21.05.2015
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wissen.de Artikel

Märchen und Sagen

Sind Märchen wahr?

Wenn Ereignisse zu schön sind, um wahr zu sein, sprechen wir gern von einem Märchen. Märchen, das sind fantastische Geschichten, die überall auf der Welt erzählt werden. Bis zum 16. Jahrhundert wurden Märchen immer nur weitererzählt, nirgendwo stand geschrieben, wie eine bestimmte Geschichte ausgeht.
Märchen können nicht wahr sein, denn in ihnen tauchen so wundersame Wesen wie Zwerge, Hexen, Riesen und Drachen auf. In Märchen können Tiere sprechen und Dinge reden, oft gibt es was zu lachen - und manchmal ist die Geschichte auch so traurig, dass man weinen will. Märchen entsprechen nicht der Wahrheit - und das unterscheidet sie von Sagen. Sagen nämlich werden auf ein wahres Ereignis zurückgeführt. Die Geschichte drum herum war aber keineswegs immer so, wie man es sich erzählt.

Gibt es noch Märchenerzähler?

Nur wenige Menschen haben das Talent, Geschichten und Märchen so vorzutragen, dass sie für den Zuhörer spannend sind. Früher war das anders. Damals gab es kein Fernsehen und auch nur wenige Bücher, wenn man etwas Neues oder Unterhaltendes erfahren wollte, war man auf Geschichtenerzähler angewiesen. Diese zogen übers Land und erzählten ihre Märchen und Sagen allen Leuten, die sie hören wollten. War die Geschichte spannend oder lustig, wurde der Erzähler dafür bezahlt. Klar, dass unter diesen Bedingungen solche Märchenerzähler auch wahre Ereignisse etwas spannender machten, als sie eigentlich waren.
Schließlich ging es ums Geld. So wurden aus einfachen Nachrichten spannende Erzählungen. Und weil solche Geschichten von Mund zu Mund weitergegeben wurden, entstanden immer neue Varianten ein und derselben Story.

Wer schrieb die Märchen auf?

Wie schon gesagt, Märchen gibt es auf der ganzen Welt und bei allen Völkern werden sie erzählt. Die Gebrüder Grimm waren in Europa die Ersten, die solche Geschichten auch aufschrieben. Jacob und Wilhelm Grimm veröffentlichten im 19. Jahrhundert ihre Sammlungen von Märchen und Sagen. Die Geschichten aus ihren Büchern “Kinder- und Hausmärchen" und “Deutsche Sagen" kennt man in der ganzen Welt. Darunter waren bekannte Geschichten, wie die vom Froschkönig, von Hansel und Gretel oder dem Rotkäppchen.
Während die Gebrüder Grimm mehr Märchen-Sammler waren, so hat der dänische Dichter Hans Christian Andersen viele schöne Märchen selbst geschrieben. Zu seinen bekanntesten Werken gehört „Des Kaisers neue Kleider" und „Das hässliche Entlein".

Kann man von Märchen lernen?

Lange Zeit dachte man, Märchen seien schön, aber nutzlos. Doch im Laufe der Jahrhunderte erkannte man, dass in jedem Märchen ein versteckter Sinn enthalten ist - eine Botschaft, die weiterhilft. Das Wichtigste, was man aus Märchen und Sagen lernen kann, ist, dass es immer Gut und Böse zugleich gibt. Man kann daraus lernen, dass Menschen nicht immer gut sind, auch wenn sie sich so geben. Das Böse ist faszinierend und wird als Hexe, Drache oder Zauberer dargestellt; das Gute wird von Personen wie Feen, Prinzessinnen, Elfen und Prinzen verkörpert. Am Ende verliert immer das Böse, was bedeutet: Bosheit zahlt sich nicht aus. Das Gute siegt nach schweren Mühen.
Was man daraus lernt: Es lohnt sich, auch wenn es mühevoll ist, für das Gute einzutreten. Das Schönste an Märchen - und daran erkennt man sie auch eindeutig - sie enden immer mit einer schönen Aussicht in die Zukunft. Denn: Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute ...

Gibt es moderne Märchen?

In Zeiten von Fernsehen und Kino tun sich Märchen etwas schwer. Um Märchen zu begreifen, braucht man nämlich Fantasie - und davon gibt es immer weniger. Nur wenige Versuche, neue Märchen zu erzählen, wollen wirklich gelingen. Eine Ausnahme sind da sicher die Geschichten von Michael Ende, der unter anderem „Die unendliche Geschichte" und „Momo" schrieb.
Auch die Geschichten rund um „Harry Potter" sind ziemlich märchenhaft. Doch mit den bekannten Klassikern wie „Hansel und Gretel" oder „Schneewittchen" sind sie nicht zu vergleichen.

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Gertrud Teusen
Kinderwissen. Lernen, Staunen, Begreifen.
Bertelsmann Lexikon Verlag September 2003
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