21.05.2015
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wissen.de Artikel

Die größten Sex-Irrtümer

Geschichten von Lust und Liebe

Oswald Kolle sei Dank: In Sachen Aufklärung hat sich viel getan in deutschen Schlafzimmern. Spätestens im Sexualkundeunterricht wird vermittelt, dass man vom Onanieren weder blind wird noch krumme Finger bekommt. Trotzdem kommen noch immer die eigenartigsten Mutmaßungen zur Sprache, wenn vom Thema Nummer Eins die Rede ist. Was ist dran an den Geschichten um Koitus und Co.?

Die Nase des Mannes

Wie die Nase des Mannes, so sein Johannes: Völliger Blödsinn. Die Nase ist kein guter Indikator für sein Gemächt. Wissenschaftler auf der ganzen Welt haben sich schon dieser Frage angenommen. Mit negativem Ergebnis: Weder die Länge der Nase, noch die Größe von Händen und Füßen stehen in irgendeinem Zusammenhang mit der Penisbeschaffenheit. Wahrscheinlicher also, dass Cyrano de Bergeracs Leidensgenossen dieses Gerücht in die Welt gesetzt haben, um sich interessant zu machen.

Die Spanische Fliege macht aus lustlosen Frauen enthemmte Sexmonster. Klar, und Fischstäbchen helfen gegen Haarausfall. Schön wär's, aber die Präparate, die heutzutage im Handel sind, machen lediglich die Hersteller glücklich. Denn die Verwendung des echten Käfers wurde längst verboten - das enthaltene Nervengift wirkt in zu hoher Dosis tödlich. Die teuren Mittelchen aus dem Sex-Shop sind also weder potenz- noch luststeigernd, aber ein Placebo-Effekt kann ja auch wahre Wunder wirken.

Beschnittene Männer können länger: Schön wär's. Im Durchschnitt können die meisten Männer ohne Vorhaut genau so kurz oder lange wie andere auch. Es stimmt, dass der empfindlichste Teil des Penis ohne die schützende Vorhaut im Lauf der Zeit abstumpft. Anders könnte er die permanente Reizung durch die Unterwäsche nicht überleben. Aber dass sich dadurch die Ausdauer beim Sex steigert, konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen bisher nicht belegt werden. Die Tests zeigten keinen Unterschied zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern.

Die Mär vom Latinlover

Während der Regel ist eine Schwangerschaft ausgeschlossen: Auch das ist nicht richtig. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit nicht gerade groß, aber die Möglichkeit besteht durchaus. Denn Spermien sind unglaublich zäh und ausdauernd, im Körper der Frau überleben sie bis zu zehn Tage. Frauen mit einem kurzen Zyklus können dann durchaus während ihrer Periode schwanger werden.

Südländer sind die besseren Liebhaber: Schwer zu sagen, aber sie machen auf jeden Fall die bessere Show. Die Statistik gibt diesem Mythos jedenfalls nur teilweise Recht. Nach dem aktuellen Durex Global Sex Survey 2002 führen die Franzosen die Hitliste an - mit 167 Schäferstündchen im Jahr. Die Italiener liegen nach eigenen Angaben nur im Mittelfeld und die Spanier landen weit abgeschlagen auf Platz 18.

Zu viel Sex leiert die Muskulatur der Frau aus. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr Frau trainiert, desto kräftiger werden die Muskeln. Funktioniert wie das Aufbautraining im Fitness-Studio: Ohne regelmäßigen Ansporn verkümmern die Muskeln und müssen erst wieder lernen, richtig zu funktionieren. Das gilt auch für den Einsatz des Beckenbodens. Die Dicke des Penis spielt beim Training übrigens keine wesentliche Rolle.

Auch Männer haben Migräne

Männer mit Glatze können immer: Stimmt nicht. Der Zustand der Haarwurzeln sagt in Sachen Sex rein gar nichts aus. Zwar haben Männer mit Glatze mehr Testosteron im Blut als ihre behaarten Kollegen. Aber auf die Standfestigkeit seines besten Stücks wirkt sich das nicht positiv aus. Die gute Nachricht: Das Gegenteil ist auch nicht der Fall.

