21.05.2015
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wissen.de Artikel

Strahlend sauber

Pasta, Fluor und Seide

Ein strahlendes Lächeln ein Leben lang, wer wünscht sich das nicht. Leider sind die Menschen keine Nagetiere, deren Zähne permanent nachwachsen. Deshalb bleibt die Vorbeugung vor Zahnschäden das ganze Leben lang wichtig. Denn einmal zerstörte Zähne lassen sich nicht wieder heilen und künstliche sind nie so gut wie das Original. Und eigentlich ist die richtige Pflege auch gar nicht so schwer, wenn man ein paar Tipps beherzigt.

Aus das Werkzeug komme es an: Die richtige Zahnbürste

Zahnpflege, Lachendes Paar bei Zahnpflege

Die Zahnbürste ist selbstverständlich das wichtigste Werkzeug bei der Mundhygiene. Die meisten der im Handel erhältlichen Bürsten erfüllen die von Zahnärzten empfohlenen Kriterien. Der Kopf der Bürste sollte nicht zu groß sein, damit alle Zahnflächen problemlos erreicht werden können. Ein rutschfester Griff verhindert, dass die Bürste beim intensiven Schrubben aus der Hand rutscht. Naturborsten sind nicht empfehlenswert, da sich in ihrem Hohlkanal schädliche Bakterien ansammeln können. Lieber auf mittelharte bis weiche Kunststoffborsten setzen. Diese sind in der Regel an der Spitze abgerundet und poliert, um Verletzungen der Mundschleimhaut zu verhindern. Nach dem Gebrauch die Zahnbürste immer so lagern, dass der Kopf offen trocknen kann. Aber auch die beste Zahnbürste nützt nichts, wenn sie nicht regelmäßig ausgetauscht wird. Alle zwei Monate sollte die alte Bürste durch eine neue ersetzt werden. Denn schon nach drei Monaten entfernt eine gebrauchte Zahnbürste 30 Prozent weniger Plaque als eine Neue.

In der Regel lässt sich mit Handzahnbürsten eine ausreichende Zahnpflege sicher stellen. Elektrische Zahnbürsten sind also aus medizinischer Sicht nicht notwendig. Allerdings bieten sie einen gewissen Komfort, der vor allem älteren, behinderten und pflegebedürftigen Menschen zu Gute kommt. Vor allem bei nicht so zielgerichteten Zahnputzbewegungen sind sie auf Grund ihrer Eigenbewegung teils effektiver als die mechanischen Kollegen.

Effektives Putzen: Mehr als hin und her

 

Das horizontale Schrubben ist zwar die gängigste Technik, aber leider auch die Schlechteste. Denn wenn die Zahnbürste einfach waagerecht über die Zähne geführt wird, werden die Zähne erstens nur schlecht gereinigt und zweitens entstehen dabei im Lauf der Jahre regelrechte Rillen in den Zahnhälsen. Außerdem ist die Verletzungsgefahr für das Zahnfleisch recht groß. Das kann sogar dazu führen, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht und die Zahnhälse frei gelegt werden.

Ansonsten gibt es viele Techniken, die Zähne zu putzen. Eine korrekte Putztechnik lernt man jedoch nicht von selbst, sie muss vielmehr systematisch eingeübt werden. Mit der Faustregel von rot (Zahnfleisch) nach weiß (Zahn) hat man die richtige Bewegung im Griff. Zahnärzte empfehlen oft die Bass- oder Vibrations-Technik: Dabei wird die Bürste in einem 45-Grad-Winkel an den Zahnfleischrand gesetzt. Mit kurzen Bewegungen werden die Borsten leicht eingerüttelt, dabei bewegen sie sich nicht von der Stelle. Durch dieses Rütteln löst sich der Zahnbelag und nur so gelangen die Borstenenden auch wirklich in die Zahnzwischenräume. Anschließend eine wischende Bewegung vom Zahnfleisch weg in Richtung Zahnkrone ausführen. Auf diese Weise werden die Außen- und Innenseiten der Zähne geputzt. Anschließend die Kauflächen der Backenzähne mit kurzen Vor- und Rückwärtsbewegungen besonders gründlich säubern. Denn dort entsteht der meiste Karies, weil man mit der Zahnbürste über die engen Furchen der Zähne drüberschludert. Dort bleibt häufig Zahnbelag übrig, der den Zahnschmelz angreift. Ganz wichtig ist auch die Reinigung der Zunge. Denn auch hier können sich schädliche Bakterien ablagern, die die Zähne angreifen.

Ratsam ist ein systematisches Vorgehen, damit keine Stelle vergessen wird: Nacheinander die Außenflächen der oberen und unteren Zähne putzen, danach die Innenflächen der oberen und unteren Zähne. Zum Schluss die Kauflächen. Kritisch sind vor allem die Stellen, an denen man die Zahnbürste umsetzt, dort schludert man am Schnellsten. Richtiges Zähneputzen dauert mindestens zwei Minuten, also 120 Sekunden. Allerdings nehmen sich die wenigsten Menschen tatsächlich diese Zeit. Noch immer gilt: Nach jeder Mahlzeit die Zähne am Besten sofort putzen. Und vor allem vor dem Schlafengehen, denn dann haben die Fluoride der Zahncreme genug Zeit, ihre Wirkung zu entfalten. Daher den Schaum auch nicht zu gründlich ausspülen, es ist günstig, wenn etwas Zahncreme lange in der Mündhöhle verbleibt.

