01.06.2015
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Lasertechnik gegen “Schönheitsfehler“

Plastische Operationen, beispielsweise zur Rekonstruktion von Ohren und Nase, gibt es mit mehr oder weniger großem Erfolg seit dem Altertum. In jüngerer Zeit gelang den Chirurgen durch verbesserte Techniken selbst die Transplantation von Haut und Bindegewebe. Was geschah jedoch mit den kleinen Übeln, die unser Aussehen vielleicht nicht gravierend, aber eben doch beeinträchtigen - Narben, Warzen, Muttermale und andere Hautverfärbungen, störender Haarwuchs genau da, wo man ihn überhaupt nicht gebrauchen kann? Diese Hauterscheinungen, die schlecht mit dem Skalpell bekämpft werden konnten, blieben lange ein Stiefkind der Schönheitschirurgie. Die Betroffenen mussten sich mit oberflächlichen kosmetischen Lösungen oder schmerzhaften Schmirgelprozeduren begnügen. Bis die Entwicklung der Lasertechnologie gerade bei der Bekämpfung von Hautproblemen dieser Art ungeahnte Erfolge feierte. Wer unter Aknenarben, einem angeborenen Feuermal oder Ähnlichem leidet oder auch nur eine Tätowierung loswerden will, der sollte sich einem der Laserzentren anvertrauen, wo eine breite Palette von Geräten für jeden Zweck zur Verfügung steht.

Lasertechnologie für Haut und Haar

Es gibt eine Fülle von Lasergeräten mit speziellen Anwendungsgebieten. Sie unterscheiden sich in der Wellenlänge, dem "Transportmedium", z. B. Kohlendioxid oder Farbstoff, und ihrer Pulslänge. Man unterscheidet etwa Erbium-YAG-, Rubin- und Alexandrit- sowie ultragepulste und versagepulste Laser. Im Prinzip arbeiten sie jedoch alle ähnlich: Der Laserstrahl verdampft die Hautoberfläche, zersprengt wahlweise dunkle Farbpigmente oder glättet Erhebungen, dringt in die mittleren Hautschichten vor und stimuliert dort die Bildung von neuem Kollagen. Bisher wurde vor allem mit Kohlendioxid-Lasern behandelt, noch schonender sind die kollimierten Laser der neuesten Generation, die präziser in die Dermis eindringen und weniger Schaden auf der Epidermis, der äußeren Hautschicht anrichten.
Die Behandlung selbst ist praktisch schmerzlos, da vorher meist eine anästhesierende Creme aufgetragen wird. Anschließend ist die Haut gerötet, schlimmstenfalls kommt es zu einer Reaktion wie bei einem Sonnenbrand. Bei großflächigen Anwendungen muss ein Verband getragen werden. Nach etwa fünf Tagen stoßen neue Hautzellen vor, nach 2 Wochen ist die äußere Heilung abgeschlossen und eventuell gebildeter Schorf abgefallen. Die straffere, frische Haut zeigt sich im Laufe der nächsten Wochen.

Aknenarben

Die Behandlung einer schweren Akne gehört unbedingt in die Hände eines Hautarztes. Hier werden mit Vitamin-A- oder Fruchtsäure- und Hormonpräparaten gute Ergebnisse erzielt und die Haut kann bei fachgerechter Behandlung spurlos verheilen. Wenn Sie jedoch bereits unter vernarbter Aknehaut leiden,- mit Sicherheit ein Knacks für jedes noch so gesunde Selbstvertrauen -, dann haben Sie verschiedene Möglichkeiten zu ihrer Glättung. Früher wurde die Haut fast immer abgeschliffen oder mit chemischen Peelings behandelt, was relativ schmerzhaft ist. Schonender und besser zu dosieren ist die moderne Lasertechnologie. Es kann sein, dass ein Hautarzt oder ästhetischer Chirurg zu einer Kombination verschiedener Methoden rät: So kann mit einem Erbium-YAG-Laser ein Teil der Oberhaut abgetragen und die Stelle anschließend mit einem ultragepulsten CO2-Laser geglättet werden. Dadurch wird auch die Bildung von neuem Kollagen angeregt, so dass Sie sich nach wenigen Wochen über eine fabelhaft glatte, frisch und jung aussehende Haut freuen können.

Narben, Muttermale & Co.

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Narben sind unschöne Erinnerungen an vergangene Verletzungen und Unfälle. Aber niemand muss sich heute damit abfinden, sie zu behalten, wenn sie das Aussehen sehr beeinträchtigen. Zu ihrer Entfernung sucht der Arzt von Fall zu Fall die richtige Methode aus. Eingesunkene Narben können beispielsweise durch biologische oder synthetische Implantate aufgefüllt werden, während wulstige Narben ein anders geartetes Problem darstellen. Sie müssen abgetragen und die Haut an dieser Stelle geglättet werden. Auch hier hat sich der Einsatz von Lasern am besten bewährt.

