21.05.2015
You voted 3. Total votes: 544
wissen.de Artikel

Nikolaustag

6. Dezember

“Seid Ihr auch alle brav gewesen?”, diese Frage sollten jetzt große und kleine Kinder möglichst ehrlich mit “Ja” beantworten können, denn vor der großen Bescherung am Heiligen Abend hat ein alter Bekannter seinen großen Auftritt: Am 6. Dezember zaubert der Nikolaus mit Äpfeln, Nüssen, Süßigkeiten und kleinen Geschenken ein Leuchten in die Augen aller braven Kinder. Warum tut der Rauschebart das, wo kommt er her und wer ist eigentlich dieser unangenehme Kinderschreck Knecht Ruprecht?

Nikolaus mit Nikoloweibl und dien Buttnmandl im Berchtesgadener Land
Der Nikolaus im Einsatz - hier im Berchtesgadener Land

Wer war der Heilige Nikolaus?

Die Gestalt des Heiligen Nikolaus geht auf den Bischof von Myra zurück, der um 280 n. Chr. in Lykien, im Südwesten Kleinasiens, geboren wurde. Wir wissen, dass er um 300 zum Metropoliten der kleinasiatischen Hafenstadt Myra geweiht wurde und im Zuge der Christenverfolgungen in Gefangenschaft geriet. Belegt ist außerdem seine Teilnahme am 1. Konzil in Nicäa sowie sein Tod am 6. Dezember. Die Jahreszahl seines Todestages liegt zwischen 345 und 351 n. Chr.

Die Gebeine des Heiligen wurden Ende des 11. Jahrhunderts von italienischen Kaufleuten vor den Eroberungszügen der Muslime in Sicherheit gebracht. Am 8. Mai 1087 lief das Schiff mit den Reliquien in Bari ein. Dort entstand auf den Resten des ehemaligen Gouverneurspalastes die monumentale Basilika San Nicola, in der die sterblichen Überreste ihre bisher letzte Ruhestätte fanden. Am Tag der Überführung wird noch heute ein großer Umzug in der Hafenstadt abgehalten.

Auf deutschem Boden entstand die erste Nikolauskirche Ende des 8. Jahrhunderts in Billerbeck. Die byzantinische Prinzessin Theophanu, Gattin von Kaiser Otto II., verschaffte der Nikolausverehrung in Deutschland den entscheidenden Aufschwung. Sie machte ihn zum Hausheiligen der Ottonen, woraufhin Nikolaus zum Patron fast aller neu gegründeten Kirchen dieser Zeit wurde.

Welche Legenden ranken sich um den Heiligen?

Von der historischen Person des Nikolaus ist zwar nur wenig überliefert, dafür ranken sich umso mehr Legenden um seine Gestalt. Nikolaus wurde im 4. Jahrhundert zum wichtigsten Heiligen der byzantinischen Kirche und zum beliebtesten Volksheiligen der slawischen Länder. Viele Wallfahrer pilgern heute noch in die Unterkirche von Demre und verehren dort den leeren Sarkophag des Bischofs von Myra. Ein bekanntes bulgarisches Sprichwort bringt die Bedeutung von Nikolaus auf den Punkt: “Stirbt Gott, wählen wir den Heiligen Nikolaus zum Nachfolger.

Von Anfang an standen Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft im Mittelpunkt der legendenhaften Überlieferungen. Etwa die Rettung von unschuldig zum Tod verurteilten Feldherren. In einer Version erschien Bischof Nikolaus dem Kaiser im Traum und erwirkte somit ihre Befreiung, eine andere Variante berichtet davon, dass Nikolaus das Schwert des Henkers abwehrt.

Zum Patron der Seeleute wurde Nikolaus, weil er drei in Seenot geratenen Pilgern das Leben rettete: Er vertrieb den Sturm und steuerte ihr Boot sicher in den Hafen. Damit nicht genug: Der Heilige Nikolaus ist auch Schutzpatron der Bäcker, Bauern, Bierbrauer, Schnapsbrenner und Kaufleute. Wirklich ein Mann für alle Fälle.

Etwas später, im 15. Jahrhundert, erzählte man sich die Legende von den Getreidehändlern. Demnach erbat Nikolaus zur Zeit einer Hungersnot von jedem der für den Kaiser bestimmten Schiffe 100 Scheffel der Ladung. Durch seine Gebete merkte bei der Ablieferung niemand die fehlende Menge, seine Gemeinde konnte von den Abgaben jedoch jahrelang ernährt werden.

