21.05.2015
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Mineralogie

Disziplinen der Geowissenschaften unter der Lupe

Die Mineralogie beschäftigt sich mit den Eigenschaften und der Bildung natürlicher Mineralien, welche die Gesteine der 30 bis 40 Kilometer dicken Erdkruste aufbauen. Mineralien haben eine bestimmte chemische Zusammensetzung, konstante physikalische Eigenschaften und meistens eine kristalline Struktur. Über zweitausend Mineralien sind uns bekannt, doch am Aufbau der Gesteine haben nur zwei Dutzend Mineralien einen wesentlichen Anteil. Schöne und seltene Mineralien, die aufgrund einer gewissen Härte sehr widerstandsfähig sind, nennt man Edelsteine. Erze sind Mineralien mit einem nutzbaren Metallgehalt.

Teilgebiete der Mineralogie sind die Kristallographie (die Wissenschaft, die sich mit den geometrisch aufgebauten Kristallen befasst), die Petrologie (Gesteinswissenschaft), Geochemie und Lagerstättenkunde (Kenntnisse über abbauwürdige Minerale, Gesteine, Erdöl/-gas). Zusätzlich befasst sich die Mineralogie auch mit künstlichen kristallisierten Stoffen. Sie steht daher innerhalb der Geowissenschaften in enger Verbindung mit Physik, Chemie und Materialwissenschaft.

Geschichte der Mineralogie

Mineralien waren schon den Griechen des Altertums bekannt. Begründer der neuen Mineralogie war der Deutsche Georg Agricola (1491-1555). Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte der Freiberger Mineraloge Abraham Gottlob Werner (1749-1817) eine systematische Mineralbeschreibung ein. Fälschlicherweise sah Werner alle Gesteine als Ablagerungen aus Meeren an. Mit dem schottischen Geologen James Hutton (1726-1797) lieferte sich Werner erbitterte Kämpfe. Hutton glaubte nämlich, dass ein so genanntes Zentralfeuer aus dem Erdinnern für die Gesteinsentstehung verantwortlich sei. Später siegte sozusagen Feuer über Wasser: Es sind tatsächlich vorwiegend Vorgänge aus dem Erdinnern, die den Aufbau der heutigen Erdkruste gesteuert haben und es weiterhin tun. F. A. Breithaupt (1791-1873) fasste das gemeinsame Auftreten verschiedener Minerale unter bestimmten Bildungsbedingungen zusammen. Später wurden die Mineralien entsprechend ihrer chemischen Zusammensetzung und Kristallstruktur gegliedert und in Form von Dünnschliffen untersucht. Mithilfe eines uranreichen Minerals entdeckte der Chemiker Antoine Henri Becquerel zwischen 1880 und 1896 die Radioaktivität. Heute findet Forschung im Fach Mineralogie vielfach auf ausgefeilter experimenteller Basis statt.

Wie wird man Mineraloge?

Mineralogie kann man in vielen deutschen Universitätsstädten studieren. Das Studium dauert neun Semester und wird vorzugsweise im Wintersemester begonnen. Mathematische Kenntnisse sind vorteilhaft sowie englische und französische Sprachkenntnisse. Während des Studiums muss an mehreren Exkursionen teilgenommen werden. Dem Diplom-Mineralogen eröffnet sich ein weit gespanntes Berufsfeld. Er kann bei internationalen Explorationen mitarbeiten, bei geologischen Landesämtern oder in geochemischen Laboratorien angestellt werden. Weitere Arbeitsmöglichkeiten liegen in der Meteoritenforschung, in naturwissenschaftlichen Museen oder bei der Denkmalpflege. Aus der Synthese natürlicher und künstlicher Mineralien und ihren jeweiligen Eigenschaften bilden sich Ansatzpunkte zur Umweltforschung: So werden durch die Arbeit von Mineralogen neue Dämmstoffe entwickelt oder Deponiestandorte ausgewiesen. Die Mineralogie interessiert sich auch um die Verwertung von Mineralressourcen bzw. die Beseitigung der Reststoffe. Weitere Arbeitsbereiche finden sich in der Industrie, zum Beispiel in den Laboratorien von Chemiefirmen, in der Automobil-, Elektro-, Keramik- (Zahnmedizin) und Glasindustrie bis hin zur optischen Industrie. Mineralogen - immer auf der Suche nach dem Stein der Weisen!

Dr. Gotlind Blechschmidt/Lesestein.de