21.05.2015
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wissen.de Artikel

Artist/in oder Clown

Manege frei! Eintauchen in eine Welt ohne Schwerkraft, sich bezaubern lassen von waghalsiger Akrobatik, faszinierender Zauberei oder Jonglage, abenteuerlicher Fakir-Kunst und den Witzen der Clowns: Artisten nehmen ein Publikum mit in fantastische Welten, die auf harter Arbeit beruhen.

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Mythos Cirkus

“In seinen besten Leistungen stellt der Circus absolute Schönheit dar, Schönheit um ihrer selbst willen, ohne jede ästhetische oder ideelle Begründung. In der unablässigen Bewährung liegt das Ethos der Circusarbeit. In diesem hohen Grad von erreichter Leichtigkeit und Vollendung spürt man ihre Seele. So hat einst Carl Zuckmayer beschrieben, was ein Artisten-Dasein im Zirkus bedeuten kann. Die berufliche Realität, die der Zuschauer nicht während der Vorstellung genießen kann, fällt eher weniger poetisch aus: Die Arbeit der Artisten ist eine ernste und mit wirklich hartem Training verbunden, das meist schon in der Kindheit anfängt. Bei einigen Akrobaten steht nicht selten das Leben auf dem Spiel. Die perfekte Beherrschung einer Kunst hat deshalb oberste Priorität. Wegen dieser geradezu asketischen Lebensform ist es auch bei fahrenden Artisten grundfalsch, sie mit unsolidem, vagabundenhaftem Leben zu assoziieren, auch wenn sie die ganze Saison über unterwegs sind, in Wohnwagen leben, moderne Nomaden, ewig Reisende sind.

Die Bezeichnung “Artist ist der Oberbegriff für Vertreter einer Vielzahl artistischer Disziplinen: Es gibt verschiedenartige Clowns, Akrobaten (Trapez- und Seilkünstler), Dompteure oder Tierlehrer, Fakire, Jongleure und Zauberer, um nur die wichtigsten zu nennen. Klar unterschieden werden muss auch zwischen den Hobbykünstlern, die ihre Fähigkeiten auf Galas und Festen präsentieren, und den professionellen Artisten. Diese müssen ihre Kunst ernsthaft erlernen, was nicht möglich ist, ohne sich auf einem bestimmten Gebiet zu spezialisieren. Die Pressesprecherin des Circus Krone, Susanne Matzenau, vergleicht die Wege der Künstler, die bei Krone engagiert werden, mit den von professionellen Musikern oder Sportlern: “Viele beginnen mit zehn bis zwölf Jahren mit der Ausbildung, trainieren mit 14 zirka fünf bis sechs Stunden am Tag und haben mit 18 schließlich ihr Manegedebüt.

Kurz & bündig

Clowns, Akrobaten, Dompteure und Tierlehrer, Jongleure, Fakire oder Zauberer sind alle Artisten. Charakteristisch für sie ist, dass sie einem Publikum ihre Kunst in Form einer ausgearbeiteten Nummer vorführen. Neben den der Kunst eigenen speziellen Fähigkeiten ist dabei immenses Durchhaltevermögen, schauspielerisches Talent und hartes Training von Nöten.

Wo arbeiten Artisten?

Artisten arbeiten beim Zirkus, in Varietés, Freizeitparks oder in Nachtclubs. Wenn nicht als Reisende (meist in Wohnwagen) mit einem festen Zirkus unterwegs, sind sie oft bei Künstleragenturen angestellt oder selbständig. Nach deutschem Steuerrecht sind sie keine Freiberufler, sondern gewerbliche Unternehmer. Engagements und Auftritte haben sie unter anderem im Fernsehen, auf Galas, bei Geschäftseröffnungen, Geburtstagen, Jubiläen, Parties, Stadt- und Straßenfesten, Kinderfeiern, Volksfesten oder in Alten- und Behindertenheimen.

Die Chance, von einem renommierten Zirkus Gage zu erhalten, ist nur dann groß, wenn eine perfekte, einzigartige Nummer einstudiert wurde. “Wir bekommen 10 bis 20 Videokassetten täglich von Artisten, die sich mit einer bestimmten Nummer bewerben. Davon werden 40 im Jahr genommen, das ist nicht einmal ein Prozent, so Susanne Matzenau zur Beschäftigungslage.

Was genau machen Artisten?

