21.05.2015
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wissen.de Artikel

Konsumwerte in den USA

Eine ganze Volkswirtschaft ist auf dem Fundament des stetig wachsenden Konsums gebaut: Für wohl nichts sind die USA bekannter als für ihren scheinbar unersättlichen Hunger nach größeren, schnelleren und besseren Konsumartikeln. Allein die gesamte Weihnachtssaison steht im Zeichen der Shopping-(Un-)-Kultur. Kein Wunder also, dass gleich sieben der dreißig Unternehmen des bedeutendsten Index der Welt, des Dow Jones Industrial Average, aus dem Konsumgüter-Sektor kommen. wissen.de hat die Dow-Werte nachfolgend porträtiert.

Coca-Cola

Werber haben ihre helle Freude an dem Unternehmen: Coca-Cola ist die bekannteste Marke und nach „okay“ der meistverstandene Begriff der Welt! Für Value-Investor Warren Buffett ein herausragendes Kriterium - nicht umsonst bildete Coca Cola lange Zeit das Kerninvestment seines Portfolios. Doch der weltgrößte Softdrink-Produzent, den Andy Warhol in der Popkultur verewigte, hat keine einfachen Jahre hinter sich. Der Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen, Vorstandsrücktritte und verunreinigte Lieferungen in Europa (Belgien) haben am Image der Kultfirma gekratzt. Auch die in den letzten Jahren starke Entwicklung des Konkurrenten PepsiCo setzte den Branchenprimus unter Druck.

Vom Allzeithoch bei 80 Dollar hat sich der Kurs zwischenzeitlich fast halbiert, inzwischen aber bei rund 50 Dollar gut stabilisiert - vor allem die zuletzt erfreulichen Quartalszahlen (Steigerung des operativen Gewinns um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr) haben der Aktie Auftrieb verliehen. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Coca-Cola knapp 21 Milliarden Dollar umsetzen und dabei einen Gewinn von rund vier Milliarden Dollar erzielen. Auf dem aktuellen Niveau kommt Coca-Cola auf eine Marktkapitalisierung von rund 125 Milliarden Dollar.

Home Depot

Der Oktober 1999 ging in die Geschichte der größten Baumarktkette der USA ein: Als eines von vier Unternehmen wurde Home Depot bei der bislang letzten Neubesetzung des Dow Jones Industrial Average in den bedeutendsten Index der Welt aufgenommen. Seit über 23 Jahren produziert Home Depot schon Heimwerk-Artikel. Das Unternehmen, das 1979 von Bernie Marcus und Arthur Blank gegründet wurde, verfügt inzwischen über knapp 1.400 Baumärkte und bietet dabei über 40.000 Produkte an. Home Depot beschäftigt inzwischen rund 250.000 Mitarbeiter und operiert neben USA auch in Kanada, Mexiko und Puerto Rico.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Home Depot rund 55 Milliarden Dollar umsetzen und dabei einen Gewinn von knapp 3,2 Milliarden Dollar erwirtschaften. Auch für die Zukunft ist das Unternehmen optimistisch und bekräftigte unlängst die Wachstumsprognosen: Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2004 wollen die Heimwerk-Ausrüster den Umsatz jährlich zwischen 15-18 Prozent und den Ertrag gar um 18-20 Prozent pro Jahr steigern. Die Aktionäre lassen diese Aussichten indes kalt: Home Depot verlor vom Allzeithoch bei 67 Dollar im Frühjahr 2000 mehr als sechzig Prozent! Auf aktuellem Niveau von 28 Dollar wird das Unternehmen an der Börse mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet.

Johnson & Johnson

Das Unternehmen ist ein Teil der glorreichen US-Wirtschaftsgeschichte: Bereits seit 1887 agiert Johnson & Johnson im verbraucherorientierten Gesundheitssektor. Das Kerngeschäft teilt sich dabei in drei wesentliche Bereiche: Verbraucherprodukte wie etwa die Pflegeartikel-Marke „Bebe“, Pharmazie und der medizinische Geschäftskunden-Bereich mit Produkten für Krankenhäuser und Ärzte. Johnson & Johnson beschäftigt über 106.000 Mitarbeiter in 51 Ländern der Welt und verkauft dabei Produkte in über 175 Länder.

Die globale Stärke des Unternehmens schlägt sich in der Bilanz nieder: Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Johnson & Johnson bei einem Umsatz von knapp 35 Milliarden Dollar über sechs Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaften. Die Aktie präsentierte sich bei so viel Rentabilität als echter Fels in der Brandung und notiert bei aktuell 55 Dollar nur knapp 20 Prozent unter dem Allzeithoch von 66 Dollar. Auf dem derzeitigen Niveau wird das Unternehmen mit über 165 Milliarden Dollar an der Börse bewertet.

McDonalds

Die Erfolgsstory von McDonald's könnte kaum amerikanischer sein: Ganz im Stile des 'American Dream eröffneten die Brüder Maurice und Richard McDonald 1948 in San Bernardino die erste "Drive-in Hamburger Bar". Sieben Jahre später wurde das erste lizensierte McDonald's Restaurant in Des Plaines, Illinois, eröffnet. Heute gilt McDonalds als eines der bestgeführten Franchise-Unternehmen der Welt: Auch Value-Investor Warren Buffett war lange Zeit vom leicht verständlichen und doch so renditestarken Business Modell fasziniert und hielt große Aktien-Positionen der Fastfood-Kette.

