21.05.2015
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Vor- und Nachteile von Riester-Fonds

Kriterien der Riester-Zertifizierung

Bevor sich ein Fonds das Riestersche Gütesiegel auf die Fahnen schreiben darf, muss es zahlreiche Kriterien erfüllen. Jede Anlageform zur Riester-Rente, egal ob es sich um eine Rentenversicherung oder einen Fonds-Sparplan handelt, muss garantieren, dass

  • bei Eintritt des Rentenalters mindestens die eingezahlte Summe bereit steht
  • die Rentenauszahlung tatsächlich erfolgen kann
  • lebenslange Bezüge gewährleistet sind - entweder direkt als Leibrente oder nach einem Auszahlungs-Modell, das ab dem 65. Lebensjahr eine Leibrente vorsieht
  • Übertragung und Pfändung ausgeschlossen sind
  • die Abschlusskosten des Rentenvertrags oder des Riester-Fondssparplans auf zehn Jahre verteilt werden
  • eine vierteljährliche Kündigung sowie ein Ruhenlassen des Vertrags möglich ist
  • die Entnahme des Geldes zum Erwerb einer Immobilie möglich ist
  • der Kunde informiert wird über die Verwendung des Geldes, die Höhe des angesparten Vermögens inklusive der Erträge, den Stand der Abschluss- und Betriebskosten und die Höhe der Verwaltungskosten
  • und dass bei der Mittelanlage ethische, soziale und ökologische Belange berücksichtigt werden.

Vorteile der Fondsprodukte

Im Vergleich zu der kapitalgedeckten Altersvorsorge in Form von Rentenversicherungen bieten Fonds-Produkte einige Vorteile. Beispielsweise können Fonds-Anbieter ihrem Kunden, sobald er das Rentenalter erreicht hat, 20 Prozent der aufgelaufenen Summe auf einmal auszahlen.

Weitere 20 Prozent können in monatlich schwankenden Raten und 60 Prozent in gleich bleibenden oder steigenden Monatsraten ausgezahlt werden. Weder die Einmalzahlung noch die übrige Aufteilung dieser Art bieten Versicherungen an. Sie garantieren lediglich die monatliche Auszahlung der Zusatzrente.

Zudem verringerte das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen die Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung für Riester-Fonds. Die Fonds sparen damit Absicherungskosten wodurch im Gegenzug die Renditemöglichkeiten der Anleger steigen.

Bei Versicherungen betragen die zusätzlichen Kosten des Kunden für einen Riester-Vertrag (z.B. Verwaltungsgebühren) laut Versicherungs-Experten etwa 12 Prozent des eingezahlten Gesamtbetrags. Bei Fonds-Produkten belaufen sich diese Kosten lediglich auf 6-7 Prozent der eingezahlten Summe und entsprechen damit denen von herkömmlichen Investmentfonds. Insgesamt kann bei Riester-Fonds also mehr Geld in die Ansparsumme fließen.

Nachteile der Fondsprodukte

Zwar sind die Riester-Fonds als Altersvorsorge sehr bequem - überlässt doch der Kunde den Fonds-Managern weitgehend die Sorge um sein Geld - doch das Kapital ist in diesen Fonds bis zum 60. oder 65. Lebensjahr fest gebunden.

Auf Veränderungen in der privaten Lebenssituation wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit kann diese Anlageform nicht flexibel reagieren. Ein Aussteigen aus dem Fonds bedeutet, dass die komplette staatliche Förderung zurückgezahlt werden muss. Auch Zinserträge müssen dann nachträglich noch versteuert werden.

Wieviel bringen die staatlichen Zulagen?

Bei der Beratung zur Riester-Rente sollte der Kunde sich immer seine persönliche Förderquote errechnen lassen. Sie gibt Aufschluss über die Höhe der staatlichen Leistungen, die ihm zustehen - ein wichtiges Entscheidungskriterium. Die Summe der Vergünstigungen hängt ab von Eintrittsalter, Familienstand, Anzahl der Kinder, Einkommen und der Höhe der Einzahlungen in die Riester-Renten-Produkte. Generell gilt: Je mehr Kinder der Sparer hat und je geringer sein Einkommen ist, desto interessanter ist die Förderung aus dem Riester-Topf.

Nach Untersuchungen der Vermögensverwaltung FondsKapital kann der Vorteil durch die staatliche Förderung der Riester-Fonds aber bereits ausgeglichen werden, wenn ein herkömmlicher Sparplan nur eine um zwei Prozentpunkte höhere Rendite erwirtschaftet als das Riester-Produkt.

Steuerliche Aspekte

Zur Entscheidungsfindung, ob ein Riester-Fonds eine ideale Lösung darstellt, ist ein Blick auf steuerliche Aspekte unumgänglich. Private, nicht “riesterfähige Renten“ sind mit dem so genannten Ertragsanteil zu versteuern. Er liegt bei einem 65-jährigen bei etwa 27 Prozent. Riester-Sparer müssen die Auszahlungen im Rentenalter voll versteuern. Andererseits sind ihre Aufwendungen in der Ansparphase steuerlich abzugsfähig. Auch hier gilt: Die Situation ist komplex und hängt weitgehend von der persönlichen finanziellen und steuerlichen Situation ab.