21.05.2015
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wissen.de Artikel

Europäische Konsumwerte

Fast täglich schwächelt der EuroStoxx: Hightechs, Finanztitel oder Versicherer führen beständig die Verliererlisten an. Die Konsumwerte Eurolands konnten sich indes bislang beachtlich behaupten - Unilever BestFoods, Nestlé, Danone und L’Oreal zählen zu den stabilisierenden Aktien des Indix. wissen.de beleuchtet die Hersteller von Weltmarken wie Lipton, Evian, Schöller oder El’Vital in Unternehmensporträts nachfolgend näher!

Unilever Bestfoods

Am Anfang war die Margarine: Bereits 1871 erwarb die niederländische Familie Jurgens das Know-how zur Herstellung der "Margarine Mouriès", der ersten Sparbutter aus gereinigtem Rindertalg und Milch, die zwei Jahre zuvor von Mège Mouriès erfunden und patentiert wurde. Siebzehn Jahre später gründeten die Butterhändler Jurgens und Van den Bergh die ersten Margarinefabriken auf deutschem Boden - ein Weltkonzern war geboren.

Auch heute, mehr als hundert Jahre später, steht die Margarine noch immer im Zentrum von Unilevers Produktportfolio: Lätta, die Halbfettmargarine ist dank des pfiffigen Werbespots („Du Schuft!“) ebenso wenig aus unserem Kopf wie aus unserem Kühlschrank wegzudenken! Diese starke Präsenz gilt ebenso bei so eingeführten Marken wie Lipton, Knorr, Becel, Rama, Langnese, Iglo, Dove, Domestos, Axe oder gar Calvin Klein Cosmetics.

Die breite Produktpalette beweist: Unilever ist ein Global Player, der weit umfassend die Bereiche Ernährung, Körperpflege, Parfum, Kosmetik sowie Wasch- und Reinigungsmittel bedient. Mit insgesamt über 245.000 Mitarbeitern ist der niederländisch-britische Konzern in 88 Ländern der Welt vertreten; nach der Übernahme von BestFoods (2000) zählt auch London nach Rotterdam zum Konzernhauptsitz. Bis 2004 will Unilever sein Produktportfolio, das ursprünglich aus über 1.600 Marken bestand, nachhaltig straffen; das Angebot soll in nur noch 400 Kernmarken gebündelt werden.

Ebenso will der Konzern seine schon starken Gewinnmargen weiter optimieren - auf 16 Prozent pro Jahr. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Unilever BestFoods bei einem Umsatz von rund 51Milliarden Euro einen Gewinn nach Steuern und Abschreibungen von rund 550 Millionen Euro einfahren. Die Aktie hat sich trotz kurzfristiger Turbulenzen Ende Juli im derzeit so schwierigen Börsenumfeld gut gehalten und notiert derzeit bei rund 60 Euro - nur rund 20 Prozent vom 1998er Allzeithoch entfernt. Auf dem aktuellen Niveau ist Europas führender Konsumgüterhersteller mit rund 135 Milliarden Euro bewertet.

Nestlé

Es gibt nicht viele Nahrungsmittel, für die die Schweizer außer ihrem legendären Käse weltberühmt sind. Nestlé, Europas zweitgrößter Konsumgüterhersteller, schickt sich seit mehr als hundert Jahren an, auch einem Bereich der Genussmittel nachhaltig seine Visitenkarte abzugeben - und hat, wie allein Nescafé beweist, durchschlagenden Erfolg.

Begonnen hat die traditionsreiche Geschichte Nestlés tief im 19. Jahrhundert: Bereits 1867 entwickelte Gründer und Namensgeber Henri Nestlé die erste Säuglingsnahrung namens "Henri Nestlés Kindermehl". Sieben Jahre später starteten Nestlés Aktivitäten durch eine andere Gesellschaft auch in Deutschland: In Rickenbach bei Lindau am Bodensee beginnt die Anglo-Swiss Condensed Milk Company mit der Herstellung einer gesüßten Kondensmilch unter dem noch heute bestehenden Markennamen "Milchmädchen", während sich die in Vevey gegründete Farine Lactée Nestlé in den Folgejahrzehnten als deutsche Nestlé-Niederlassung in Berlin etabliert. 1905 kommt es schließlich zur Fusion der beiden Konzerne.

Die nächsten fast hundert Jahre entwickelten sich zur ungebremsten Wachstumsstory: 1929 übernimmt Nestlé die Sarotti AG, 1947 folgt die Fusion mit Maggi; 1983 folgt eine 50-Prozent-Beteiligung an der Münchener Kaffeerösterei Alois Dallmayr, 1994 die Übernahme von Warncke Eiskrem; im laufenden Jahr avancierte Nestlé durch die Übernahme der SchöllerHolding-Gruppe zur Nummer zwei im deutschen Eiscrememarkt.

Auch die Entwicklung an den Kapitalmärkten ist über die Jahre vom beständigen Wachstum geprägt: Während viele Technologie- und Finanzwerte durch den Abschwung der letzten zwei Jahre auf Niveaus von Anfang der 90er Jahre zurückgeworfen wurden, konnte Nestlé in der letzten Dekade fast 500 Prozent zulegen - eine der drei besten Performances im EuroStoxx!

