erhaltene Gemäuer vermitteln einen plastischen Eindruck von dem Grauen des Menschenhandels. Cape Coast bietet ferner zwei Festungen, von deren Türmen man einen wunderschönen Rundblick auf die Stadt und deren sanfte, roterdige Hügel genießt.

Mutter und Kind (© W. Gerl)

Aber eine Reise nach Ghana ist in erster Linie eine Reise zu den Menschen. Egal ob Pauschal- oder Rucksacktourist, man sollte sich auf die Bevölkerung einlassen, lässt sich doch auch der Kontakt zwanglos herstellen. Etwa 50 Prozent der Bevölkerung, in der Stadt noch wesentlich mehr, sprechen Englisch, wenngleich mit breiigen Vokalen und individueller Grammatik. Setzt man sich beispielsweise an einen Friseursalon, wo sich jeweils zehn Hände einem Kopf widmen, wird man neugierig wie freundlich begrüßt.

Aufwändig: Zöpfeflechten beim Friseur (© W. Gerl)

Während die Männer hier alle denselben kommisstauglichen Millimeterchic tragen, übertreffen sich die Frauen in ihrer Zöpfepracht. Solch ein Gesamtkunstwerk zu flechten kann jede Menge Kunsthaar und - je nach Schwierigkeitsgrad - bis zu zwei Nachmittage verschlingen. Aber selbst einfachere Frauen können sich so etwas leisten, denn Arbeitskraft ist im Überfluss vorhanden und kostet nichts. Viele der Mädchen zieht es in ein kaltes Land, von dem sie praktisch nichts wissen: nach Deutschland. Martha, eine Friseurin, hofft dort einen Mann zu finden, Susanna dagegen möchte in cold old Germany “weißer“ werden!

Ghanaisches Mädchen (© W. Gerl)

Die schönsten Erlebnisse aber hat man mit den Kindern: “Bronyi“ (“Weißer“) rufen Sie einen. Meist toben mehrere der quicklebendigen Kleinen mit lustigen Zöpfen und staubigen Klamotten um einen herum und stimmen einen Quietschchor an: “Bronyi, how are you? Im fine. Thank you“. Mehr gibt ihr Englisch noch nicht her. Einige streicheln auch deinen Arm, getrieben von der Neugier, wie sich weiße Haut anfühlt. Auf jeden Fall immer Bonbons in der Hosentasche haben!

Waldelefanten und Wildschweine

Im Kakum-Nationalpark: Futterstelle für hungrige Schmetterlinge (© W. Gerl)

Etwa 30 km von Cape Coast liegt der rund 350 qkm umfassende Kakum-Nationalpark. Wer die Fauna mit ihren Waldelefanten, Antilopen und Wildschweine inspizieren will, sollte einen Nachtausflug mitmachen. Denn tagsüber erspäht man bestenfalls Tausendfüßler, ein paar Schmetterlinge und mit viel Glück auch bunt schimmernde Papageien. Einen unvergleichlichen Weitblick über den Wipfeln des Parks bietet der Canopy Walkway, eine stabile Hängebrücke, für deren Benutzung allerdings einen Obolus von 20 Mark zu berappen ist.

Während der einstündigen Führung erläutert das fachkundige Personal die verschiedenen Tropenhölzer vom Mahagoni bis zum Würge-Ficus und geht dabei besonders auf die unterschiedliche Nutzung der Pflanzen ein. Möbel und Seile werden daraus hergestellt, aber auch Pharmazeutika und Kosmetika. Von Magenschmerzen bis Potenzstörungen - Mutter Natur hat für alles ein Säftchen oder Cremchen bereit.

Elmina: Kerker und Strände

Lasst alle Hoffnung fahren: Eingang zum Sklavenkerker in Elmina (© W. Gerl)

Von Cape Coast nach Elmina ist es nur ein Katzensprung (rund 15 km), der auch mit dem Taxi zu bewältigen ist. Allerdings muss man immer vorher einen Tarif aushandeln, sonst verlangen die Fahrer Fantasiepreise. Außerdem sollte man sein Ziel genau kennen, die Taxifahrer wissen es oft nicht und fahren einfach drauflos.

Elmina ist der erste Ort Ghanas, der von Europäern besetzt wurde (1471). Er diente den Portugiesen als Umschlagplatz für Gold und Sklaven. Davon zeugt noch heute die Burg São Joao da Mina (1482), die 1637 von den Holländer eingenommen wurde. Die Eintrittspreise betragen 1.000 Cedis, also praktisch nichts, für Einheimische und 20.000 Cedis (rund 6 Mark) für Touristen. Dafür bekommt man eine informative, englischsprachige Führung durch die komplette Burg.

