21.05.2015
Total votes: 104
wissen.de Artikel

Nepal: Am Dach der Welt

Der kleine Himalaya-Staat Nepal fasziniert immer mehr Besucher mit seinen exotischen Reizen. Ob Sightseeing in der Hauptstadt Kathmandu mit ihren beeeindruckenden Tempelanlagen, Foto-Safari im Royal Chitwan Nationalpark oder Trekking im Himalaya – ein Urlaub in Nepal ist alles andere als eintönig.

Kathmandu: Prächtige Hauptstadt

Neben den gewaltigen Gipfelketten des Himalaya zieht vor allem die prachtvolle Hauptstadt Kathmandu Besucher aus allen Ländern der Erde an. In ihrem Zentrum liegt der sogenannte Durbar Square, ein riesiger Palast- und Tempelbezirk, der während der Malla-Dynastie (etwa 1200-1800) seine heutige Ausprägung erhielt.

Um die reich verzierten, symbolträchtigen Gebäude genau in Augenschein zu nehmen, sind allein schon mehrere Tage nötig. Den reizvollen Pagodenbau des alten, heute nicht mehr bewohnten Königspalastes, sollte man sich allerdings ebensowenig entgehen lassen wie seinen Nachfolger, in dem noch heute das Oberhaupt der konstitutionellen Monarchie Nepal residiert.

Außerdem empfiehlt sich ein Besuch des imposanten Taleja-Tempels und der Tempelanlage Kumari Bahal, in der ein jungfräuliches Mädchen als lebende Göttin verehrt wird. Fast 90% der Nepalesen sind Hindus und sehen in ihr die Reinkarnation der Göttin Parvati. Allerdings hat die kultische Verehrung einen hohen Preis, denn das Mädchen darf seinen Tempel nur zweimal im Jahr verlassen, wird nach ihrer ersten Blutung, gleichgültig ob sie sich verletzt oder ihre Menstruation bekommen hat, durch eine neue Kumari ersetzt und bleibt vermutlich ihr Leben lang allein, weil ihre Gesellschaft Unglück heraufbeschwören soll.

Tempel und Backpacker

In Thamel, dem eigentlichen Touristenzentrum Kathmandus, geht es weniger streng zu. Hier fühlt man sich, was Kost und Logis, Architektur und Flair angeht, nur selten wie in einem Land, das unter der Shah-Synastie vom späten 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts von der Außenwelt abgeschottet war. In Thamel bestimmen Hotels und Restaurants, unzählige Souvenirläden und vor allem Backpacker-Touristen das Straßenbild, die im Trekker-und Rafter-Eldorado Nepal ihren Lebenstraum verwirklichen wollen

Der malerisch am Fluss Bagmati gelegene Tempelbezirk Pashupatinath gilt als eine der heiligsten Stätten des Hinduismus, spielt aber auch in der Theologie der tibetischen Buddhisten eine bedeutende Rolle. Wie denn Nepal überhaupt ein weitgehendes Musterbeispiel für reliöse, ethnische und kulturelle Toleranz ist. Trotzdem dürfen die Kernbereiche der Anlage, die dem Gott Shiva geweiht ist, von Andersgläubigen nicht betreten werden.

Wegen dieser Einschränkung entschließen sich viele Besucher, statt dessen den nicht weniger eindrucksvollen, nun allerdings buddhistischen Tempelbezirk Swayambunath zu besuchen, den Kathmandu schon fast eingemeindet hat

Buddha und Königstiger

Allerdings sind die Hauptstadt und das Himalaya-Gebirge nicht die einzigen sehenswerten Plätze des Königreiches. Wer genügend Zeit mitbringt, sollte in jedem Fall den benachbarten Städten Patan, Bhaktapur und Pokhara, dann natürlich Buddhas Geburtsort Lumbini und das durch seine 40 Meter hohe Stupa berühmte Bodnath besuchen.

Schließlich gehört der Royal Chitwan National Park zum absoluten Pflichtprogramm. Das nahe der indischen Grenze gelegene Naturschutzgebiet ist zur Heimat einer einzigartigen Flora und Fauna geworden und hat unter anderem dazu beigetragen, das indische Rhinozeros vor dem Aussterben zu bewahren. Vom Rücken massiger Elefanten kann man mit etwas Glück aber auch Bären, Leoparden und bengalische Königstiger in freier Wildbahn beobachten.

Essen & Trinken

Vegetarier müssen sich in Nepal wie zu Hause fühlen, denn die einheimische Küche kommt mit sehr wenig Fleisch aus. Das Nationalgericht Dal Bhath besteht beispielsweise nur aus Linsen, Gemüse und Reis. Für europäische Mägen sind die meisten Gerichte gewöhnungsbedürftig, das gilt auch für sämtliche Getränke, die man am besten nur aus geschlossenen Flaschen zu sich nehmen sollte.

Praktische Tipps

Klima & Reisezeit

Das Dach der Welt zeigt sich in den Monaten Oktober bis März von seiner besten Seite, in der anderen Jahreshälfte muss mit zum Teil sehr heftigen Monsumstürmen gerechnet werden.

An- und Einreise

Einreisende benötigen ein kostenpflichtiges Visum, das bei den diplomatischen Vertretungen Nepals oder bei der Ankunft erhältlich ist. Für den Besuch bestimmt Regionen wie den Royal Chitwan National Park empfiehlt sich eine Malariaprophylaxe. Die Anreise per Flugzeug ist unproblematisch, denn Nepal wird von zahlreichen internationalen Fluggesellschaften regelmäßig angeflogen. Flugangebote von Deutschland nach Nepal gibt es ab ca. 700 .

Reiseveranstalter

Darüber hinaus gibt es einige Veranstalter, die sich auf Nepal-Reisen spezialisiert haben. Empfehlenswert sind z.B.Dragontours oder Sagarmatha Trekking.

Thorsten Stegemann