21.05.2015
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wissen.de Artikel

Berufsalltag im Journalismus

Berufsbilder

Der Beruf des Journalisten umfasst viele verschiedene Berufsbilder.

Tageszeitung

Gastbeitrag von Markus Reiter

Es soll Tageszeitungsredakteure geben, die ihren Beruf gewählt haben, damit sie ausschlafen können. Die meisten Redakteure beginnen ihren Arbeitstag zwischen zehn und elf Uhr morgens. Sie arbeiten aber auch bis spät am Abend. Manche fangen erst nachmittags an, bleiben bis Mitternacht, kurz vor dem Andruck der Zeitung. Bei Zeitschriftenredakteure geht es etwas ruhiger zu, aber auch sie kommen kurz vor Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe ins Schwitzen. Oft sind die Redakteure abends auf einem Termin und schlagen sich in Ratssitzungen, Tarifverhandlungen oder Theateraufführungen die Zeit um die Ohren. Für ein ausgeglichenes Familienleben sind das keine idealen Arbeitszeiten.

Auch abgesehen von diesem Stress: Wer gute Deutschaufsätze geschrieben hat, muss noch lange kein guter Journalist werden. Denn die meiste Zeit ist der Journalist damit beschäftigt, die Informationen zusammenzutragen, die er später aufschreibt. Im Angelsächsischen gibt es sogar eine klare Trennung zwischen den Reportern, die Fakten recherchieren, und den Redakteuren (editors), die daraus lesbare Artikel machen. In Deutschland sind beide Tätigkeiten meistens noch in einer Hand.

Die Redakteure hängen demnach stundenlang am Telefon, oder sie begeben sich an den Ort des Geschehens, um mit Beteiligten zu reden, Informationen zu bekommen und Hintergründe zu erfragen. Sie schreiben dann so viele Zeilen, wie ihnen der diensthabende Redakteur (CvD), der für die Seitengestaltung verantwortlich ist, zugesteht. Nur Leitartikler und Feuilletonisten erlauben sich gelegentlich den Luxus, mehr zu denken als zu recherchieren.

Haben sie ihre Artikel geschrieben, muss ihn ein Kollege redigieren. Er überprüft, ob er sachlich logisch und einsichtig und ob er lesbar geschrieben ist. Nicht selten muss er Teile umschreiben. So mancher Artikel, über dem der Name eines bekannten Korrespondenten oder anderen Autors steht, ist zu einem erheblichen Teil ein Werk des redigierenden Redakteurs. Der Alltag der meisten Print-Journalisten (die wenigen Großreporter und Kriegsberichterstatter einmal ausgenommen) ist also recht unspektakulär. Spannend für jene, die sich ihre Neugier bewahrt haben, ist er aber dennoch, denn man lernt täglich etwas dazu.

Zum Autor:
Markus Reiter war stellvertretender Chefredakteur von Reader's Digest Deutschland und ist jetzt Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Radio

Gastbeitrag von Andreas Caspari

Die meisten Radiosender bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Ein Programm braucht Reporter, Redakteure, Autoren, Moderatoren und Programmplaner.

Wer für ein Nachrichtenprogramm oder in einer Nachrichtenredaktion arbeiten möchte, sollte vor allem schnell arbeiten können und eine flüssige Sprache haben. Die Sätze sind kurz. Die Sprache muss einfach sein. Schließlich haben die Hörer keine Chance, jeden Satz zwei- oder drei Mal zu hören. Da fast alle das Radio nur noch nebenbei hören, ist es wichtig, aufzufallen. Der erste Satz muss sitzen. Sonst wird weggeschaltet.

Die Recherche spielt für aktuelle Radiojournalisten oft eine untergeordnete Rolle, da sie ihre Informationen meist von der Nachrichtenagentur beziehen. Aktuelle Journalisten begreifen ihr Radio daher eher als ein „Anreißmedium“. Manchmal recherchieren sie Geschichten nach, haken nach, stricken weiter, und recherchieren drum herum.

Anders sieht das Berufsbild für Autoren von längeren Hintergrundstücken aus: Sie feilen lange an Sätzen. In der Produktion agieren sie mit verschiedenen Sprechern; sie wählen Musik aus, die mit Sprechertexten gemischt werden. Hier kommt es auf Genauigkeit an. Eine lange Reportage muss sauber produziert sein. Der Autor braucht Geduld und Ausdauer.

