01.06.2015
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Wie komme ich am Türsteher vorbei?

Die magische Tür und ihre Wächter

Da hat man sich erwartungsvoll am Samstagabend das beste Hemd aus dem Kleiderschrank geholt, die schwarzen Schuhe auf Hochglanz poliert und stundenlang vor dem Spiegel an Frisur und Gesicht modelliert und los gehts in die bunte Disko-Nacht. An Wartezeiten vor der Disko hat sich der Vergnügungssüchtige gewöhnt. “Hauptsache, ich kann gleich mal so richtig abtanzen und ein paar Mädels kennen lernen, freut sich Mirko, 28, der an einem Samstagabend vor einer Essener Diskothek auf Einlass hofft. Aber zu früh gefreut, denn da gibt es ja noch den Türsteher. “Es ist voll hier und ohne Einladung kommst Du eh' nicht rein, urteilt der Türsteher mit knappem Blick. Kurz und knallhart abserviert bleibt Mirko nur der Rückzug in ein weitaus weniger begehrtes Lokal, wo er sich erstens über den Türsteher ärgert und zweitens wegen seines Erscheinungsbildes in Selbstzweifel verfällt.

Ein Schicksal wie Mirko teilen jedes Wochenende in Deutschland Tausende von Partygängern. Nicht schick genug, zu schick, zu hässlich, zu aufgesetzt, keine weißen Socken, keine Lederschuhe: Respekt einflößende Türwächter begründen nach ganz eigenen Kriterien, wen sie zur Tanz- und Feierelite durchwinken der Diskobesucher-Darwinismus lebt. Nur der Gast mit passendem Outfit übersteht die Gesichts- und Kleiderkontrolle. Pure Schikane oder sorgfältige Kundenauswahl vor der Tür? Wir geben Tipps, um die “Türsteher-Prüfung zu bestehen.

Daheim festlegen, wann und wo gefeiert wird

Regel 1: Wer schon daheim entschieden hat, wann (am Wochenende oder werktags?) und in welchem Lokal gefeiert werden soll, erspart sich eine Menge Probleme vor der Lokaltür. Soll in mehreren Bars bis in die Morgenstunden getanzt werden oder steigt die Sause an nur einer Location? Im ersten Fall sollte die Kleidung mit allen Kneipen-Etappen kompatibel sein. Mit Turnschuhen und Levis-T-Shirt, egal wie sehr sie an der Carnaby Street London angesagt sind, meistert man zwar die Türschwelle lockerer Bars, vor einem eleganten Lokal findet diese Kneipenreise aber ein schnelles Ende.

Regel 2: Wer Clubs und Diskos, die in Stadtmagazinen empfohlen werden, aufsuchen will, muss mit einem gewaltigen Andrang rechnen. Wer hingegen kleinere Tanzschuppen auswählt, die nicht im aktuellen Ranking des örtlichen Feten-Führers enthalten sind, erhöht seine Chance, es bis auf die Tanzfläche zu schaffen.

Regel 3: Besonders reizvoll sind die so genannten Mundpropaganda-Clubs. Sie sind in keinen Magazinen verzeichnet, besitzen aber einen hohen Kult-Faktor. Wer zum Kreis der Besucher gehören will, sollte im Freundeskreis immer wieder die neuesten Tipps austauschen inklusive aller Informationen über die wichtigsten “Einlassbedingungen.

Regel 4: Die höchsten Hürden haben bundesweit bekannte Promi-Schuppen in den Metropolen, z.B. das “P 1 in München, errichtet. Wer es dort bis an die Bar schaffen will, muss entweder zu den “schönsten Frauen des Universums gehören, reich und prominent oder ein “Geschöpf männlicher Natur sein fertig ist das Potpourri nächtlichen Glücks, wirbt die berühmte Diskothek. In Anbetracht dieser Tatsachen ist es für Otto Normalausgeher beinahe unmöglich, vor den Türstehern des “P 1 zu bestehen. Doch vielleicht schaffen Sie es ja, wenn Sie auch die folgenden Zeilen beachten.

Nicht zu auffällig kleiden und selbstsicher sein

Zahlreiche Türsteher reagieren bei der Auswahl der Besucher weniger auf Sympathie, sondern halten sich professionell an das Prinzip der “Outfit-Homogenität und achten natürlich darauf, dass der Laden nicht aus allen Nähten platzt. Darauf weist auch Kai, 32, hin. Der Türsteher arbeitet seit drei Jahren in einem Münsteraner Club einer der schickeren Sorte, die vorwiegend von BWL-Studenten und Juristen besucht wird. Zu seinen Hauptaufgaben gehört nicht nur die “Gesichtskontrolle“, sondern auch die allgemeine Sicherheit.

