21.05.2015
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wissen.de Artikel

Literaturagent/in

Wer eine literarische Begabung in sich fühlt und vielleicht schon den ersten Roman, die erste Erzählung zu Papier gebracht hat, steht trotzdem vor einem enormen Problem: Wer druckt mein Werk? Mehrere tausend Verlage gibt es in Deutschland, von denen nicht einmal der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in jedem Fall genau weiß, welches Programm sie verfolgen. Einen Ausweg bietet eine Berufssparte, die sich in Deutschland erst entwickelt und sich genau in der Verlagswelt auskennt: Die Literaturagenten.

Literaturagent - Mittler zwischen Autor und Verlag

Wer ein Buch geschrieben hat und damit nun in die Öffentlichkeit will, kann mehrere Wege gehen: Kennt man einen Verlag oder hat sogar gute Kontakte zu einem Lektor, klappt vielleicht auf diese Weise der Einstieg. Wenn nicht, kann ein Gespräch mit einem Buchhändler helfen, der sich im Buchmarkt auskennt, die Chancen abschätzen kann und Informationsmaterial über die Programme in Frage kommender Verlage besitzt. Der dritte und professionellste Weg ist der über einen Literaturagenten. Was in Amerika schon gang und gäbe ist, entwickelt sich jetzt auch bei uns: Fachleute aus dem Verlagswesen nehmen eine Vermittlerrolle zwischen potentiellen Autoren und Verlagen ein. Sie nehmen Manuskripte von Autoren entgegen, lesen und beurteilen sie und suchen - wenn sie von der Qualität des Werkes und seiner Vermarktungschance überzeugt sind - einen geeigneten Verlag für die Veröffentlichung.

Diese Variante hat für Verlag und Schriftsteller viele Vorteile. Die Verlage bekommen bereits von Fachleuten „vorsortierte“ Manuskripte präsentiert, müssen sich also nicht selbst durch einen Wust von oftmals unbrauchbaren Manuskripten hindurch lesen. Autoren profitieren natürlich vor allem dadurch, dass ihnen die gesamte Kontaktaufnahme zu Verlagen, die Vertragsverhandlungen und das Marketing abgenommen werden. Unbekannten Autoren fehlt meist das „Vitamin B“, um mit ihren Werken überhaupt von Verantwortlichen in den Verlagen wahrgenommen zu werden. Anders die Situation, wenn ein bekannter Literaturagent einen Autor empfiehlt. In diesem Fall können die Verlage relativ sicher sein, dass das Manuskript zum einen in die Verlagslandschaft passt und zum anderen Qualität besitzt. Literaturagenten machen ihre Autoren zudem auf mögliche Verbesserungen an ihren Manuskripten aufmerksam, mit denen sie ihre Erfolgschancen erhöhen können. „Wenn uns ein Manuskript gefällt bzw. wenn die Chemie zwischen Autor und Agentur stimmt“, erklärt Gudrun Hebel, Inhaberin der Berliner „Agentur Literatur“ , „dann entwickelt sich unter Umständen eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit. Allerdings erfüllen von den 20 bis 30 Manuskripten, die uns pro Woche angeboten werden, nur etwa vier pro Jahr wirklich die Kriterien für eine Veröffentlichung. Haben wir Autor und Werk erst einmal auf dem Markt platziert und Erfolg damit gehabt, dann haben das folgende und alle weiteren Manuskripte natürlich viel bessere Ausgangschancen.“

Kurz & bündig

Literaturagenten vermitteln literarische Werke an interessierte Verlage mit dem Ziel, diese zu drucken und auf den Markt zu bringen. Sie beraten und betreuen die Autoren, schließen in ihrem Auftrag Verträge mit den Verlagen ab, handeln Honorare und Rechte aus und kümmern sich gemeinsam mit Verlagen und Autoren um die Vermarktung von Büchern. Dafür kassieren sie vom Autor einen Teil der Honorare als Provision.

Wo arbeiten Literaturagenten?

Literaturagenten arbeiten freiberuflich entweder als Einzelkämpfer oder mit meist einem oder einigen wenigen Angestellten. Um mit einer eigenen Agentur starten zu können, braucht man neben sehr guten Beziehungen zum Verlagswesen eigentlich nur einen Schreibtisch und einen Computer. Beim Finanzamt muss eine Steuernummer angefordert werden. „Ich habe vor fünf Jahren allein angefangen. Erst als sich mein Name in der Branche herum gesprochen hatte und die Beziehungen zu Verlagen und Autoren enger wurden, konnte und musste ich mich nach Verstärkung umsehen. Jetzt arbeite ich mit zwei Frauen zusammen, die sich vor allem um Lesen, Einschätzung und Auswahl von Manuskripten sowie um die Betreuung deutschsprachiger Autoren kümmern“, erklärt Gudrun Hebel die Entwicklung ihrer Agentur.

Was genau machen Literaturagenten?