Wer sich auf die längere Form im Radio konzentrieren möchte, hat auch einen Vorteil gegenüber den aktuell arbeitenden Kollegen: Er braucht keine angenehme oder gar ausgebildete Stimme. Hörspielautoren, Nachrichtenschreiber oder Verfasser von langen Reportagen übergeben den erarbeiteten Text meist einem professionellen Sprecher.

Im Aktuellen muss der Journalist seine Texte in der Regel selber sprechen. Wer am Anfang einer Radiokarriere noch Probleme beim Sprechen oder mit der Stimme hat, kann an sich arbeiten. Ob einen Dialekt, eine unsaubere Aussprache oder extreme Nervosität: Alles kann man mit einer Sprecherziehung, Atemübungen, langem Training und Geduld auf ein professionelles Niveau bringen. Doch auch unorthodoxe Stimmen und schräge Aussprachen haben manchmal ein unerwartetes Einsatzfeld, etwa in der Comedy oder beim Hörspiel.

Aktuelle Journalisten müssen auch technisch ausgebildet sein. Hier nehmen sie die Interviews selbst auf. Danach schneiden sie den Beitrag mit einem Computerprogramm. Das Zitat (in er Radiosprache der Original- , oder kürzer, der O-Ton) muss in der Lautstärke korrekt und verständlich aufgenommen werden.

Bei langen Reportagen oder Hörspielen stellen noch ein paar Sender ihre Stücke aufwendig selbst her - mit Regisseur, Produzenten und mehreren Sprechern. In der Regel können sich das nur die öffentlich-rechtlichen Radiostationen leisten.

Überhaupt unterscheidet sich das Berufsbild der öffentlich-rechtlichen sehr von dem der privaten Radiosender. Während es bei den meisten privaten Radiosendern primär auf gute Unterhaltung ankommt, sind die öffentlich-rechtlichen Sender per Rundfunkstaatsvertrag dazu verpflichtet, ein Mindestmaß an Information zu senden. Beim WDR, NDR oder beim Deutschlandfunk hat man auch deswegen als Anfänger ein größeres Feld zum eigenen Arbeiten und Ausprobieren.

Zum Autor:
Andreas Caspari arbeitet bei Info-Radio Berlin

Fernsehen

Von Carsten Wieland

Der Fernseh-Journalist muss ein Teamworker sein. Bis sein Stück gesendet wird, teilt er viele Arbeitsschritte mit Kollegen, vor allem Technikern. Die meisten TV-Redakteure arbeiten hinter den Kulissen. Nur einen Bruchteil von ihnen sieht man vor der Kamera, und diese sind dann manchmal gar keine Redakteure, sondern „nur“ Moderatoren.

Im Alltag kann der Fernseh-Journalist meist auf zwei Arten Bildmaterial besorgen. Erstens: Er geht mit einem eigenen Kamera-Team raus zum Termin oder zu einem Geschehen. Dann hat er die Möglichkeit, bereits bei der Aufnahme die gewünschten Bilder zu steuern. Die zweite Variante ist die häufigere: Der Redakteur sitzt im Büro und bekommt Bildmaterial von TV-Agenturen. Ähnlich wie Nachrichtenagenturen bieten sie den Service fertiger oder halbfertiger Produkte. Vor allem bei Ereignissen in der fernen Welt sind die meisten Sender auf dieses Bildmaterial angewiesen.

Danach sichtet der Redakteur das Material und schreibt sich die wichtigsten Szenen heraus. Dabei muss er ein bisschen wie ein Dramaturg denken: Bilder und Geschichte sollten in seinem Kopf bereits klar und parat sein. Der TV-Redakteur ist ein Erzähler. Er kann auch mehr Fantasie einsetzen als der Nachrichtenredakteur. Dabei helfen ihm oft die Bilder, die er geschickt und aussagekräftig mit dem Text verknüpfen kann.

