21.05.2015
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Arbeitslosigkeit: Fakten & Zahlen

Definition: Arbeitslosigkeit

Unter Arbeitslosigkeit wird der Mangel an Erwerbsgelegenheit für arbeitswillige und arbeitsfähige Personen, insbesondere Arbeitnehmer verstanden. Gemessen wird das Ausmaß der Arbeitslosigkeit mit der Arbeitslosenquote.

Nach den Ursachen der Arbeitslosigkeit werden folgende Formen von Arbeitslosigkeit unterschieden:

  • konjunkturelle Arbeitslosigkeit, die bestimmt wird durch eine allgemeine Schwäche der wirtschaftlichen Entwicklung;
  • strukturelle Arbeitslosigkeit, die ihre Ursache in Veränderungen der Wirtschaftsstruktur hat, z.B. dem nachlassenden Arbeitskräftebedarf eines Wirtschaftszweiges (Bergbau in den 1950er und 1960er Jahren);
  • saisonale Arbeitslosigkeit, die auf dem regelmäßig wiederkehrenden Unterschied des Arbeitskräftebedarfs eines Wirtschaftszweiges beruht (z.B. Bau, Fremdenverkehr).

Als Ursachen für die recht hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland (Mai 2004: fast 4,3 Millionen Erwerbslose) nennen Fachleute u.a. zu hohe Steuern und Sozialabgaben sowie mangelnde Innovationsbereitschaft der Unternehmen.

Die aktuelle Lage

Im Mai 2004 sank die Zahl der Arbeitslosen von 4,443 Millionen (April 2004) auf 4,293 Millionen. Nach den Angaben der Bundesagentur für Arbeit (Nürnberg, BA) war das im Mai eine Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat um -50018 Erwerbslose. Die Arbeitslosenquote im Mai betrug 10,3 Prozent (April: 10,7 Prozent). Der Vorjahreswert (Mai 2003) betrug 10,4 Prozent. Der BA-Vorsitzende Weise führte den Rückgang der Arbeitslosen auf die saisonübliche Frühjahrsbelebung zurück. Dennoch sei die Konjunktur "noch zu schwach, um dem Arbeitsmarkt positive Impulse zu verleihen".

Weiterhin war die Lage im Osten schlechter als in Westdeutschland. Die Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern liegt mit 18,3 Prozent im Mai 2004 (Vorjahreswert: 18,6 Prozent) zwar etwas niedriger als im Vormonat, aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie in den alten Ländern mit 8,2 Prozent (Vorjahreswert: 8,2 Prozent). Dort registrierten die Arbeitsagenturen 2,709 Millionen Arbeitslose, während in den neuen Ländern 1,583 Millionen Menschen ohne Job waren.

Wer erhält Arbeitslosengeld?

Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer innerhalb der letzten drei Jahre vor Antragstellung mindestens 360 Tage in einem Versicherungsverhältnis gestanden hat. Erwerbslose mit Kind erhalten 67 % des während der letzten sechs Monate bezogenen Nettodurchschnittsentgelts, Arbeitslose ohne Kind 60 %.

Seit Mitte 2003 ist die frühzeitige Meldung bei der Arbeitsagentur verpflichtend. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer sich unverzüglich nach der Kündigung persönlich arbeitssuchend melden müssen, auch wenn das Arbeitsverhältnis auf Grund der Kündigungsfrist noch andauert.

Ab dem 1.2.2006 wird Arbeitslosengeld grundsätzlich nur noch für die Dauer von zwölf Monaten bezahlt. Für Arbeitnehmer, die das 55. Lebensjahr vollendet haben, gilt eine Bezugsdauer von bis zu 18 Monaten. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld hat dann nur noch, wer innerhalb der letzten zwei Jahre für mindestens 360 Tage eine versicherungspflichtige Beschäftigung nachweisen kann.

Ab 2005 wird das Arbeitslosengeld in zwei Stufen ausgezahlt: Das Arbeitslosengeld I bleibt eine über Beiträge finanzierte Versicherungsleistung, deren Höhe und Dauer den bisherigen Bestimmungen entsprechen. Das Arbeitslosengeld II wird zu einer Leistung für Langzeitarbeitslose und bisherige Sozialhilfeempfänger, die erwerbsfähig sind, und soll die Sicherung des Lebensunterhalts gewährleisten. Die Höhe entspricht in der Regel dem Niveau der Sozialhilfe. Für Arbeitslose, die vorher Arbeitslosengeld I bezogen haben, gibt es bis zu zwei Jahre einen Zuschlag zum Arbeitslosengeld II.

Arbeitsmarktpolitik

Die Arbeitsmarktpolitik bündelt alle Maßnahmen zur Beeinflussung des Arbeitsmarktes, vor allem zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. In Deutschland ist die Bundesagentur für Arbeit (Nürnberg) für die Arbeitsmarktpolitik zuständig.

Ihre wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Arbeitsvermittlung und -beratung
  • Förderung beruflicher Wiedereingliederung und der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit
  • Förderung der Berufsausbildung
  • Weiterbildung
  • berufliche Eingliederung Behinderter
  • Mobilitätshilfen
  • finanzielle Absicherung (Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Unterhalts- u. Übergangsgeld).

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote ist der Prozentanteil der Arbeitslosen an den abhängigen Erwerbspersonen. Sie ist die Maßzahl für die Höhe des Beschäftigungsstandes in einer Volkswirtschaft.

Die Arbeitslosenquote erreichte in der Bundesrepublik Deutschland mit 0,7 % im Jahr 1970 den Tiefststand der Nachkriegszeit. Seitdem stieg sie auf 4,8 % im Jahresdurchschnitt 1975 und auf den Rekordwert von 12,6 % (Anfang 1998) in Gesamtdeutschland an. Als arbeitslos im Sinne der amtlichen Statistik gelten dabei Arbeitsuchende zwischen 15 und 65 Jahren, die

  • vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder nur eine geringfügige Beschäftigung ausüben
  • sich persönlich beim Arbeitsamt als Arbeitsuchende gemeldet haben
  • sofort zur Verfügung stehen
  • eine ständige Tätigkeit von mindestens 16 Stunden in der Woche als Arbeitnehmer suchen.

Nicht mitgerechnet werden Erwerbslose, die in Berufsausbildung oder Umschulung stehen bzw. als Kurzarbeiter oder längerfristig Erkrankte geführt werden. Seit Anfang 2004 werden auch Teilnehmer von beruflichen Trainingsmaßnahmen nicht mehr als arbeitslos gezählt.

Chronik der Arbeitslosigkeit

Nach dem 1. Weltkrieg trat in vielen Ländern der Erde eine krisenhafte Arbeitslosigkeit ein. Sie war bedingt durch die Umstellung der Wirtschaft von Kriegs- auf Friedensproduktion, durch Umschichtung des internationalen Handels und der Kreditverhältnisse, z. T. auch durch die Inflation. Besonders in Deutschland führte die Arbeitslosigkeit zu einer schweren wirtschaftlichen Krise, die 1932 mit über 6 Millionen Arbeitslosen ihren Höchststand erreichte.

Nach vielen Jahren der Vollbeschäftigung stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik Deutschland 1975 auf über eine Million an (4,8 %) und erhöhte sich in den 1980er Jahren auf über zwei Millionen (rd. 10 %). In der ehemaligen DDR, wo früher keine Arbeitslosen registriert wurden, nahm die Zahl der Arbeitslosen seit der Einführung der Marktwirtschaft am 1.07.1990 im Verlauf der 1990er Jahre drastisch zu.