21.05.2015
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Linux statt Windows?

Im Internet-Service-Provider (ISP)-Bereich hat das Betriebssystem Linux längst überzeugt. Entsprechend sicherte sich Linux in diesem Bereich eine gute Position auf dem Weltmarkt und kann längst mit vergleichbaren Serverlösungen von Windows mithalten. Auch im Bereich der Klein- und Kleinstgeräte (Embedded Systems) mit eingebautem Betriebssystem wie zum Beispiel PDAs oder Smartphones sieht die Zukunft für Linx vielversprechend aus. Und zunehmend gewinnt der Piguin auch im normalen PC-Alltag an Boden.

Gründe für den Umstieg

Das nahende Ende des Supports für Windows NT bedeutete für viele Kommunen in Deutschland eine drohende Kostenlawine. Angesichts leerer Kassen lag es nahe, nach einer kostengünstigeren und besser kalkulierbaren Alternative zu suchen. Auch für Firmen, die scharf rechnen müssen, kann die Umstellung auf Linux interessant sein.

Linux-Distributoren wie SuSE oder Redhat bieten für den professionellen Bereich maßgeschneiderte Lösungen an, inklusive Firewall, E-Mail-Server und Support. Diese Entwicklung war nur logisch, denn für kommerzielle Anbieter ist in diesem Bereich mit Linux das meiste Geld zu verdienen.

Der verstärkte Einsatz von Linux in Universitäten, Schulen, Behörden und sogar im Bundestag hilft dem einstigen Underdog, weiter an Popularität zu gewinnen. Die jüngst verschärfte Lizenzierung bei Windows könnte auch mehr Heimanwender zum Umstieg bewegen.

Langsam einsteigen?

Seit einer Weile sind Komplett-Systeme mit vorinstalliertem Linux im Handel, aber viele PC-User möchten nicht ganz auf Windows verzichten. Dies gilt umso mehr, als praktische Erfahrungen mit Linux in den meisten Fällen fehlen. In der Diskussion um die Betriebssysteme wird bisweilen der Eindruck eines dogmatischen „Religionskrieges“ erweckt. Noch immer herrscht das Vorurteil, dass der Pinguin nicht pflegeleicht und nur für Computerfreaks gedacht ist.

Für Linux-Distributionen wie SuSE gilt das sicher nicht. Der Unterschied des „offenen Systems“ liegt in vorhandenen Optionen für jene, die Linux ihren eigenen Bedürfnissen anpassen wollen. Unix-Kenntnisse erleichtern das Verständnis der Hintergrundprozesse, sind aber keine Voraussetzung, um mit einer Linux-Benutzeroberfläche arbeiten zu können.

Auch haben sich die Linux-Distributoren längst auf Kunden eingestellt, die keine „Alles oder Nichts“-Entscheidung zwischen Linux und Windows treffen wollen. Wer sich in Ruhe ein eigenes Bild vom alternativen Betriebssystem machen will, kann z.B. die SuSE-Distribution problemlos parallel zu Windows installieren. Ein entsprechendes Partitionierwerkzeug ist Bestandteil des Softwarepakets. Bei jedem Systemstart können Sie so später mittels Boot-Loader entscheiden, ob Sie unter Linux oder Windows arbeiten wollen.

Kein fremdes Universum

Wer schon einmal Windows auf einem PC installiert hat, dürfte auch mit einer aktuellen SuSE-Distribution keine Schwierigkeiten haben. Mittels Setup-Tool läuft die Installationsvorgang für den Anwender im Prinzip genauso ab, inklusive automatischer Hardware-Erkennung und Standard-Einstellungen für alljene, die nicht selbst am System basteln wollen.Wer ganz sicher gehen will, dass die eigene Harware mitspielt, kann vorher einen Blick in die Hardware-Datenbank des Distributors werfen.

Eine weitere Erleichterung für Einsteiger ist der Office-Desktop, der sowohl den Zugriff auf unter Windows gespeicherte Daten erlaubt als auch die Nutzung des MS-Office-Paketes und weiterer Windows Programme. Letzteres ermöglicht eine Crossover-Software.

Generell ist der Datentransfer zwischen Linux- und Windows-PCs kein Problem. Einzige relevante Ausnahme: das gif.Format, das aus lizenzrechtlichen Gründen vom Bildbearbeitungsprogramm GIMP nicht unterstützt, allerdings zunehmend durch das PNG-Format ersetzt wird.

Ein Blick auf KDE

Vielen Usern ist nicht mehr bewusst, dass Windows voll gemeiner Unlogiken für Einsteiger steckt: Warum muss der Benutzer z.B. ausgerechnet das Start-Menü aufrufen, um Windows zu beenden? Ein kurzer, exemplarischer Blick auf den "K-Desktop" kann einen ersten, konkreteren Eindruck vermitteln, was den Linux-Anwender erwartet.

Genauso wie unter Windows gibt es Desktop-Icons für direkte Verknüpfungen. Der einzige Unterschied: Es genügt ein einfaches Anklicken - im Gegensatz zum gewohnten Doppelklick. Links unten befindet sich - analog zum Windows Startmenü - die so genannte Kontroll-Leiste mit vergleichbaren Features. Z.B. können Sie Programme aufrufen, Einstellungen vornehmen oder auch Linux beenden.

Was neu für Windows User ist: Sie können sich mehrere K-Desktops z.B. für verschiedene Anwendungsgebiete (Office, Bildbearbeitung, Spiele etc.) einrichten. Diese Desktops können Sie über die Taskleiste aufrufen, die sich - wie gewohnt - am unteren Bildschirmrand befindet. Der so genannte Conquerer ist vergleichbar mit dem Windows Explorer: Er ist per Shortcut über das Home-Verzeichnis in der Taskleiste zugänglich.

In einer streng durchgehaltenen Baumstruktur sind die verschiedenen Dateien angeordnet. Die eigenen Dateien können im Home-Verzeichnis angelegt werden - und lassen wie gewohnt durch einfaches Anklicken öffnen. Komfortabel für den User: Bilddateien werden in Originalgröße angezeigt. Ferner lässt sich der Conquerer auch als Web-Browser einsetzen, um einen schnellen Blick ins Internet zu werfen.

Fazit

Wer als langjähriger Windows-User am Arbeitsplatz mit einem Linux-PC konfrontiert wird, muss keine Angst haben, dass das alte Know How plötzlich nichts mehr wert ist. Sowohl Desktops als auch z.B. Office-Anwendungen sind auf Benutzer zugeschnitten, die Erfahrungen aus der Windows-Welt mitbringen. Für Heimanwender können Linux-Benutzeroberflächen durchaus reizvoll sein, da sie mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bieten.