21.05.2015
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Die ersten Kicker

Tritte gegen das Schienbein, Beinstellen und Faustschläge ins Gesicht: Im Jahr 1863 ist man es endgültig leid - allgemeine Fußballregeln müssen her. Die Vertreter von elf englischen Clubs und Schulen treffen sich und gründen die Football Association, den ersten Fußballverband der Welt. Sie glauben, damit den Fußball erfunden zu haben. Doch weit gefehlt! Etliche Jahrhunderte vor den Engländern haben Menschen bereits gegen Bälle getreten.

Die ältesten Spuren führen nach China

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Vorformen des Fußballs

Fußballgeschichte - Bereits im 17. Jahrhundert wurde in Florenz eine Art Fußball gespielt.

Die ältesten Spuren des Fußballs führen nicht auf die saftigen Wiesen Englands, sondern nach China, und zwar ins Jahr 2697 vor Christus. Nach einem militärischen Lehrbuch aus der Huang-Dynastie trainieren junge Soldaten ihre Kräfte mit einem Spiel namens Ts'uh küh. Bereits die Übersetzung des Schriftzeichens erklärt ausführlich, worum es sich dabei handelt: "Ein Ball, gemacht aus Leder, gefüllt mit irgendwas, damit man ihn umher kicken kann, zur Erholung, wenn man Zeit dafür hat." Die Spieler dürfen den Ball mit jedem Körperteil, nur nicht mit der Hand, berühren. Sogar Tore kennen Ts'uh küh-Spieler bereits: kleine Netze, die an langen Bambusstangen befestigt sind. Sie zu treffen, erfordert viel Geschick und Durchsetzungsvermögen, vor allem dann, wenn die gegnerische Mannschaft etwas dagegen hat.

Einen ähnlichen Sport betreiben Priester und Adlige etwa 300 vor Christus in Japan; sie nennen es Kemari. Bei diesem Spiel gibt jedoch weder Tore noch Gegner. Hier ist vor allem Geschicklichkeit gefragt, denn Kemari ist nichts anderes als "Ballhochhalten": Die festlich gekleideten Spieler stehen im Kreis und jonglieren sich gegenseitig den Ball zu. Er darf jedoch den Boden nicht berühren. Eine Übung, die Fußballer auch heute noch im Training absolvieren.

Europa spielt Fußball!

Sogar Inuit, Azteken und Indonesier sollen das Spiel mit dem Ball noch vor den Engländern beherrscht haben. Und dann, um 1100 nach Christus, endlich die Erlösung: Europa spielt Fußball! Den Anfang machen Nordfrankreich und tatsächlich England. Doch genau genommen hat dieses Spektakel mit modernem Fußball nicht viel gemein. Man stelle sich die vorwiegend männliche Bevölkerung zweier Städte oder Dörfer vor, das sind die Mannschaften. Die Zahl der Spieler ist in dem Durcheinander jedoch nicht feststellbar: Offenbar darf hier jeder mitmachen. Das Objekt der Begierde ist ein großer, schwerer Ball, um den man sich ohne Rücksicht auf Verluste prügelt. Die Spieler treiben ihn über Plätze, Felder und Hecken, durch Gräben und Bäche, hin zu einem vorher verabredeten Ziel: vielleicht eine Scheune oder ein Stadttor. Die gegnerische Mannschaft versucht das allerdings zu verhindern und den Ball in die andere Richtung zu treiben. Das Spiel gleicht im Grunde einer Massenschlägerei. Schwerverletzte und zerbrochene Fensterscheiben sind keine Seltenheit. Heute noch pflegen "echte" englische Ladies und Gentlemen eine allerdings nicht ganz so schmerzhafte Variante, den sogenannten Shrovetide Football.

So beliebt der mittelalterliche Zeitvertreib bei der Bevölkerung auch sein mag, der Obrigkeit bleibt er fast 700 Jahre lang ein Dorn im Auge. Denn mit wilden Rabauken sind keine Kriege zu gewinnen, man braucht gut ausgebildete Soldaten, die sich besser im Bogenschießen üben sollten. Deshalb gibt es kaum einen englischen oder schottischen König, der nicht mindestens einmal während seiner Amtszeit den Fußball verbietet. Allerdings ohne Erfolg. Im Gegenteil: Pädagogen des 16. und 17. Jahrhunderts erkennen im Fußball eine durchaus gesunde Leibesertüchtigung und eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Vorausgesetzt man schlägt sich nicht gleich gegenseitig tot. Richard Mulcaster (1533-1611), Direktor der Schule von St. Pauls, fordert die Einführung von Regeln. An seiner Schule beschränkt er die Zahl der Spieler pro Mannschaft und ächtet grobe Fouls wie Rempeln und Treten. Fußball wird damit zum englischen Schulsport.
Die einfache Bevölkerung hält nichts von diesen marklosen Vorschriften und prügelt weiterhin Ball und Gegner durch die Landschaft. Die einzige Regel, an die man sich immerhin zu halten scheint, stellt die Kirche auf: Das sonntägliche Spielverbot wird in England mehr als 300 Jahre lang befolgt.

Moderne Zeiten

Fußballländerspiel Deutschland - England

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wehrt sich im ersten Heimspiel auf dem Viktoria-Sportplatz in Mariendorf vergeblich gegen die 1:5-Schlappe gegen England.

Die moderne Form des Fußballs wird in England seit dem 26. Oktober 1863 gespielt. Im Londoner Pub "Freemasons Tavern" gründen die Vertreter von elf Schulen und Clubs gemeinsam den ersten Fußballverband der Welt, die Football Association (FA). Sie diskutieren und bestimmen erstmals die Regeln, die den modernen Fußball begründen: Zehn Feldspieler und ein Torwart bilden eine Mannschaft, der Ball darf nicht mit der Hand gespielt werden und grobe Fouls sind verboten. Diesen Beschluss nimmt die Schule von Rugby jedoch zum Anlass, sich beleidigt zurück zu ziehen und von nun an den gewohnt robusten Rugby Football zu spielen. Schon acht Jahre später, 1871, gehören der FA bereits 50 Clubs an, die um die erste Fußballtrophäe der Weltgeschichte spielen: den englischen Pokal. Und ein Jahr später folgt das erste Länderspiel: England und Schottland trennen sich vor 4000 Zuschauern 0:0 unentschieden.

aus der wissen.de-Redaktion