Verpönt ist die so genannte „Bild-Text-Schere“, also wenn Text und Bilder auseinander klaffen. Dann verliert der Leser, durch die Bilder abgelenkt, den roten Faden und hört nicht mehr richtig zu. Es kommt darauf an, beides schlüssig zu verbinden. Das ist nicht immer leicht; besonders, wenn der Autor über eine Sitzung berichten muss, wo zwar Wichtiges beschlossen wurde, aber nur Konferenztische, Männer mit grauen Anzügen und Aktenkoffer zu sehen sind.

Hat der Redakteur das Material gesichtet, setzt er sich mit dem „Cutter“ (Schneider) ins Studio. Besonders hier ist Teamgeist gefragt, weil die Zeit zum Schneiden meist äußerst knapp ist und Cutter und Redakteur auf ein gutes Zusammenspiel angewiesen sind. Der Redakteur hat das Skript vor Augen und liest über die Szenen den Text laut vor, damit beide wissen, wie viel Bild jeder Informationsabschnitt braucht.

Dann wird das Stück vertont. Manchmal spricht der Redakteur selbst, manchmal gibt es professionelle Sprecher dafür.

Der große Augenblick eines jeden TV-Journalisten ist natürlich, selbst vor der Kamera zu stehen. Das sind meist erfahrene Korrespondenten, die heute oft auch „Anchormen“ genannt werden. Die Heimatredaktion wirft nach dem Mann vor Ort den Anker aus und orientiert seine Berichterstattung an ihm. So genannte „Aufsager“ erfordern hohe Konzentration und, falls es eine richtige Live-Schaltung ist, auch ein großes Maß an Schlagfertigkeit.

Das was den meisten am Fernsehen so Spaß macht, sind nicht nur die Bilder, mit denen der Redakteur kreativ arbeiten kann. Es ist auch die große Spontaneität, mit der er ans Werk gehen kann und muss. Vielen entspricht dieses Medium auch der eigenen Eitelkeit, weil im Vergleich zu Print und Radio viel mehr von der eigenen Persönlichkeit präsentiert wird. Doch, wie gesagt, die meisten arbeiten hinter den Kulissen. Außerdem lassen sich im Fernsehen oft nicht genug Informationen rüberbringen. Der Grund: Die Sendezeit ist knapp, Bilder fehlen oder sind schlecht, wegen des technischen Aufwandes leidet oft die Recherche.

Nur wer bei einem guten TV-Magazin arbeitet, kann als auch als investigativer Journalist inhaltliche Akzente setzen. Sonst besteht ein Großteil der Arbeit für aktuelle TV-Redakteure im Nachrichtenschreiben. Agentur-Kollegen finden deshalb bei Sendern oft leichten Zugang und werden mit ihren Fähigkeiten gerne genommen.

Nachrichtenagentur

Von Carsten Wieland

Extrem schnell verstehen, flink recherchieren, fix einordnen, sicher formulieren und zügig schreiben - das alles muss ein guter Nachrichten-Redakteur können. Dazu sollte er eine breite Allgemeinbildung haben. Oft muss er blitzschnell zum „Experten“ auf einem aktuellen Gebiet werden. Auch sollte er sehr flexibel sein. Denn es kann vorkommen, dass er häufig seinen Einsatzort wechseln muss. Agenturen haben ein mehr oder minder dichtes Netz an Büros in ganz Deutschland und Korrespondentenstellen im Ausland.

Die Arbeit in einer Agentur ist sehr spannend und abwechslungsreich. Jeden Tag wartet etwas Neues oder Unerwartetes. Wer dort arbeitet, steht täglich an der Front der Ereignisse. Denn was den Informationsfluss angeht, sind Agenturen in der Regel allen anderen Medien vorgeschaltet. Das heißt: Sie berichten über Ereignisse, die dann über den Ticker an Zeitungen, Radios und Fernsehen gehen. Sie sind sozusagen die „Späher“ und „Fußtruppen“ der übrigen Medien. In vielen Fällen reagieren die Anderen danach oder nehmen die Nachrichten zum Anlass, selbst zu recherchieren. Die weite Verbreitung der eigenen Arbeit bedeutet eine große Verantwortung. Konzentration und Sorgfalt sind nötig.

