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Warum der Freitag Freitag heißt ... (Podcast 66)

Wie die Wochentage zu ihren Namen kamen

... und zwar nicht nur im Deutschen. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag – die Wochennamen kennen wir, noch bevor wir in die Schule gehen. Sie sind selbstverständlicher Bestandteil unserer Alltagswelt, und doch wissen wir wenig über sie. Hat der Dienstag etwas mit "Dienst“ zu tun, und kündigt der vermeintlich "freie“ Freitag das Wochenende an? Um dies ein für allemal zu klären, nehmen wir Sie heute mit auf eine kleine Reise in die Zeit – und in den Raum. In unserem Beitrag "Warum der Freitag Freitag heißt“.

 

Am Anfang war der Nachthimmel

Eine der ursprünglichsten Beschäftigungen der Menschheit bestand darin, den Himmel zu beobachten. Aus der Anordnung und Bewegung der Himmelskörper zog man Rückschlüsse auf die Weltordnung. Schon in der Antike – und wahrscheinlich lange davor – wurden die Erscheinungen der Nacht katalogisiert und nutzbar gemacht. So fügte man etwa ferne Sonnen zu Sternbildern zusammen, die bei der Schiffsnavigation wertvolle Dienste leisteten. Doch neben der rein astronomischen Beobachtung gab es auch immer das Bestreben, die Ereignisse des Himmels mit dem eigenen Weltbild in Einklang zu bringen. Die Folge war eine mythologische Aufladung der Planeten und Gestirne. Man vermutete göttliches Handeln hinter den Naturphänomenen, die sich entsprechend ausdeuten ließen; als "Astrologie“ hat sich dieses Phänomen bis in die Gegenwart erhalten.

Um 1800 vor Christus in babylonischer Zeit stand die Erde im Mittelpunkt des Universums, und alle Himmelserscheinungen bewegten sich um sie. Neben Sonne und Mond waren Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn bekannt, da man sie bereits mit bloßem Auge  erkennen konnte. Sie galten damals aber nicht als feste Körper, sondern als die Götter selbst.

Entsprechend war es nur angemessen, ihnen auch kalendarisch den gebührenden Raum zu verschaffen, und so wurde jeder Gottheit ein Tag zugeordnet: sieben Götter, sieben Tage. Das System leuchtete auch nachfolgenden Generationen ein, und so übernahmen nach den Griechen auch die Römer nicht nur das babylonische Weltbild, sondern auch den dazugehörigen Kalender. Als die Germanen im 4. Jhd. n.Chr. mit den Römern in Kontakt kamen, glichen sie ihren Kalender entsprechend an, in dem sie die römischen mit ihren eigenen Gottheiten in Übereinstimmung brachten. Sprachlich ist dies noch heute nachzuvollziehen. Vorhang auf für das sprachgewandte Wochentagskabinett 

 

Sonntag – der "Tag der Sonne“

Der erste Tag der Woche war – nein, nicht der Montag, sondern der Sonntag. Dies beruht auf alter jüdisch-christlicher Tradition, die für die USA noch heute als verbindlich gilt. In den meisten europäischen Ländern hingegen schließt der Sonntag die Woche ab; in Deutschland tut er dies laut gesetzlicher Festlegung seit 1976.

Der Sonntag ist der lateinisch der dies solis, also der "Tag der Sonne“. Die Germanen übernahmen diese Bezeichnung beinahe wortwörtlich, und sie findet sich bis heute im englischen Sunday oder dem niederländischen zondag wieder. Der französische Begriff dimanche hingegen zeigt den Einfluss der Christianisierung, die später versuchte, die heidnischen Wurzeln zurückzudrängen. Für die Christen war und ist der Sonntag ein besonderer Tag – es ist der Tag des Herrn. Aus dem lateinischen dies dominica wurde daher nicht nur dimanche, sondern auch der entsprechende spanische Begriff domingo und der italienische Begriff domenica abgeleitet.

 

Montag – der "Tag des Mondes“

Für die Römer war der Montag der Tag der Mondgöttin Luna. Im französischen lundi und im spanischen lunes findet sich dies noch heute wieder ebenso wieder wie im italienischen lunedi, während die Germanen den Mond-Tag daraus machten – Monday auf englisch, maandag auf Niederländisch.