Zu besichtigen sind u. a. die nach Geschlechtern getrennten Kerker, die Offiziersmesse und die Schlafsäle der Offiziere. Sehr plastisch schildert der - allerdings sehr betroffene - Guide das Elend der Sklaven, Folter, Hunger und Tod in der 1000 bis 2000 Menschen fassenden Burg, auf der übrigens Werner Herzog “Cobra Verde“ drehte. In die Kapelle ist ein kleines Museum integriert.

Blick von Elmina Castle (© W. Gerl)

Von den Mauern des Castle aus genießt man einen Rundblick über die Edina-Bucht mit ihrem von Kokosnusspalmen gesäumtem Strand und dem lebendigen, bunten Fischerhafen. Dort kann man inmitten des Trubels flanieren, das Ausladen der Pirogen beobachten, frische Meeresfrüchte schnuppern und auch Seepferdchen kaufen.

Außerhalb der Burg rosten - typisch Afrika - jahrhundertealte Kanonen vor sich hin, für die sich niemand interessiert. Weitere Sehenswürdigkeiten Elminas sind der holländische Friedhof aus dem 18. Jahrhundert, der ein beeindruckendes Mausoleum beherbergt, und die Festung São Jago da Mina. Diese diente dem Schutz der Sklavenburg gegen Angriffe der anderen europäischen Mächte.

Relaxen im Coconut Grove

Außerhalb von Elmina gibt es schöne Sandstrände (© W. Gerl)

Da die Stadtstrände teils stark verschmutzt sind bzw. von den Fischern genutzt werden, muss zum Baden etwas außerhalb gefahren werden. Dabei kann man in schönen, aber teuren Hotels wie dem Oyster Bay Hotel (ca. 40 Dollar), dem Elmina Beach Resort (79 Dollar) oder dem Coconut Grove (89 Dollar) Unterschlupf finden. Preise sind aber auch hier Verhandlungssache. Für Billig-Reisende gibt es das einfache Hollywood Hotel inmitten der Stadt. Gerade in solch einem überschaubaren Ort kann man die Erfahrung machen, dass einen schon am zweiten Tag Leute wie alte Bekannte begrüßen.

Kumasi: Hauptstadt der Ashanti

Ashanti-Frau (© W. Gerl)

Auf der Fahrt nach Kumasi dünnt sich der Regenwald allmählich aus und mischt sich fließend mit der Feuchtsavanne, die den Norden Ghanas charakterisiert. Die alte Ashanti-Hauptstadt ist mit über 1 Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie wirkt ungleich urbaner und strukturierter als Accra. Das Stadtbild ist von großen Kirchen und repräsentativen Bauwerken geprägt.

Kumasi hat ein vitales Nacht- und Straßenleben zu bieten - und einen der größten Märkte Westafrikas. Rund 10 Hektar misst der Zentralmarkt, auf dem es alles zu geben scheint, was auf dem schwarzen Kontinent gehandelt wird: farbenfrohe Stoffe und Meeresfrüchte, duftende Gewürze und süßes Obst, Schweinefüße und Okraschoten, (deutsches) Waschmittel und weiches Klopapier.

Auf dem Zentralmarkt von Kumasi (© W. Gerl)

Der Zentralmarkt ist selbst für afrikanische Verhältnisse laut und hektisch. In den engen Gassen, die durch die Holzstände und Blechhütten führen, ist immer Rush-Hour. Ständig bahnen sich Händler mit frischer Ware ihren Weg - oder Frauen, die auch schwere Lasten wie nichts auf dem Kopf balancieren. Am Rande des Marktes befindet sich eine Handwerker-Gasse, in der man beispielsweise Schustern beim Schneiden von Sohlen zusehen kann.

Auf einem Hügel am Rande der Innenstadt liegt das Kulturzentrum Kumasis. In dem Park befinden sich zahlreiche Werkstätten mit traditioneller Handwerkskunst. So können dort Korbflechter, Goldschmiede und Trommelbauern bei der Arbeit beobachtet werden. Oder die traditionsreichen Holzschnitzer, wenn sie beispielsweise Owar - ein afrikanisches Spiel mit Kernen als Spielsteinen - oder ein Wandbild schnitzen.

Farbenprächtig: Verschiedene Kakaosorten (© 2001, Photos To Go)

Im Kulturzentrum sind auch wichtige Nutzpflanzen Ghanas wie Baumwolle und Kakao angebaut. Problemlos kann man sich eine Kakaonuss pflücken, aufbrechen und den glitschigen, leicht bitteren Samen probieren. Ferner wird in dem angrenzenden Modelldorf die ganze bunte Palette heimischer Kräuter und Gewürze angeboten - ein überwältigender Strauß an Farben und Gerüchen.