Während Zeitschriften wie Der Spiegel, Wochenzeitungen wie Die Zeit oder Journalisten guter TV-Magazine oft „Jäger“ der News sind, hat der Agentur-Journalist eher die Rolle des „Sammlers“ und Chronisten. Er bietet minütlich mit einem breiten Fächer abgedeckter Themen einen Service für seine Kunden und Kollegen an.

Agenturen wie die größte deutsche ihrer Art, die Deutsche Presse-Agentur (dpa), bieten zudem hoch geschätzte Volontariate an. Denn junge Schreiber werden dort fast zu All-Round-Talenten ausgebildet und sind vielseitig einsetzbar. Daher ist es für junge Agentur-Journalisten auch relativ einfach, in andere Medien - zum Beispiel in die Nachrichtenredaktion eines Radios oder eines Fernseh-Senders - zu springen. Es ist auf jeden Fall leichter als umgekehrt.

In jüngster Zeit sind Nachrichtenagenturen ein wenig aus ihrer reinen „Sammler“-Rolle herausgeschlüpft. Sie bieten zunehmend Eigeninitiativen oder Themenpakete zu großen Ereignissen auch im Voraus an. Außerdem hat die dpa inzwischen ihr Angebot um Online-Dienste oder einen Reportage-Dienst erweitert, sodass Redakteure eine etwas größere „Spielwiese“ für ihre Talente bekommen. Natürlich bietet eine Agentur auch für Fotografen und Grafiker einen interessanten Job.

Dennoch gibt es auch Schattenseiten. Wer gerne tiefgründig und lange recherchiert, Spektakuläres aufdeckt, bunte Reportagen, knallende Kommentare oder spitze Glossen schreibt, ist bei einer Agentur nicht gut aufgehoben. Der allergrößte Teil der Arbeit ist das reine und „trockene“ Nachrichten-Schreiben, obwohl auch „bunte“ Themen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die anderen Stilformen werden aber weniger oder gar nicht genutzt. Auch wer seinen Namen gerne liest oder im Rampenlicht stehen möchte, muss in einer Agentur zurückstecken. Dort arbeiten die Redakteure eher „im Stillen“. Manche junge Journalisten haben ihre Karriere in einer Nachrichtenagentur begonnen und sich später einen anderen, oft weniger „stressigen“ Job gesucht.

Der Online-Journalist

Gastbeitrag von Christian Buchholz

6.45 Uhr - Frühschicht. Es gibt erfahrungsgemäss nur wenige Journalisten, die zu dieser nachtschlafenden Zeit schon schnelle, gute Berichte texten mögen.

Bei manager-magazin.de lernt man es - notgedrungen. An jedem dieser frühen Morgen heißt die Aufgabenstellung: Ein neuer Aufmacher muss her - und die News müssen schleunigst aufgefrischt werden. Denn gleich schalten die User, vorzugsweise in Banken, an der Börse und anderen Finanz- und Versicherungsinstituten ihre Bürorechner ein. Und nach dem Frühstück hat manager-magazin.de das Neueste vom Tage zu bieten.

Mit Hochdruck wird getextet, telefoniert, Bildideen diskutiert, produziert. Um Zeit zu sparen, bauen wir, die fünf Redakteure der Frühschicht, häufig erst die Texte in einer „Rohform“ ins Internet ein. Bis vor kurzem schallte dann immer regelmäßig ein Ruf durch das Großraumbüro am Hamburger Katharinenfleet: „Ich schalte live!“ Mittlerweile ist die Software aber soweit verbessert, dass ein „Liveschalter“ den anderen nicht mehr „stören“ kann, wenn dieser ebenfalls die Aktualisierungstaste drückt. Es ist leiser geworden im Büro.

Texte „roh“ ins Netz zu stellen, bedeutet, der Newswert einer Meldung ist „live“ im Netz vertreten - es fehlen aber noch die Links. Und genau die sind es, die dem Journalismus im Internet einen Vorsprung vor allen anderen Medien geben. Das „Mehr zum Thema“ lässt sich nirgends so schnell und bequem einbinden: Eine Zeitung kann kaum sinnvoll auf den Bericht aus der vergangenen Woche verweisen, denn wohl nur wenige Leser werden die Ausgabe gerade zur Hand haben. Immerhin könnte der interessierte Leser hier suchen und nachblättern. Radio und Fernsehen bieten nicht einmal diese Möglichkeit, abgesehen von der skurrilen Variante, dass derjenige, der einen Bericht sieht, vorangegangene Sendungen auf Kassette verfügbar hat - das wären schnell tausende.

