21.05.2015
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wissen.de Artikel

Geschenke zum Start

Auf der Höhe der Internet-Hausse schien an jeder Straßenecke ein Start-up aus dem Boden zu sprießen. Der Mythos vom schnellen Geld wurde zum Treibstoff der Neuen Wirtschaft. Doch genauso schnell wie die so genannten Venture Capital-Gesellschaften Risikokapital zur Existenzförderung bereitstellten, verschwand der VC-Boom auch wieder. Heute ist dieser Weg der Kapitalbeschaffung ungangbarer denn je. Für alle Jungunternehmer, die weniger auf das rasante Wachstum als viel mehr auf einen soliden Start schauen, gibt es jedoch zahlreiche Fördermöglichkeiten – vom Überbrückungsgeld für Selbstständige bis zur Finanzierung durch die Hausbank.

Öffentliche Hilfen bei der Existenzgründung mit einplanen?

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Grundsätzlich sollte jedes auf Dauer angelegte Gründungsvorhaben auch ohne finanzielle Hilfen funktionieren. Dennoch sollten Gründer, die im größeren Stil durchstarten wollen und eine Unternehmensgründung mit erheblichen Anlaufkosten planen, vor allem die Förderangebote des Staates nutzen, um die Erfolgschancen des Vorhabens zu verbessern und an zinsgünstige Kredite zu kommen.

Die erste Anlaufstelle für Existenzgründer ist die eigene Hausbank: Hier werden für öffentliche Finanzierungshilfen traditionell zunächst die Anträge eingereicht. Die öffentliche Förderung von Existenzgründern unterliegt dabei dem so genannten “Windhund-Verfahren. Wer zuerst kommt, kassiert zuerst bis der Topf leer ist. Entscheidend für den Nutzen einer öffentlichen Finanzierungshilfe ist die schnelle Bereitstellung der benötigten Gelder. Deshalb sollten Anträge entsprechend früh gestellt werden.

Neben staatlichen Förderprogrammen kommen spezielle, regionale Förderprogramme bei den Banken und Sparkassen in Betracht. Besonders Freiberufler haben häufig das Problem, dass der notwendige Kapitalbedarf zu niedrig ist, um eines der aufgelegten Förderprogramme zu nutzen.

Was ist Überbrückungsgeld?

Eine andere Möglichkeit zur Existenzförderung läuft direkt über den Staat. Immer noch zu wenige Unternehmer in spe wissen: Über die Agentur für Arbeit können arbeitslose Existenzgründer für ein halbes Jahr das so genannte Überbrückungsgeld beziehen. Dieses Überbrückungsgeld dient der finanziellen Unterstützung bei der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit. Für die Zeit der Gründung entfällt die Sozialversicherungspflicht. Der Arbeitslose erhält die Förderung ausgezahlt und besitzt so eine zunächst verlässliche Basis für seinen Start.

Um in den Genuss dieser Starthilfe zu kommen, muss der zukünftige Freiberufler mehrere Voraussetzungen erfüllen. Entscheidend ist etwa der Status des Ausscheidens aus einem vorigen Arbeitsverhältnis: Wurde eine Kündigung ausgesprochen, kann sofort der Antrag auf das Überbrückungsgeld gestellt werden, wurde dagegen eine Eigenkündigung veranlasst, muss genau wie beim Bezug des Arbeitslosengelds eine Sperrfrist von drei Monaten berücksichtigt werden.

Damit Übergangsgeld ausgezahlt werden kann, muss der Existenzgründer in spe zudem den Antrag auf Überbrückungsgeld stellen, der bei der Arbeitsagentur erhältlich ist. Beigefügt werden müssen in Kurzform eine Beschreibung des Geschäftsvorhabens sowie eine Ertragsvorschau. Zudem muss von einer fachkundigen Stelle etwa einem Steuer- oder Unternehmensberater eine Tragfähigkeitsbescheinigung des Gründungsvorhabens eingeholt werden, in der die Gründung beurteilt wird. Interessierte können nähere Informationen bei der zuständigen Agentur für Arbeit erhalten.

Nils Jacobsen