Die Vermittlungstätigkeit von Literaturagenten ist von Agentur zu Agentur ganz unterschiedlich. Ein Großteil der Firmen befasst sich mit dem Import von ausländischer Literatur. Die Aufgabe besteht in diesem Fall darin, für Autoren oder Verlage etwa aus den USA einen deutschen Verlag zu finden, der ein bestimmtes Werk übersetzen und drucken lassen will. Der Literaturagent versucht in diesem Fall, die Interessen beider Seiten unter einen Hut zu bekommen und die Vielzahl rechtlicher Fragen, die es insbesondere bei grenzüberschreitenden Geschäften zu beachten gibt, zu klären. Dafür sind sehr gute Sprachkenntnisse in der betreffenden Landessprache unerlässlich. Daneben kümmern sich Agenturen auch darum, für deutsche Autoren ausländische Verlage zu finden und entsprechende Lizenzen für Übersetzung und Druck ins Ausland zu verkaufen. Als drittes Standbein schließlich gewinnt die Betreuung deutscher bzw. in Deutschland lebender Autoren und die Vermittlung ihrer Werke an deutsche Verlage an Bedeutung.

„Ich habe als studierte Skandinavistin mit der Vermittlung schwedischer, dänischer und norwegischer Autoren an deutsche Verlage begonnen“, erinnert sich Gudrun Hebel an ihren Start in die Vermittlungsbranche. „Bereits während des Studiums habe ich Bücher ins Deutsche übersetzt. Mir war klar, dass ich beruflich mit Büchern zu tun haben will und war deshalb sehr froh, nach dem Studium eine Stelle in einem Fachbuchverlag zu bekommen.“ Intensive Kenntnis von Verlagen, wie sie sie in den folgenden Jahren erlangte, ist eine wichtige Voraussetzung für die Tätigkeit als Literaturagent. „Wer nicht aus eigenem Erleben weiß, wie ein Buch entsteht und wie Verlage funktionieren, hat es ganz schwer in unserer Branche“, weiß sie. Zudem knüpfte sie in dieser Zeit wichtige Kontakte zu anderen Verlagen und Lektoren, heute ihr wichtigstes Kapital, dass gehegt und gepflegt werden muss. Neben ihrer Arbeit in dem Verlag arbeitete sie als Gutachter für skandinavische Literatur, d.h. sie las im Auftrag deutscher Verlage Werke im Original und schätzte sie ein.

Diese guten Kontakte ins In- und Ausland waren der Grundstein für ihre Existenzgründung 1997. So vertritt und verkauft sie sämtliche Bücher einer schwedischen Agentur in Deutschland, weitere skandinavische Verlage und Autoren kamen und kommen hinzu. Zu ihrer Klientel gehören z.B. die schwedischen Autorinnen Liza Marklund und Karin Alvtegen und die Däninnen Gretelise Holm und Maria Helleberg. Inzwischen verkauft sie auch die Rechte deutscher Autoren nach Skandinavien bzw. vertritt deutsche Verlage dort. Allein für den Verlag Random House prüft sie rund 100 Bücher pro Halbjahr dahingehend, ob sie für den skandinavischen Markt geeignet sind. Zunehmend vermittelt ihre Agentur auch deutsche Autorinnen und Autoren an inländische Verlage, wie Jacqueline Rieger und Gesine Schulz. Zehn Schriftsteller gehören inzwischen fest zu ihrem Portfolio.

Als Chefin einer kleinen Agentur ist sie für die meisten Arbeiten selbst verantwortlich. Zum Lesen kommt sie dabei nur noch selten. Verwaltung, Finanzamt, Lektorat, Verhandlungen und vor allem Telefonate und E-Mails gehören zu den aufwändigsten Aufgaben. Im Zentrum steht die Betreuung der Autoren. Kommt es zur Zusammenarbeit, wird ein Autorenvertrag geschlossen, der die Rechte und Pflichten von Autor und Agentur genau festlegt. „Das ist wichtig, wenn man wie wir langfristig mit Autoren zusammen arbeiten und auch zukünftige Werke betreuen will“, meint sie. Sie betreut Autoren beim Schreiben bzw. Fertigstellen des Manuskriptes, berät bei nachfolgenden Projekten, stellt Kontakte zur Presse her, macht sie bei allen Gelegenheiten in der Buchbranche bekannt, vermittelt sie zu Lesungen und ähnlichen Veranstaltungen. „Drei Viertel meiner Arbeitszeit verbringe ich am Computer, schreibe Verträge und vor allem E-Mails - zur Kontaktpflege, aber auch um Wünsche von Verlagen und Autoren zu erfüllen“, erklärt Gudrun Hebel: „Da will ein Verlag das Foto einer Autorin, ein anderer fragt nach, ob der Vorabdruck eines Romans in einer Zeitschrift möglich ist.“ Außerdem versendet sie unzählige Bücher, meist als Lese- und Belegexemplare: Etwa 3.000 Euro Porto pro Jahr sind dafür nötig. Eine der wichtigsten Aufgaben ist unbestritten der Besuch von Buchmessen, auf denen Literaturagenten vertreten sein müssen. Hier werden Kontakte geknüpft, vertieft und neue Projekte besprochen.