Das Internet aber präsentiert das größte Gedächtnis der Welt. Für unsere User bedeutet das, sie können per Mausklick, binnen weniger Sekunden (und es werden immer weniger) Hintergründe, Porträts, Vorgeschichten, Kursentwicklungen, Bildergalerien, oder was man sich sonst noch wünschen kann, einfach anklicken. Und können sich per Klick immer besser in eine Materie einarbeiten. Das nutzen übrigens auch Journalisten anderer Medien gern.

Zurück in die Großraum-Redaktion. Um 9.45 Uhr steht die Konferenz an. Was melden die Agenturen, Zeitungen, Fernsehen, andere Internet-Wirtschaftsdienste? Welche Hauptversammlungen, Quartalsberichte oder personellen Entscheidungen stehen im Laufe des Tages an? Die Ressorts „Unternehmen und Politik“, „Geld und Börse“, „E-Business und Medien“ und „Köpfe und Karriere“ präsentieren ihr Tagesprogramm der den Kollegen und der Chefredaktion. Aber bitte nicht zu lange. Schließlich verlangen die User zurecht zeitnahe Informationen. Und nicht selten wird das Programm, das man sich vormittags zurechtgelegt hat, von den Tagesereignissen über den Haufen geschmissen. Schließlich wird das Bessere immer der Feind des Guten sein.

Was allerdings in den allermeisten Fällen seinen Weg ins Netz findet, sind die Stories der mächtigen Print-Redaktion des manager magazins. Seit mehr als dreißig Jahren an den monatlichen Erscheinungsrhythmus gewöhnt und ebenso lang mit besten Drähten zu den Wirtschafts- und Politikgrößen versehen, haben die „mm-Printer“ eine herausgehobene Position auf dem Markt für Wirtschaftsjournalismus. Auf der mm-Online-Plattform lassen sich nicht nur die aufwendig erstellten Berichte „gut verkaufen“. Nicht selten haben die Kollegen durch ihre exzellenten Netzwerke auch Informationen an der Hand, die bis zum Erscheinungstermin der nächsten Kiosk-Ausgabe wahrscheinlich nicht unter dem Deckel halten lassen werden. Ein Beispiel von vielen: Das manager magazin wusste als erstes davon, dass Bernd Pischetsrieder 2002 zum neuen VW-Vorstandschef gekürt werden würde. Wer meldete zuerst? manager-magazin.de.

Natürlich arbeiten auch wir Onliner an Exklusiv-Stories. Häufiger Auslöser: Frische Agentur-Meldungen, die Fragen offen lassen. Hier satteln wir drauf - und holen uns frische Informationen. Das tun die Print-Kollegen bei den Tageszeitungen zwar auch - können ihre News aber erst einen halben Tag später auf den Markt / an den Kiosk bringen. Ob das stimmt, kann jeder einfach testen: Abends manager-magazin.de lesen - und am nächsten Morgen die Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Handelsblatt oder Börsenzeitung. Was fehlt? Meist wenig, und von dem wichtigsten nur selten etwas.

Kurz möchte ich noch auf eine Erfindung von manager-magazin.de eingehen, die bei unseren Usern sehr gut ankommt, wie die Click-Zahlen, die wir stündlich gemeldet bekommen, belegen: Den Live-Ticker. Ein manager-magazin.de-Redakteur besucht eine Hauptversammlung (HV) und telefoniert jede Viertelstunde mit einem Kollegen in der Redaktion. Was er vor Ort sieht und erfragt kommt so zügig ins Netz. Denselben Effekt hat man auch als TV-Zuschauer, wenn man eine HV live verfolgt? Nicht ganz. Der Internet-User verpasst von den wichtigen Passagen einer HV durch den Live-Ticker mit Sicherheit nichts entscheidendes - überspringt aber automatisch langweilige Passagen des Live-Events.