“Circus ist der einzige Ort, wo man mit geöffneten Augen träumen kann, schreibt Ernest Hemingway. Wenn das wirklich der Fall sein soll, müssen die Artisten ihre Disziplin gut beherrschen. Das bedeutet: “Man muss sehr früh anfangen und sich durch jahrelanges Training Routine erarbeiten. Im Westen erfolgt das meist im Familienverband: Die jungen Künstler kommen aus einer Zirkusfamilie und werden von Vater, Mutter, Tanten oder Onkels geschult. Das ist das Traditionsunternehmen Zirkus im klassischen Sinn, denn dort wird die Familientradition der jeweiligen Disziplin weitergeführt. Im Osten die Hälfte unserer Artisten kommt von dort gibt es Schulen, an denen die Künstler von Kindheit an ausgebildet werden. In China kann das beispielsweise so laufen, dass das Maßband an den Hand- und Armgelenken der potentiellen jungen Künstler angelegt wird, um die Ausgangsbedingungen eines 'richtigen Artisten' zu prüfen, berichtet Pressesprecherin Susanne Matzenau vom Circus Krone.

Bei Krone bestimmen drei Säulen das Programm: Clowns, Tierlehre und Akrobatik. “Wichtig ist eine abwechslungsreiche, rasante, poetische Mischung der Nummern, führt sie weiter aus. Neben den klassischen Zirkusnummern, den Clowns, den Trapezkünstlern, den Dompteuren oder den Jongleuren und Fakiren, darf natürlich eine Kunst nicht vergessen werden: die Zauberkunst oder Magie. Die hat meist nichts mehr mit ihrem Ursprung zu tun. Einst, und auch heute noch in bestimmten Zirkeln, war sie die Lehre von den geheimen Kräften in der Natur, die der Wissende beherrschen und benützen kann. In der Show geht es jedoch eher um Tricks und Zauberkunststücke, die meist auf Sinnestäuschung und Fingerfertigkeit beruhen: Gegenstände verschwinden, werden verändert oder entstehen erst.

“Bei 90 Prozent Familienpublikum ist die Sehnsucht nach klassischen Clownnummern am größten. Deswegen brauchen wir klassische Clowns mit viel Persönlichkeit, beschreibt Susanne Matzenau den Bedarf bei Circus Krone. Clowns kann man also noch immer als die Seele des Zirkuslebens und -erlebens bezeichnen. Sie amüsieren durch vorgebliche Tollpatschigkeit und führen dem Publikum die Dummheiten und Lächerlichkeiten des Alltags vor. Was so ungeschickt aussieht, bedarf enormer Improvisationsfähigkeit, sehr guter Körperbeherrschung und ausgeprägter schauspielerischer Fähigkeiten. Oft treten Clowns gemeinsam auf, wobei häufig einer den Part des Überlegenen und Ernsteren übernimmt und versucht, den anderen dazu zu bringen, eine Handlung richtig auszuführen. Wenn nicht die Konfrontation mit dem Gegner Thema der Nummer ist, dann ist es oft der Kampf mit der Tücke des Objekts. Neben diesen klassischen Clownnummern gibt es zahlreiche Spielarten, wie zum Beispiel der Musikclown.

Um Erfolg zu haben, brauchen alle Arten von Artisten enormes Durchhaltevermögen, hartes Training, perfekte Beherrschung der speziellen Kunst, des eigenen Körpers, der Geräte und Gegenstände, die der jeweiligen Nummer zugrunde liegen. Das Ganze sollte zudem noch mit schauspielerischem Talent und Kreativität gepaart sein, ohne die keine Nummer perfekt herausgearbeitet werden kann.

Wer ist geeignet?

Die meisten Artisten stammen aus Zirkusfamilien und werden von Kindheit an in die jeweilige Kunst eingeführt. Es gibt jedoch auch andere Arten von Zirkus oder gar andere Institutionen (Künstleragenturen beispielsweise), bei denen Artisten tätig sind. Nicht alle Artisten werden quasi in ihren Beruf “hineingeboren. “Es gibt Leute aus dem Sportbereich, Turner zum Beispiel. Die haben ursprünglich mit Zirkus überhaupt nichts zu tun gehabt. Ihre Fähigkeiten werden im Zirkus zu einer Shownummer umgearbeitet, berichtet Kim Dillon, ehemalige Pressesprecherin bei Circus FlicFlac.

Zum Artisten eignen sich ausgebildete ...