Warum verteilt der Nikolaus Geschenke?

Wenn der Nikolaus kommt, hat er einen großen Sack voller Geschenke bei sich, die er an brave Kinder verteilt. Dieser Brauch des Schenkens geht auf jene Legende zurück, nach der Nikolaus mit Hilfe von Geldgeschenken, die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin warf, drei Töchter einer verarmten Familie vor der Prostitution rettete.

Veränderte sich das Nikolaus-Brauchtum?

Grundlage für den Brauch, dass der Heilige Nikolaus Kinder beschenkt, waren wohl die Bischofsspiele in den Klosterschulen. Dabei schlüpfte ein Schüler jeweils am 6. Dezember in die Rolle des Bischofs und verteilte Geschenke. Im Abendland half die Legende von der Auferweckung getöteter Schüler, die erstmals im 12. Jahrhundert aufgeschrieben wurde, bei der Ausprägung des Heiligen zum Kinderfreund und Kinderbeschützer.

Martin Luther übernahm das Nikolaus-Brauchtum. Weil die reformatorische Kirche aber die Heiligenverehrung ablehnt, setzte er an die Stelle des Nikolaus das Christkind, das die Kinder fortan am Heiligen Abend beschenkte. Im Zuge der Gegenreformation bekam der Nikolaus in verstärktem Maße pädagogische und religiöse Funktionen. Er trat immer mehr als strenger, aber gerechter Mahner auf, der durch ein Verhör sicherstellte, dass die Kinder jeden Tag beteten, über ein fundiertes religiöses Wissen verfügten und immer brav waren. Dieses katechetische Frage- und Antwortspiel wurde von Eltern zunehmend auch als Drohung eingesetzt. Der Nikolaus wandelte sich als Weihnachtsmann zu einer sowohl lobenden als auch strafenden Figur: brave Kinder bekommen Geschenke, schlimmen Kindern droht er mit der Rute oder gar damit, sie in seinen großen Sack zu stecken und mit zu nehmen. In der Gestalt des Weihnachtsmannes flossen die Eigenschaften des Nikolaus (Kinderfreund) und des Knecht Ruprecht (Kinderschreck) zusammen.

Dezembers ihre geputzten Schuhe vor die Tür oder legen ihre leeren Strümpfe bereit, damit der Nikolaus diese in der Nacht mit Süßigkeiten anfüllen kann. Früher bastelten die Kinder dafür einen Gabenteller, das so genannte Nikolaus-Schiff. Das “Schiffchensetzen ist ein geht darauf zurück, dass Nikolaus der Schutzheilige der Seefahrer ist. Bis zum Jahr 1969 war der 6. Dezember sogar ein kirchlicher Feiertag, erst Papst Paul VI. änderte diese Regelung.

Wer ist eigentlich Knecht Ruprecht?

Als der Nikolaus nicht mehr nur reiner Geschenkbote war, sondern auch die Androhung der Bestrafung ungezogener Kinder im Raum stand, bekam der Heilige mancherorts einen Begleiter, der dem Zweck der Abschreckung diente. Der Name dieser Figuren verweist oft auf den Teufel, ihr Äußeres ist dunkel, meist pelzvermummt und furchteinflößend.

In Deutschland tritt Knecht Ruprecht seit dem späten 17. Jahrhundert zunächst als Gehilfe des Christkinds auf, im 18. Jahrhundert wurde er zum Begleiter des Heiligen Nikolaus. Am Mittelrhein nennt man die dunkle Gestalt Pelznickel, in Österreich Krampus oder Bartel. Andere Namen, die auf mittelalterliche Teufelsbezeichnungen zurückgehen, sind schwarzer Piet, Düvel und Bock. Im Elsass ist die Figur des Hans Trapp verbreitet. Diese geht auf den ehemaligen Hofmarschall des pfälzischen Kurfürsten zurück, der im 16. Jahrhundert die untertänigen Bauern erpresste und in Südwestdeutschland zum Kinderschreck wurde.

Wie feiern Menschen in anderen Ländern den Nikolaustag?