Doch die besten Jahre scheinen erst einmal hinter McDonalds zu liegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte bei einem Umsatz von rund 15 Milliarden Dollar noch ein Gewinn von knapp 1,7 Milliarden Dollar erwirtschaftet werden - das Plus hatte allerdings zwei Jahre zuvor bereits über der zwei Milliardengrenze gelegen. Entsprechend ins Straucheln kam auch die Aktie: Seit dem Allzeithoch bei 47 Dollar im Herbst 1999 hat sich McDonalds zwischenzeitlich mehr als halbiert. Auf Basis des aktuellen Kursniveaus von rund 24 Dollar weist die Fastfoodkette eine Marktkapitalisierung von knapp dreißig Milliarden Dollar auf.

Philip Morris

Es gibt sie noch, die klassischen Value-Aktien: Obschon die Tabakindustrie jahrelang in der Krise steckte, hat sich der Marktführer Philip Morris prächtig entwickeln können. Daran hatte nicht zuletzt US-Präsident George W. Bush Anteil: Der Republikaner gilt als Verfechter eines liberalen Umgangs mit der Tabakindustrie - Milliardenklagen, die das Unternehmen jahrelang zu ruinieren drohten, werden in der Bush-Administration weniger Chancen auf Erfolg gegeben. So setzte der Tabakhersteller, der Anfang 2000 noch auf einem 5-Jahrestief unter 20 Dollar dümpelte, zu einem beeindruckenden Turnaround an: Bis heute legte das Papier rund 150 Prozent auf über 50 Dollar zu.

Maßgeblichen Anteil am Comeback hat auch die Nahrungsmitteltochter Kraft Foods, die 2001 den zweitgrößten Börsengang aller Zeiten aufs Parkett legte. Das Kerngeschäft beider Unternehmen entwickelt sich prächtig: Während Philip Morris dank Marlboro und anderen eingeführten Zigarettenmarken im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von rund 80 Milliarden einen Gewinn von strammen neuneinhalb Milliarden Dollar erzielen konnte, verbuchte das Tochterunternehmen Kraft Foods dank Milka und anderen Schokoladenprodukten bei einem Umsatz von 67 Milliarden Dollar einen Gewinn von 2,65 Milliarden Dollar. Auf den aktuellen Kursniveaus wird Philip Morris mit 110 Milliarden Dollar, Kraft Foods mit 68 Milliarden Dollar bewertet.

Procter & Gamble

Wenige US-Unternehmen können so viel Geschichte in sich vereinen: Bereits 1837 wurde der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble von zwei Europäern, die in die Vereinigten Staaten ausgewandert waren, in Cincinnati gegründet: William Procter, einem Kerzenzieher aus England, und James Gamble, einem Seifensieder aus Irland. P&G hat sich seither vor allem durch bahnbrechende Entwicklungen im Konsumgütermarkt einen Namen gemacht. So stammen die ersten fluorhaltigen Zahnpasten und die ersten Höschenwindeln von P&G. Heute gehört Procter & Gamble zu den führenden Markenartikel-Unternehmen der Welt - mit mehr als 300 Marken wie Pampers, Ariel, Tempo und rund 100.000 Mitarbeitern weltweit.

Doch auch Traditionsunternehmen müssen mitunter Wachstumsdellen mitmachen: Anfang 2000 halbierte sich die Aktie nach mehreren Gewinnwarnungen und sackte auf das Niveau von 1997 ab. Inzwischen ist der Turnaround jedoch voll im Gange: Im vergangenen Geschäftsjahr konnte bei einem Umsatz von rund vierzig Milliarden Dollar ein Gewinn von 4,25 Milliarden Dollar erzielt werden. Die Aktie hat in den letzten zwei Jahren gegen den Markttrend rund 50 Prozent zugelegt und liegt aktuell bei rund 90 Dollar. Auf diesem Niveau wird das Unternehmen an der Börse mit rund 125 Milliarden Dollar bewertet.

Wal Mart

Die Wachstumsstory gleicht purem Gigantismus: Als Gründer Sam Walton 1962 zwei Märkte in Arkansas und Missouri eröffnete, konnte er noch nicht ahnen, dass sein Unternehmen, Wal Mart Stores, keine dreißig Jahre später zum größten Einzelhändler der Welt aufsteigen sollte. Mehr als 700.000 Mitarbeiter beschäftigt Wal Mart allein in den USA - mehr als jedes andere Unternehmen; weltweit sind es gar 1,38 Millionen. Charakteristisch für den US-Handelskonzern sind die niedrigen Warenpreise, mit denen Wal Mart die Konkurrenz immer wieder unterbieten und damit im Preiskampf mürbe machen kann. Zuletzt geriet Wal Mart jedoch verstärkt in die Kritik, das Internet-Zeitalter gegenüber Online-Händlern wie Amazon.com verschlafen zu haben.

Auf das Kerngeschäft hat das indes wenig Einfluss gehabt: Wal Mart setzte im vergangenen Jahr mehr als 233 Milliarden Dollar um und konnte dabei einen Gewinn von 7,36 Milliarden Dollar erzielen. Entsprechend robust konnte sich die Aktie im jüngsten Abschwung halten: Wal Mart notiert aktuell bei 55 Dollar nur rund 30 Prozent unter dem Allzeithoch. Auf dem aktuellen Niveau wird das drittteuerste Unternehmen der Welt mit rund 245 Milliarden Dollar bewertet.

Nils Jacobsen