Wer ist geeignet?

Literaturagenten sollten ein starkes Faible für Bücher und Literatur aller Art haben. Sprachkenntnisse sind von großem Vorteil, vor allem für den, der ins internationale Geschäft einsteigen will. Umfangreiche berufliche Erfahrungen im Verlagswesen und Buchhandel - Berufsausbildung, Berufstätigkeit oder mindestens Praktikum, sinnvollerweise in einer Literaturagentur - erleichtern den Start mit einer eigenen Firma. Zudem muss man sehr kommunikationsfreudig sein, denn Kontakte und Gespräche sind in diesem Beruf fast alles.

Für diesen Beruf eignen sich vor allem:

  • Lektoren, Lektorinnen,
  • Literaturwissenschaftler/innen,
  • Diplom-Buchhändler/innen bzw. -Buchhandelswirte/wirtinnen,
  • Verlagskaufleute,
  • Buchhändler/innen,
  • Kommunikationswissenschaftler/innen,
  • Publizisten/ Publizistinnen,
  • Medienwissenschaftler/innen,
  • Absolventen weiterer sprach- oder geisteswissenschaftlicher Studiengänge.

Ausbildung wo und wie ?

Es gibt keine ultimative Einstiegsmöglichkeit in diesen Beruf. Eine Berufsausbildung ist sicher hilfreich, um einen genauen Einblick in die Branche zu bekommen und erste Kontakte zu knüpfen. Drei Jahre dauert die duale Ausbildung zum Verlagskaufmann bzw. zur Verlagskauffrau, die in einem Buch-, Zeitschriften- oder Zeitungsverlag absolviert werden kann. Ebenfalls in drei Jahren kann man sich zum Buchhändler/ zur Buchhändlerin ausbilden lassen. In Frage kommen Groß- und Einzelhandel, Buchverlage und Antiquariate. An der Deutschen Buchhändlerschule in Frankfurt/Main ist eine rein schulische Ausbildung möglich. Hier kann zudem die Weiterbildung zum Buchhandelsfachwirt absolviert werden.

Wo und wie studieren?

Mit einem sprach-, geistes- oder kommunikationswissenschaftlichen Studium hat man sicher gute Voraussetzungen, um die Anforderungen des Berufes zu erfüllen. Empfehlenswert sind in jedem Fall Praktika, um die Materie praktisch kennen zu lernen und heraus zu finden, ob sie wirklich die richtige ist. Auf einige spezielle Studiengänge sei an dieser Stelle hingewiesen: So bildet die Ludwig-Maximilian-Uni München (www.uni-muenchen.de) in acht Semestern zum Diplom-Buchhändler für Verlagswesen und Buchhandel aus. Buchwissenschaften kann man an der Friedrich-Alexander-Uni Erlangen (www.uni-erlangen.de) sowie an der Johannes-Gutenberg-Uni Mainz (www.uni-mainz.de) studieren. Etwas praxisorientierter sind die FH - Studiengänge der HTWK Leipzig (www.htwk-leipzig.de) zum Diplom-Buchhandelswirt und zum Diplom-Ingenieur für Verlagsherstellung.

Wo und wie weiterbilden?

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, sich als Literaturagent fachlich fit zu halten. Sie reichen von Lehrgängen für Urheber- und Verlagsrecht und Lizenzen im Verlagswesen über betriebswirtschaftliches Wissen im Verlag, Gesprächsführung und Projektmanagement bis hin zu Kalkulation, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Programmpolitik im Verlag. Mehr dazu in der Datenbank „Kurs“ des Arbeitsamtes (www.arbeitsamt.de/cgi-bin/aoWebCGI?kurs) z.B. unter dem Stichwort „Verlag“. Hingewiesen werden soll abschließend auf den Weiterbildungsstudiengang „Literatur und Medien“ der Uni Bayreuth (www.uni-bayreuth.de). Er dauert vier Semester und schließt mit dem Master ab. Einen Überblick über Weiterbildungslehrgänge gibt auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels (www.boersenverein.de).

Kontakt

Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

Postfach 100442
60004 Franfurt/Main
Tel.: 069/ 13 06-0
Fax: 069/ 13 06-2 01
E-Mail: info@boev.de

Deutsche Buchhändlerschule

Wilhelmshöher Str. 283
60389 Frankfurt am Main
Tel.: 069/ 94 74 00-0
Fax: 069/94 74 00-50
E-Mail: info@buchhaendlerschule.de

Ausstellungs- und Messe GmbH
Buchmesse Frankfurt


Reineckstr. 3
60313 Frankfurt am Main
Tel.: 069/ 21 02-0
Fax: 069/ 21 02-2 27/ -2 77
E-Mail: info@book-fair.com

BW Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg 2002