Die größte Bedeutung hat das Nikolausfest in den Niederlanden. Sinterklaas, wie der Nikolaus dort genannt wird, ist wichtiger als der Weihnachtsmann oder das Christkind. Die reformierten Niederländer nahmen Luthers Änderung nämlich nicht an und feiern auch heute noch die Bescherung am 6. Dezember. Am Vorabend stecken die Kinder ihre Wunschzettel in die Schuhe und stellen einen Eimer Wasser, eine Mohrrübe und etwas Heu für das Pferd von Sinterklaas bereit. Begleitet vom “Zwarten Piet bringt der Heilige die Geschenke, auf denen jeweils ein lustiger Reim steht. In Amsterdam findet jedes Jahr am Nikolaustag eine große Prozession vom Hafen zum Königspalast statt.

In Brasilien feiern die Menschen die größte Nikolausfeier. Er fliegt am 6. Dezember - nicht etwa auf einem Rentier-Schlitten, sondern zeitgemäß mit einem Helikopter - ins Maracana-Stadion ein und erklärt dort den Beginn der Weihnachtszeit. Im größten Fußballstadion der Welt amüsieren sich rund 250 000 Nikolausfans auf einer Riesenparty und lassen sich mit farbenprächtigen Showeinlagen unterhalten.

Als der Nikolaus kam

von Erich Kästner nach dem Gedicht “A Visit from St. Nicholas von Clement Clarke Moore

In der Nacht vor dem Christfest, da regte im Haus
sich niemand und nichts, nicht mal eine Maus.
Die Strümpfe, die hingen paarweis am Kamin
und warteten drauf, daß Sankt Niklas erschien.
Die Kinder lagen gekuschelt im Bett
und träumten vom Apfel- und Nüsseballett.

Die Mutter schlief tief, und auch ich schlief brav,
wie die Murmeltiere im Winterschlaf,
als draußen vorm Hause ein Lärm losbrach,
daß ich aufsprang und dachte: Siehst rasch einmal nach!
Ich rannte zum Fenster, und fast noch im Lauf
stieß ich die knarrenden Läden auf.

Es hatte geschneit, und der Mondschein lag
so silbern auf allem, als sei's heller Tag.
Acht winzige Rentierchen kamen gerannt,
vor einen ganz, ganz kleinen Schlitten gespannt!
Auf dem Bock saß ein Kutscher, so alt und so klein,
daß ich wußte, das kann nur der Nikolaus sein!

Die Rentiere kamen daher wie der Wind,
und der Alte, der pfiff, und er rief: “Geschwind!
Renn, Renner! Tanz, Tänzer! Flieg, fliegende Hitz'!
Hui, Sternschnupp'! Hui, Liebling! Hui, Donner und Blitz!
Die Veranda hinauf, und die Hauswand hinan!
Immer fort mit euch! Fort mit euch! Hui, mein Gespann!

Wie das Laub, das der Herbststurm die Straßen lang fegt
und, steht was im Weg, in den Himmel hoch trägt,
so trug es den Schlitten auf unser Haus
samt dem Spielzeug und samt dem Sankt Nikolaus!
Kaum war das geschehen, vernahm ich schon schwach
das Stampfen der zierlichen Hufe vom Dach.

Dann wollt' ich die Fensterläden zuzieh'n,
da plumpste der Nikolaus in den Kamin!
Sein Rock war aus Pelzwerk, vom Kopf bis zum Fuß.
Jetzt klebte er freilich voll Asche und Ruß.
Sein Bündel trug Nikolaus huckepack,
so wie die Hausierer bei uns ihren Sack.

Zwei Grübchen, wie lustig! Wie blitzte sein Blick!
Die Bäckchen zartrosa, die Nas' rot und dick!
Der Bart war schneeweiß, und der drollige Mund
sah aus wie gemalt, so klein und halbrund.
Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf,
und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen Schopf.

Ich lachte hell, wie er so vor mir stand,
ein rundlicher Zwerg aus dem Elfenland.
Er schaute mich an und schnitt ein Gesicht,
als wollte er sagen: “Nun, fürchte dich nicht!
Das Spielzeug stopfte er, eifrig und stumm,
in die Strümpfe, war fertig, drehte sich um,
hob den Finger zur Nase, nickte mir zu,
kroch in den Kamin und war fort im Nu!

In den Schlitten sprang er und pfiff dem Gespann,
da flogen sie schon über Tal und Tann.
Doch ich hört' ihn noch rufen, von fern klang es sacht:
“Frohe Weihnachten allen, und allen gut' Nacht!

aus der wissen.de-Redaktion