Das Kulturzentrum runden die städtische Bibliothek, ein relativ preiswertes Souvenirgeschäft und das kleine aber feine Prempeh II. Jubilee Museum ab. Wertvolle Exponate und Fotos zeugen von der langen Geschichte der Ashanti, die rund zwei Jahrhunderte den Süden des Landes kontrollierten, bis sich das stolze Volk 1901 nach sieben blutigen Kriegen den Briten beugen musste. So gibt es auch heute noch einen Ashanti-König, der seine Residenz, den Manhyia-Palast, in Kumasi hat.

 

Zurück nach Accra

Abendstimmung am Volta-See (© 2001, Photos To Go)

Von Kumasi führt eine gut ausgebaute Straße zurück nach Accra. Wer mehr Zeit hat, sollte über den Voltasee im Osten zurückreisen. An dem über 250 km langen See liegen mehrere Naturschutzgebiete bzw. Tierreservate. Reizvoll gestalten sich auch Schiffsfahrten, bei denen man die vielen kleinen Inseln besuchen oder die Angel auswerfen kann.

Praktische Hinweise

Einreise

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Es besteht Visapflicht. Das Einreisevisum für 60 Tage bekommt man problemlos gegen eine Gebühr von 30 DM bei der Ghanaischen Botschaft, Rheinallee 56-58, 53173 Bonn,Tel. 0228/367960. Der Reisepass muss mindestens noch drei Monate gültig sein. Die Bearbeitungszeit der Visaanträge beträgt drei Tage.

Anreise

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Direktflüge von Deutschland nach Accra dauern knapp sieben Stunden. Verschiedene Fluggesellschaften unterhalten Linienflüge (u.a. British Airways, Ghana Airways, Lufthansa), zu den günstigsten zählt die holländische KLM.

Unterkunft

Die einfachen Hotels sind billig (10 bis 20 Mark pro Nacht) und in der Regel wenigstens mit Moskitonetzen und Ventilator ausgestattet. In den komfortablen Hotels, die es an den Badeorten und in allen größeren Städten gibt, kostet das Doppelzimmer pro Nacht zwischen 40 und 90 Dollar.

Essen und Trinken

Wein gibt es kaum, dafür erstaunlich gutes Bier. Fünf einheimische Brauereien und eine Guinness-Lizenz-Brauerei teilen sich den Markt auf.

Typische einheimische Gerichte sind Fufu (Maniokknödel) und Kenkey (Maisknödel) in einer würzigen Suppe, die beide mit den Händen gegessen werden. In den wenigen, meist zu Hotels gehörenden Restaurants gibt es Huhn in allen Varianten, Fisch und Rindfleisch.

Gesundheit

Eine Gelbfieberimpfung ist für die Einreise Pflicht. Empfehlenswert sind ferner Polio-, Hepatitis A-, Tetanus-, Diphtherie- und Meningitis-Impfungen. Aufgrund der hohen Malaria-Gefahr sollte man auch auf Malaria-Prophylaxe nicht verzichten. Malaria-Medikamente sind allerdings vor Ort weitaus günstiger als in Deutschland. Auf jeden Fall ist es ratsam, vor der Abreise einen Tropenarzt zu konsultieren.

Um Infektionskrankheiten vorzubeugen, sollte man ausschließlich in Flaschen abgefülltes oder abgekochtes Wasser trinken und nichts von der Straße essen. Das beherzigen sogar Einheimische, die es sich leisten können. Wenn Sie in Ghana krank werden, suchen Sie ein privates Krankenhaus auf. Die sind zwar teurer, dafür aber weitaus besser.

Geld

Der Wert des Cedi (ausgesprochen Sidie) ändert sich ständig. Momentan entsprechen ca. 6400 Cedis einem Euro (Stand: Dez. 2001). Traveller Cheques und Bargeld kann man in den Forex Bureaus, den Banken und den großen Hotels tauschen. Scheckkarten werden meist nur in Banken und großen Hotels akzeptiert.

Sprache

Amtssprache ist Englisch. Etwa die Hälfte der Bevölkerung spricht Englisch, wenngleich mit gewöhnungsbedürftiger Aussprache. Zeitungen, Radio und Fernsehen sind größtenteils ebenfalls auf Englisch.

Buch-Tipps

Online bestellen:

Ghana. Praktisches Reisehandbuch für die “Goldküste“ Westafrikas.

Ghana (Perthes Länderprofile).

International Travel Maps ITM. Ghana.

Musik-Tipps

Colours Of Ghana

Werner Gerl