Muttermale sollten Sie zunächst von einem Hautarzt auf ihre Gutartigkeit prüfen lassen, vor allem, wenn sie sich in letzter Zeit vergrößert oder verändert haben. Eine Entfernung kommt dann mit Lasermethoden in Betracht, z. B. dem Erbium-YAG-Laser oder Farbstofflaser.
Es gibt andere angeborene Pigmentflecken, so genannte Feuermale, die man früher als gottgebenes Schicksal hinnehmen musste. Ein prominenter Betroffener ist Michail Gorbatschow. Die im Säuglingsalter auftretenden Blutschwämmchen bilden sich in einigen Fällen von selbst zurück, aber Feuermale bleiben und werden fast immer als große psychische Belastung angesehen. Meistens wird daher eine frühe Behandlung angestrebt, aber auch im Erwachsenenalter ist sie natürlich noch möglich. Für die Entfernung werden Farbstofflaser empfohlen.

Warzen

Warzen sind zwar harmlose, aber ebenso lästige wie hartnäckige Wucherungen, die von Viren verursacht werden. Sie können überall am Körper auftreten, bevorzugen aber Gesicht, Dekolletee, Rücken, Unterarme und Hände. Wenn hier alle Kräuter, Tinkturen und Psycho-Tricks versagen, sollte man sich zu einem Hautarzt gehen. Auch bei Warzen ist eine Entfernung mit dem Laser möglich, wenn auch in Fachkreisen umstritten, da man ja nur das Symptom der ursprünglichen Virusinfektion bekämpft und ein Wiederauftreten nicht ausschließen kann.
Eine weniger aufwändige Alternative bietet die Kryochirurgie, die erkrankte Hautstellen mit flüssigem Stickstoff bei Temperaturen um minus 200° C vereist. Diese Technik wird auch bei krankhaften Hautveränderungen angewandt, an inneren Organen ebenso wie zur Entfernung so genannter Lichtschwielen - einer Vorstufe des gefürchteten Hautkrebses. An der vereisten Stelle bildet sich meist eine Blase und später eine Kruste, die von alleine abheilt. Der Nachteil ist, dass im Gegensatz zum Lasern eine mehr oder weniger stark sichtbare Narbe zurückbleiben kann.

Tätowierungen und Permanent Make-up

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Wer kennt das nicht: Im jugendlichen Überschwang hatte man so eine Phase, wo man bestimmte Sachen ganz toll fand, oder gehörte zu einer Clique, in der bestimmte Modetrends cool waren - und Jahre später kann man darüber nur noch den Kopf schütteln. Nun sind zwar Tattoos mittlerweile absolut gesellschaftsfähig und sehen auf junger, glatter Haut und bei entsprechender Kleidung witzig und sexy aus. Nur kann niemand garantieren, dass dieser Eindruck zwanzig Jahre überdauert. Körperbau und persönlicher Stil können sich so ändern, dass ein Tattoo einfach nicht mehr zum Träger passt. Vielleicht stört es auch nur Sabine, die neue Freundin, dass da quer über des Bräutigams Oberarm "I love Heidi" steht...
Der Laserstrahl der Rubin-, Erbium-YAG oder Neodym-YAG-Laser "zerschießt" die Farbpartikel der Tätowierung, ohne das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft zu ziehen. Nach der gleichen Methode kann man auch Permanent Make-up entfernen.

Besenreiser und Couperose

Ähnlich wie bei den roten Äderchen im Gesicht, der Couperose, handelt es sich bei Besenreisern um erweiterte Gefäße, die an sich harmlos sind, aber optisch sehr stören können. Im Gegensatz zu den tiefer liegenden Krampfadern, gegen die nur eine Gefäßoperation helfen kann, sind die kleinen bläulichrot schimmernden Besenreiser oberflächliche Verzweigungen der Venen, die vor allem an den Beinen auftauchen. Besenreisern und Couperose kann man mit Farbstofflasern, Versapulse KTP- und Alexandrit-Lasern zu Leibe rücken.

Haarentfernung

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Welch herrliche Aussicht, nicht mehr in kurzen Abständen mit dem Rasierer oder ziependem Haarwachs hantieren zu müssen! Um störendes Haar im Gesicht, unter den Achseln, an den Beinen und in der Bikinizone dauerhaft zu entfernen, kommen Alexandrit-Laser zum Einsatz. Der Laserstrahl verschließt den Haarkanal und verlangsamt das Haarwachstum, bis es ganz zum Stillstand kommt. Eine Alternative heißt PhotoDerm VI® - eine hochenergetische Blitzlampe, die mit breitem Wellenlängenspektrum arbeitet. Dies ist kein Laser - daher ist das Gerät in Fachkreisen umstritten. Zur Haarentfernung im Gesicht oder am Körper ist es aber anscheinend sehr erfolgreich.

Des einen Freud ist des anderen Leid - auch beginnende Kahlköpfe können von der Lasertechnologie profitieren. Es gibt ein Verfahren, mit dem Haare vom hinteren Haaransatz mit Hilfe eines Erbium-YAG-Lasers auf den Vorderkopf transplantiert werden. Sie wachsen dort offenbar gut an und sehen bei entsprechend geschickter Platzierung wesentlich natürlicher aus als alle Toupets.

Gesa Gunturu