Kai: “Immer wieder kommt es vor, dass Gäste meinen, wir wollen sie schikanieren. Dabei vergessen sie, dass wir Sicherheitsvorkehrungen strikt befolgen müssen. Ob mir da irgendeine Nase in der Warteschlage mehr oder weniger gefällt, spielt keine Rolle. Das verkennen manchmal die Wartenden, die meistens auf die Abweisung am Eingang sehr ärgerlich reagieren. “Natürlich sinkt dann die Chance, dass diese Leute überhaupt irgendwann mal reinkommen auf Null, gibt Kai zu.

Auch die Psychologie spielt eine wichtige Rolle. Ein selbstbewusstes, ruhiges und vor allem nüchternes Auftreten sowie ein mutiger Blick in die Augen des Wachpersonals helfen sicherlich natürlich nur, wenn das Outfit stimmt. Denn selbstverständlich sortieren die meisten Diskowächter das Publikum nach der vorgegebenen Kleiderordnung.

Ein Beispiel: Zehn von zwölf Türstehern im etwas braven Münster sind sich einig: Die Kombination von unpassenden Kleidungsstücken erzeugt bei den Kontrolleuren ein Kopfschütteln. Helle Socken, sogar Tennissocken, werden noch geduldet. Doch in der Mischung mit einer zu kurzen Hose sinken die Chance rapide. Auch bei einer ordentlichen, dunklen Jeans-Hose mit einem Sakko lassen die Türsteher noch einmal mit sich reden. Keine Chance haben aber z.B. ausgewaschene Jeans egal, ob ein hipper Designer daran mitwirkte, oder die eigene Waschmaschine daran schuld ist.

Ein verhängnisvoller Fehler ist außerdem das Tragen von Lederkleidung. Die ist vielleicht in Bikerlokalen angesagt, in vielen anderen Diskos mit Outfit-Kontrolle kommt der Lederschlips oder sogar eine Wildleder-Weste einer Aufforderung zum Rausschmiss gleich.

Werktags sind jedoch in vielen Lounges, Clubs und auch in Diskotheken Jeanshosen erlaubt, um Gäste ins Lokal zu locken. Oft kommen auch viele Besucher für zwei oder drei Stunden direkt von der Arbeit in ihrer Bürokluft zum “Chill Out vorbei, um einen Drink zu genießen und vielleicht beim Lieblingssong aufs Tanzparkett zu steigen. Bei diesen Parties ist aber meistens schon um 0 oder 1 Uhr Zapfenstreich.

Studio 54 Nirwana aller Diskos

Egal, wie begehrt der Eintritt ins “P 1, ins “Big Eden oder in den “Tresor in Berlin ist, kein Club reicht an den vermutlich berühmtesten Tanztempel der modernen Partygeschichte heran: das “Studio 54. In den späten Siebzigern war der New Yorker Club für 33 wilde Monate so etwas wie der Mittelpunkt des Party-Universums, bis die New Yorker Polizei den Laden wegen Drogenhandels und Steuerhinterziehung hochgehen ließ. Hollywood-Schauspieler, Popstars und “einfache Gäste, die es über die Türschwelle geschafft hatten, die angeblich besser bewacht war als die Berliner Mauer, genossen die wilden Nächte. Auch der US-Schriftsteller Truman Capote und Popart-Künstler Andy Warhol gehörten zu den Stammgästen. Einmal im Monat flog sogar der Sohn eines arabischen Scheichs im Privatjet um die halbe Welt, um im New Yorker Club durchzutanzen und im Morgengrauen den Rückflug anzutreten.

Das Türsteher-Klischee stimmt nicht immer

Sie sind groß, breitschultig und blicken grimmig in die Nacht: Türsteher haben nicht immer das beste Image. Der Gerechtigkeit halber muss aber erwähnt werden: Für eine große Zahl von Türstehern gehört es gar nicht zur ihren Aufgaben, am Eingang “auszusortieren und missmutig dreinzublicken. Da wird eher höflich den Gästen die Tür aufgehalten und zugenickt, zur Sperrstunde werden die letzten Gäste zum Ausgang begleitet. Na dann: Let's go party.