Unterstützung aus der Tube: Die geeignete Zahncreme

Zahnpasta unterstützt den Reinigungseffekt der Zahnbürste, hilft bei der Entfernung von Plaque und versorgt die Zähne mit Fluorid. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es die Paste in der Tube. Davor benutzte man teils recht abenteuerliche Erfindungen, um seinen Mundraum sauber zu halten. Babylonischen Tontafeln berichten bereits von diversen Pulvern und Pasten, die Ägypter schworen auf eine Mixtur aus Ochsenhuf-Asche, Myrrhe und verbrannten Eierschalen. In Indien benutzte man Pasten aus Ingwer, Muskatnuss, Honig, Öl und Salz. Heute schmecken die meisten Zahncremes nach Minze und Kräutern, das ist jedoch reine Geschmackssache.

Wichtig ist der Fluoridgehalt einer Zahnpasta. Durchschnittlich sind 0,15% enthalten und dieser Wert sollte nicht unterschritten werden. Besonders entscheidend ist die Abrasivität, also die Schmirgelwirkung einer Zahnpasta. Sie darf nicht zu groß sein, denn sonst wird gesunde Zahnsubstanz abgerieben. Lediglich bei stärkeren Zahnbelägen kann eine Creme mit höherer Abrasivität empfehlenswert sein, ansonsten ist ein mittlerer Gehalt angeraten. Besonders vorsichtig sollte man bei freiliegenden Zahnhälsen sein. Dann sollte man lieber zu einem Produkt mit geringer Schmirgelwirkung greifen. Solche Zahncremes tragen oft den Zusatz "Sensitiv". Genaue Auskunft kann dazu in jedem Fall der Zahnarzt geben. So genannte Raucherzahncremes haben einen sehr hohen Anteil an Schmirgelstoffen und sollten daher nicht regelmäßig benutzt werden.

Das Plus an Pflege: Zahnseide, Mundspüllösungen und Co

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Karies entsteht bei Erwachsenen vor allem in den Zahnzwischenräumen. Das sind die 40 Prozent der Zahnflächen, die nicht mit der Zahnbürste erreicht werden können. Dort hilft nur der seidene Faden. Eine regelmäßige Anwendung ist unerlässlich und mit ein bisschen Training nimmt sie auch gar nicht so viel Zeit in Anspruch. Dazu ca. 50 cm Zahnseide aus dem Spender nehmen, um beide Mittelfinger wickeln und mit dem Daumen oder Zeigefinger führen. Den gespannten Faden im Oberkiefer vorsichtig in die Zahnzwischenräume einführen und an beiden Zahnflächen etwa 6 mal auf- und abbewegen. Für den Unterkiefer die Zahnseide über die beiden Zeigefinger spannen. Nach jedem Zwischenraum den Faden ein Stück weiterwickeln, so dass stets ein frisches Stück Zahnseide zum Einsatz kommt. Am Schluss den Mund gründlich mit Wasser ausspülen. Mit aminfluoridhaltiger Zahnseide werden die Zahnzwischenräume nicht nur gereinigt, sondern auch vorbeugend vor Karies geschützt. Auf gewachste Zahnseide sollte jedoch verzichtet werden. Bei weiteren, schon geöffneten Zahnzwischenräumen sind so genannte Zahnzwischenraumbürstchen zu bevorzugen. Der Zahnarzt kann genaue Empfehlungen zu Form und Größe geben.

Zu unterscheiden ist zwischen Mundwasser und Mundspüllösungen. Das reine Mundwasser hat keinen therapeutischen Nutzen, sondern dient lediglich dem frischen Atem. Anders die Mundspüllösungen mit Fluorid: Sie dienen der Kariesprophylaxe, wenn sie einen Gehalt von mindestens 0,05 Prozent aufweisen. Dann wirken sie sich günstig auf die Zahnhartsubstanz auf. Den gleichen Effekt erreicht man allerdings, wenn man nach dem Zähneputzen den Pastaschaum noch ein wenig im Mund behält und nur grob ausspült.

Jegliches Kauen ist gut für die Zähne und regt den Speichelfluss an. Speichel ist nicht nur zum Schlucken wichtig, sondern leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die Zähne. Er entfaltet eine Spülwirkung und er enthält Mineralien wie Phosphat und Kalzium. Diese Mineralien kommen einerseits der Zahnhartsubstanz zu Gute, andererseits tragen sie zur Neutralisierung von gefährlichen Säuren bei. So wird das Kariesrisiko gemindert, vorausgesetzt der Kaugummi ist zuckerfrei.

Melanie Ulrich