In der Praxis hat sich bei den Live-Tickern bewährt, dass sich (mindestens) zwei Redakteure mit verschiedenen Quellen parallel um ein Thema kümmern. Beispiel aus der Praxis: Auf der VW-Hauptversammlung 2002 in Hamburg tauchte die Frage auf, ob gegen den scheidenden VW-Chef Piech eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung laufe - die Behauptung hatte ein Aktionär aufgestellt und dabei ein Aktenzeichen genannt.

Der manager-magazin.de-Redakteur vor Ort gibt das Aktenzeichen in die Redaktion weiter, die fragt bei der Staatsanwaltschaft nach. Das tut das VW-Management ebenfalls. Eineinhalb Stunden, nachdem der Aktionär seinen Vorwurf geäußert hatte, erklärt der VW-Aufsichtsrat, was es mit der Angelegenheit auf sich habe. „Wir haben uns mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung gesetzt und folgendes herausgefunden“, sagt der VW-Aufsichtsrat. Die manager-magazin.de-Redaktion hatte die Fakten bereits eine Stunde zuvor erfragt - Vorteil Internet.

Fazit: Spannender, schneller und flexibler als im Internet kann Journalismus kaum sein - anstrengend ist der Job aber auch.

Zum Autor:
Christian Buchholz ist seit Oktober 2001 beim manager-magazin.de und war zuvor Redakteur u.a. bei Euro am Sonntag und Aktienresearch.

Pressesprecher

Gastbeitrag von Volker Siegert

Wer Journalist werden will, denkt zunächst einmal nicht an den Beruf des Pressesprechers. Zu unattraktiv erscheint die Tätigkeit, charakterlos gar, denn der Pressesprecher - so die landläufige Meinung - verkauft sich und seinen unabhängigen Geist an die Institution für die er spricht.

Ein Irrtum, denn genauso wenig, wie Journalisten ständig Skandale aufdecken und um die Welt reisen, haben Pressesprecher die Rolle des Verhinderers. Natürlich äußern sich Pressesprecher ausschließlich im Interesse ihres Arbeitgebers - allerdings müssen sich auch Journalisten in die Vorgaben ihrer Verlage und Chefredakteure fügen.

Pressesprecher arbeiten in Unternehmen, bei Verbänden, Parteien sowie Organisationen und Initiativen (Kinderschutzbund, Greenpeace usw.). Sie bilden die Schnittstelle zwischen Innen und Außen. Sie müssen intern vermitteln, wie die Öffentlichkeit ihr Unternehmen oder ihre Organisation sieht und umgekehrt die Sicht ihrer Institution nach außen tragen. Sie schreiben Pressemitteilungen und Reden, organisieren Pressekonferenzen, beobachten, was die Medien berichten und pflegen den Kontakt zu ihnen. Häufig übernehmen ehemalige Journalisten den Job eines Pressesprechers, denn sie wissen am besten, was die Presse braucht und in welcher Form sie es braucht.

Pressesprecher brauchen aber noch mehr Eigenschaften: Sie müssen gute Teamplayer sein, denn oft werden Pressemitteilungen im Zusammenspiel mit Juristen, Finanzexperten und anderen Fachleuten formuliert. Dabei braucht der Pressesprecher oft viel Verhandlungsgeschick. Ein guter Pressesprecher ist immer auch Ratgeber für seine Vorgesetzten. An erster Stelle stehen aber Ehrlichkeit und Offenheit - wer einmal sein Vertrauen bei Journalisten verspielt hat, kann den Beruf an den Nagel hängen.

Noch eines sollte ein Pressesprecher nicht sein: eitel. Sein Erfolg wird daran gemessen, wie gut sein Arbeitgeber in der Öffentlichkeit erscheint. Den guten Koch soll man schmecken und nicht sehen - dies ist das Motto des Pressesprechers.

Wer ausprobieren will, ob der Beruf des Pressesprechers Spaß macht, findet garantiert ein Betätigungsfeld: im Sportverein, der Schülervertretung oder der Bürgerinitiative.

Zum Autor:
Volker Siegert ist Vorstandsmitglied der auf Finanzkommunikation spezialisierten equinet Communications AG, Frankfurt, und war vorher Pressesprecher des Baukonzerns Philipp Holzmann AG, Frankfurt.