wissen.de
Total votes: 567
AUDIO

"Mein Internet ist kaputt" - aus dem Leben eines Systemadministrators (Podcast 144)

Er "repariert" das Internet und beseitigt Systemfehler: der Systemadministrator.
1509397_podcast_144.jpg
Ein verrückter Typ am PC

Sieht so ein Systemadministrator aus?

Er erledigt seine Arbeit oft im Hintergrund und  “unter“ dem Schreibtisch – und wird meist dann gerufen, wenn etwas nicht stimmt. Dann hört er Sätze wie “Das Internet ist kaputt“ oder “Mein Passwort funktioniert nicht mehr“. Die Rede ist vom Systemadministrator oder kurz: Admin. Jeden letzten Freitag im Juli aber ist sein großer Tag: der "Tag des Systemadministrators", der “System Administrator Appreciation Day“. In der englischen Originalversion weist das Wort Appreciation darauf hin, um was es an diesem Tag denn für ihn geht: um Anerkennung! Auch wissen.de dankt seinen Systemadministratoren und lässt heute jemanden zu Wort kommen, der genau weiß, warum dieser Tag sein Tag ist und im Kalender – natürlich dem Digitalen – rot markiert werden muss: der Systemadministrator Thomas Ott von SystemServiceOtt aus Kiel.

 

Der Tag des Systemadministrators

Ins Leben gerufen wurde der “System Administrator Appreciation Day“ – zu Deutsch “Tag des Systemadministrators“ - von dem amerikanischen Systemadministrator Ted Kekatos. Seit dem Jahr 2000 findet er nun regelmäßig statt. Einer, der an diesem Tag seine Anerkennung erhalten sollte, ist Thomas Ott. Denn Ott ist seit Ende der 1990er Jahre Systemadministrator. Er leitet die Firma SystemServiceOtt und hat viel zu erzählen – aus dem Leben eines Admins.

 

“Das Internet hab ich durch“

Eine der schönsten Geschichten ist die von Helga P. Helga P. ist weit über 60 und nicht auf den Mund gefallen. Systemadministrator Ott hatte vor Jahren mit ihr zu tun, als er noch im Callcenter eines großen IT-Konzerns saß. Wie alle anderen hatte auch Helga P. ein ganz individuelles Problem, als sie sich an Thomas Ott wandte. Sie sagte: “Ich hab das Internet durch und möchte es jetzt bitte abbestellen!“ Was war passiert? Nach einigem Nachfragen wusste Thomas Ott Bescheid und konnte die Dame beruhigen. Ein Kollege hatte bei Helga P. als Startseite des Browers die Website des Internet-Dienstleisters eingerichtet. Und diese Website hatte die Dame nun komplett – einschließlich Impressum und der Allgemeinen Geschäftsbedingungen – durchgelesen. Da sie mit der Adresszeile des Browers nichts anzufangen wusste, glaubte sie tatsächlich “mit dem Internet durch zu sein“ – schließlich hatte sie ja alles gelesen... Wie schön, wenn man einen Experten kennt, der bei Problemen dieser Art kompetent weiterhelfen kann!

 

“Mein Brenner brennt nicht mehr!“

Auch Thomas Ott hat nicht immer sofort die passende Lösung für ein Problem parat. “In nahezu der Hälfte der Fälle hilft ein Reboot“, sagt er. Ein “Reboot“ ist ein Neustart des Computers. Was dagegen immer hilft, ist erst einmal Zuhören: “Kotzende soll man nicht füttern“, sagt er. “Und wenn die Arbeit durch ein technisches Problem unterbrochen wird, fühlen sich die meisten Menschen damit halt nicht wohl, ...vorsichtig ausgedrückt. “Ich hatte mal einen“, so Ott, “der hat mich mit hochrotem Gesicht angebrüllt, dass der Brenner des PCs, den ich ihm tags zuvor installiert hatte, überhaupt nicht laufen würde. Ich solle das Problem beheben – und zwar umgehend!“ Doch das Problem war eigentlich gar keines: “Ich hab einfach auf Eject gedrückt. Dann kam die CD raus – mit der beschreibbaren Seite nach oben. Umdrehen – wieder reinschieben – bitte sehr: repariert!“ Häufig sind es tatsächlich solche einfachsten Fehler, mit denen der Systemadministrator konfrontiert wird.

 

Die Aufgaben des Systemadministrators

Und wie begegnen die Menschen dem Systemadministrator? “Viele sind nett und wissen meine Arbeit zu schätzen“, erzählt Thomas Ott. Manchmal muss er regelrecht als Seelsorger agieren und seine Kunden zunächst mit Worten beruhigen. Danach geht es ins Eingemachte. Nach seinen regelmäßigen Aufgaben gefragt, antwortet Ott:

“Die Beseitigung aller Arten von Systemfehlern – meist unter extremem Zeitdruck und Wehklagen eines hysterischen Users, Server konfigurieren, Client Software wie zum Beispiel E-Mail an Arbeitsplätzen einrichten, virtuelle Schutzmaßnahmen unter anderem zur Virenabwehr treffen und auf dem neuesten Stand halten, Hard- und Software-Konzepte für neue und bestehende Netzwerke entwickeln, überdenken bzw. für hochgradig “performant“, zeitgemäß und absolut sicher befinden, einen fünfstelligen Betrag kalkulieren und vom gänzlich ahnungslosen, aber leider entscheidungsbefugten Abteilungsleiter ablehnen lassen – um dann für läppische 50 Euro eine Speichererweiterung in den Server zu bauen."

 

Das Bild des Systemadministrators

Natürlich werde er auch oft mit Klischees konfrontiert: Systemadministratoren seien klein, dick, blass und haben mindestens eine Epoche in der Entwicklung der Frisurenmode verpasst. Außerdem stünden Pizza, Chips und Cola ganz oben auf dem Ernährungsplan. Und angeblich leiden sie unter mangelndem Selbstwertgefühl und tun sich schwer mit sozialen Kontakten. Thomas Ott jedenfalls entspricht nicht diesem Klischee. Er räumt dennoch vorsichtig ein, dass in jedem Klischee auch ein Fünkchen Wahrheit steckt.

Und wenn er sich zum Tag des Systemadministrators etwas wünschen dürfte? “Dass alle Mitarbeiter – und vor allem die Frauen – einen Tag lang Computer sexy fänden. Das wär’s doch!“ Denn dann bekäme auch Thomas Ott einmal die Anerkennung, die er – wie viele andere Systemadministratoren – ganz  sicher verdient hat! Und sei es für den vielleicht simplen, zu gegebenem Anlass aber “lebenswichtigen“ Hinweis, wie rum die verflixte CD ins Laufwerk zu stecken ist! 

Michael Fischer, wissen.de-Redaktion

Total votes: 567