Der vaginale Orgasmus ist intensiver als der klitorale: Das hängt wohl vom persönlichen Empfinden ab. Bisher ist nicht mal erwiesen, ob es ihn tatsächlich gibt, wissenschaftlich erwiesen ist er jedenfalls nicht. Letztendlich ist es aber auch egal, solange es zu einem der beiden Höhepunkte kommt. Denn die Nebenwirkungen sind stets gleich: Erhöhter Blutdruck, starkes Herzklopfen und dann ein unendlich gutes Gefühl.

Männer gehen häufiger fremd als Frauen: Das mag früher mal so gewesen sein, hat sich aber längst geändert. In Zeiten der allgemeinen Individualisierung kommt der Seitensprung bei Männern wie Frauen gleichermaßen oft vor. Etwa jeder vierte Mann und jede vierte Frau haben ihren Partner bereits einmal betrogen, die meisten davon sogar schon öfter. Den gleichen Umfragen zufolge denken Frauen sogar öfter an Sex als Männer. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass auch Männer immer häufiger unter Migräne leiden.

Wann Sex schlank macht

Nur Frauen können einen Orgasmus vortäuschen: Weit gefehlt. Auch Männer tun es manchmal, jeder Dritte hat nach eigenen Angaben seine Partnerin diesbezüglich schon mal getäuscht. Allerdings geht das nur mit Hilfe von Kondomen oder Gleitcreme, so dass Frau die fehlenden Spuren nicht bemerkt. Genau wie Frauen spielen Männer das falsche Spiel, um Diskussionen zu entgehen und Schuldgefühle zu vermeiden.

Sex macht schlank: Theoretisch ja, denn wie bei allen sportlichen Tätigkeiten werden auch dabei Kalorien verbrannt. Aber dass ein Orgasmus pauschal 150 Kalorien kostet, ist schlichtweg Humbug. Der Verbrauch errechnet sich aus den Komponenten Zeit, Bewegung und Körpergewicht. So werden beim Rad fahren in einer halben Stunde etwa 8 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht verbraucht. Damit beim Sex wirklich Kilos schmelzen, müsste er stundenlang und im Stehen vollzogen werden.

Männer kriegen einen Samenstau, wenn sie nicht oft genug ejakulieren: Ein billiger und meist wirkungsloser Versuch, die unwillige Partnerin rumzukriegen. Selbstverständlich ist nichts Wahres dran, sonst hätten Männer, die sterilisiert wurden, ein echtes Problem. Nicht verwendete Überschüsse werden ganz einfach vom Körper wieder abgebaut. Das ist ganz ungefährlich und tut auch überhaupt nicht weh.

Je länger je lieber

Der Durchschnittsmann hat ein Stehvermögen von 45 Minuten: Leider nicht. Gewöhnlich hält eine Erektion etwa fünf bis zehn Minuten, nur in ganz besonderen Situationen auch mal länger. Ab einer Dauer von über zwei Stunden, spricht man übrigens von einer Dauererektion. Die ist allerdings äußerst schmerzhaft und muss unbedingt behandelt werden. Denn wenn sie länger als 24 Stunden dauert, führt sie fast immer zu lebenslanger Impotenz.

Frauen brauchen ein langes Vorspiel: Stimmt pauschal so nicht. Sicherlich haben Frauen nichts gegen ausgedehnte Streicheleinheiten, so lange sie wirkungsvoll sind. Aber wenn Mann eine Frau anzutörnen weiß, darf er auch gerne mal schnell zur Sache kommen. Denn zu lange schlecht gefummelt, lässt jede Leidenschaft irgendwann erlöschen.

Dummheit ist gut im Bett: Einer der schlimmsten, da gravierendsten Sex-Irrtümer. Das können nur diejenigen behaupten, denen es an Erfahrung mangelt. Gewisse anatomische Kenntnisse müssen einfach sein, schließlich besteht guter Sex aus mehr als Akkord-Gestöhne und Preis-Rammeln. Außerdem wär's einfach zu tragisch für alle hoch Begabten.

Melanie Ulrich