  • Diplom-Artisten/-Artistinnen
  • Geprüfte Artisten/-Artistinnen und Bühnenakrobaten/-akrobatinnen
  • Seiltänzer/innen
  • Trapezkünstler/innen
  • Tierlehrer/innen
  • Jongleure/Jongleurinnen
  • Motorrad-Artisten/-Artistinnen
  • Bauchredner/innen
  • Instrumentalkomiker/innen
  • Circusreiter/innen
  • Pantomimen/Pantomiminnen
  • Stimmenimitatoren/-imitatorinnen
  • Zauberer/Zauberinnen

Mit entsprechender Umorientierung gibt es Chancen für folgende Quereinsteiger:

  • Sportler/innen (z.B. Turner/innen)
  • Tänzer/innen
  • Reiter/innen
  • Musiker/innen
  • Comedy-Darsteller/innen
  • Entertainer/innen
  • Stuntmen/-women
  • Alleinunterhalter/innen
  • Animateure/Animateurinnen
  • Kabarettisten/Kabarettistinnen
  • Schauspieler/innen
  • Musicaldarsteller/innen
  • Tänzer/innen

Ausbildung – wo und wie?

Nicht jeder ist Spross einer Zirkusfamilie und bekommt auf diese Weise die Ausbildung direkt in die Wiege gelegt. Wer trotzdem Artist werden will, hat einen dornigen Weg zu beschreiten: “Von staatlichen und privaten Schulen aus dem Westen haben wir bisher nur einen Absolventen engagiert, verrät Susanne Matzenau von Circus Krone. “Bei den Clowns besteht jedoch noch am ehesten die Möglichkeit, sich an einer Schule ausbilden zu lassen. Eine davon ist die von Clown Dimitri aus Ascona, berichtet sie weiter.

Seine Schule Scuola Teatro Dimitri in Verscio wurde 1975 gegründet und versteht sich als Fachschule für Bewegung und Körperausdruck. Dieser Zielsetzung entspricht das Fächerangebot: Pantomime, Jonglage, Akrobatik, Tanz, Tanzimprovisation, Schminken, Stimmbildung und Rhythmus. Zur dreitägigen Aufnahmeprüfung, die jedes Jahr im Mai stattfindet, können sich Interessierte zwischen 17 und 26 Jahren bewerben. Bei Bestehen werden die jungen Künstler für eine dreimonatige Probezeit zugelassen. Danach wird am Ende jeden Schuljahres über eine Fortsetzung der Ausbildung entschieden, die nach drei Jahren mit einem Diplom abgeschlossen werden kann. Kenntnisse in italienischer Sprache sind unerlässlich.

Nichtsdestotrotz sei hierbei noch eine Schule genannt, die Artisten und geprüfte Bühnenakrobaten ausbildet: Die Etage Schule für Darstellende Künste e.V. in Berlin hat dreijährige Ausbildungslehrgänge für die Bereiche Bühnenakrobatik, Bühnentanz, Pantomime, Schauspiel oder Malen/Zeichnen/Bühnenbild im Programm. Eine andere zweijährige Clownsausbildung bietet auch die Schule für Clowns in Mainz, eine staatliche anerkannte Berufsfachschule, die sich auch mit der kulturhistorischen Erforschung des Clowns beschäftigt. Hier werden Grundtechniken aus den Bereichen Clownerie, Schauspiel, Mime, Musik, Stimmarbeit, Körpertheater und Artistik vermittelt. Zur Vertiefung wählt jeder Schüler eine Wahltechnik: Akrobatik, Einradfahren, Jonglage, Instrument oder Gesang. Im vierten Semester endet die Ausbildung dann mit der Erarbeitung einer oder mehrere Szenen und Nummern und einer gemeinsamen Abschlusstournee.

Kontakt

Magische Zirkel von Deutschland e.V. (MZvD)

Grazer Weg 40
D-60599 Frankfurt
Tel.: 069/652070
Fax: 069/651958
E-Mail: geiss@mzvd.de
http://www.mzvd.de

Gesellschaft der Circusfreunde e.V.
c/o Dr. Hans-Hermann Lüttich (Präsident)


Am Rennplatz 18
D-49661 Cloppenburg
Tel.: 04471/5940
Fax: 04471/957231
E-Mail: kontakt@circusfreunde-gcd.de
http://www.circusfreunde-gcd.de

Club der Circus- Variété- und Artistenfreunde der Schweiz (CVA)
c/o Alfred Reichle (Clubleitung)


Tulpenweg 12
CH-4528 Zuchwil
E-Mail: a.reichle@freemail.ch
http://www.circusfreunde.ch

Circus Verlag online

Am Matourshof 6
D-41542 Dormagen
Tel.: 02133/91555
Fax: 02133/91553
E-Mail: circus.verlag@t-online.de
http://www.circus-verlag.de

BW Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg 2002