 

Dienstag – der "Tag des Mars“

Der Dienstag ist dem Kriegsgott Mars gewidmet, was sich im frz. mardi im span. martes und im ital. martedi noch heute deutlich ablesen lässt. Im Deutschen ist die Lage etwas komplizierter. Die Germanen ersetzten Mars durch ihren Gott Tyr, der im althochdeutschen "Ziu“ genannt wurde. Hieraus hat sich dann nach und nach der "Dienstag“ und im niederländischen der dinsdag entwickelt. Das englische Tuesday geht übrigens ebenfalls auf "Ziu“ zurück.

 

Mittwoch – der "Tag des Merkur“

Der Mittwoch ist nach jüdisch-christlicher Zählung der vierte Tag der Woche und markiert damit ihre Mitte. Der Name ist seit dem 10. Jahrhundert in Gebrauch; auch im Isländischen und in den meisten slawischen Sprachen wird der Mittwoch von der jeweiligen Bezeichnung für "Mitte“ abgeleitet. Hier erfolgte also eine Abkehr von dem vorchristlichen System, in dem der Mittwoch der Tag des Merkur war – der dies mercurii. Im frz. Mercredi, im span. miércoles und im ital. mercoledi lässt sich dies noch heute ablesen. Der engl. Wednesday geht indirekt ebenfalls darauf zurück, da der alte Gott Merkur mit dem germanischen Hauptgott Wodan in Verbindung gebracht werden konnte. Auch das Niederländische kennt den Woensdag.

 

Donnerstag – der "Tag des Jupiter“

Der Donnerstag ist nach dem germanischen Gewitter- und Wettergott Thor benannt, der auch Donar genannt wurde. Er findet seine antike Entsprechung im römischen Jupiter. Während sich der dies iovis im Frz. als jeudi und im Span. als Jueves deutlich erhalten hat, haben das Deutsche, das Englische und das Niederlänidsche Thor bzw. Donar zum Vorbild: Donnerstag, Thursday und donderdag.

 

Freitag – der "Tag der Venus“

Dies veneris, als Tag der Venus galt den Römern der Freitag. Der französische vendredi der spanische viernes und der italienische venerdi erinnern noch heute daran. Die Germanen aber ersetzten Venus durch ihre Liebesgöttin Freya, so dass aus dem "Tag der Venus“ ein "Tag der Freya“ wurde: der Freitag, im niederländischen der vrijdag. Das englische Wort Friday geht ebenfalls darauf zurück.

 

Samstag – der "Tag des Saturn“

Dass der Samstag der Tag des Saturn ist, zeigt sich am deutlichsten im Englischen und im Niederländischen: im Saturday und im zaterdag. Generell geht der Samstag aber auf eine altgriechische Form für Sabbat zurück. Der Sabbat wiederum ist im Judentum – das die Woche mit dem Sonntag beginnt – der arbeitsfreie siebte Wochentag. In den romanischen Sprachen – wie dem frz. samedi und dem spanischen sábado – hat sich dieser Bezug ebenso erhalten wie im Deutschen.

Anders verhält es sich mit dem Sonnabend, der als Bezeichnung speziell im Norddeutschen verbreitet ist. Hier wirkt die germanische Tageseinteilung weiter, für die der Abend der Beginn des Tages war. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich der Begriff "Sonnabend“, der auf den Sonntag verweist, dann auf den gesamten Tag ausgedehnt.

 

Tag für Tag oder: Ordnung muss sein

Es fällt nicht schwer, die Wochentage von ihren antiken Bedeutung her zu erschließen. Schwieriger ist allerdings die Reihenfolge der Tage, die keineswegs willkürlich gewählt wurde. Ihr liegt ein kompliziertes System zugrunde, das der griechische Astronom Vettius Valens im 2 Jhd. n.Chr. zwar nicht erfunden, wohl aber aufgeschrieben hat. Demnach wurde jeder Stunde des Tages ein Gott zugeordnet, und der Gott der ersten Tagesstunde gab dem Tag selbst seinen Namen.

Dies klärt allerdings noch nicht, wann die Siebentagewoche genau begann – und wer bestimmt hat, auf welchen Tag der ersten Montag fiel. Hierfür gibt es bislang keine Hinweise. Eins allerdings ist gewiss: Die Abfolge der sieben Wochentage wurde bislang nicht unterbrochen. Es gab zwar die Gregorianische Kalenderreform, die einen Zeitsprung nötig machte, aber auch hier folgte auf den Donnerstag noch immer der Freitag. Und das ist eine erfreuliche Gewissheit, auf die man sich auch in Zukunft verlassen kann.

 

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