Der Höhenflug der Schweizer ist indes kein Zufall: Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Nestlé bei einem Umsatz von 84,6 Milliarden Schweizer Franken einen Gewinn nach Steuern und Abschreibungen von knapp 6,7 Milliarden Schweizer Franken erzielen. Bei aktuell 230 Euro notiert Nestlé nur knapp 15 Prozent unter seinem Allzeithoch; das Unternehmen wird auf dem derzeitigen Kursniveau an der Börse mit rund 90 Milliarden Euro bewertet.

Danone

Ebenfalls zu den Big Playern des europäischen Leitindex EuroStoxx zählt Danone. Das französische Unternehmen konnte in den schwierigen letzten fünf Jahren gegen den Markttrend rund hundert Prozent zulegen. Mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent ist die Danone Gruppe weltweit größter Hersteller von Milcherzeugnissen (Joghurts, Frischkäsen und Milchdesserts); im Mineralwassersegment (Evian, Volvic, Badoit, Danone) belegten die Franzosen nach Nestlé mit einem Weltmarktanteil von neun Prozent unangefochten den zweiten Rang. Zudem ist das erst 1973 aus der Fusion zwischen Gervais und BSN entstandene Unternehmen im Gepäckbereich („LU“-Kekse) tätig.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Danone indes schwer zu schlucken: Zwar konnte der Umsatz um fünf Prozent auf 14,47 Milliarden Euro gesteigert werden, doch der Gewinn nach Steuern und Abschreibungen brach regelrecht ein - am Ende blieb nur ein mageres Plus von 132 Millionen Euro. Belastet wurde die Bilanz vor allem durch vorgezogene Abschreibungen im Zuge des geplanten Verkaufs des italienischen Käse- und Wurst-Herstellers Galbani.

Die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahrs bereiteten Investoren indes noch deutlich mehr Bauchschmerzen: Der französische Nahrungsmittelkonzern musste aufgrund erneuter Sonderabschreibungen im Zuge des schwachen Lateinamerika-Geschäfts sowie dem Verkauf der US-Trinkwassersparte in Höhe von über einer Milliarde Euro einen Nachsteuer-Verlust von 629 Millionen Euro ausweisen!

Für das Gesamtjahr bleibt die Danone-Gruppe indes optimistisch: Durch die Verbuchung eines einmaligen Nachsteuergewinns in Höhe von 1,5 Milliarden Euro durch den Verkauf des Bier-Geschäftes soll im Gesamtjahr ein Konzern-Überschuss erzielt werden. Trotz der aktuell schwächeren Geschäftsentwicklung präsentiert sich die Aktie robust bei 130 Euro - ein Minus von lediglich 25 Prozent vom Allzeithoch. Auf diesem Kursniveau bewertet die Börse Danone mit rund 36 Milliarden Euro.

L’Oreal

Trotz Börsenkrise präsentiert sich der französische Kosmetikkonzern LOréal seinen Aktionären von der schönsten Seite - das EuroStoxx50-Mitglied konnte sich in den letzten fünf Jahren vom 1998er Tiefpunkt bei knapp 40 Euro bis heute fast verdoppeln! Den Grundstein der Erfolgsgeschichte legte der junge französische Chemiker Eugène Schueller 1907 mit seiner Erfindung des Haarfärbemittels, das er „Auréole“ nannte. Zwei Jahre später gründete Schueller den LOréal-Vorläufer „Société Françaises des Teintures Inoffensives pour Cheveux“.

Nachdem LOréal in der ersten Jahrhunderthälfte vor allem mit seinen Haarpflegeprodukten ins Ausland expandiert hatte, folgte nach dem Zweiten Weltkrieg die zweite Welle der Internationalisierung - mit neuen Produkten und Übernahmen. LOréal wandelte sich nachhaltig zum Kosmetikkonzern und führte als erstes Unternehmen mit Ambre Solaire ein Sonnenschutzprodukt und eine gezielte Hauptflege-Serie mit LaRoche-Posay ein. Inzwischen ist LOréal zum weltgrößten Kosmetikkonzern avanciert, der die Hälfte seines Umsatzes außerhalb Europas generiert.

Dieser Wachstumskurs wird in der Geschäftsentwicklung positiv reflektiert. 2001 konnten die erfolgsverwöhnten Franzosen ihre Bilanz erneut deutlich steigern. Bei einem Umsatz von 13,7 Milliarden Euro erzielte LOréal einen Gewinn nach Steuern und Abschreibungen von knapp einer Milliarde Euro - eine Steigerung um fast sechzehn Prozent gegenüber dem Vorjahr!

Dieser Aufwärtstrend setzt sich auch im laufenden Geschäftsjahr fort: In den ersten sechs Monaten konnte der französische Kosmetikkonzern seinen Umsatz um mehr als fünf Prozent auf 7,4 Milliarden Euro steigern. So viel Zuverlässigkeit wissen Börsianer zu würdigen: Aktuell notiert die Aktie bei 75 Euro nur rund zwanzig Prozent unter ihrem Allzeithoch. Noch erstaunlicher jedoch: In der letzten Dekade hat die Aktie über 500 Prozent zugelegt! Auf dem aktuellen Kursniveau wird LOréal mit rund 50 Milliarden Euro bewertet.

Nils Jacobsen