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Marilyn Monroe - Blondine bevorzugt! (Podcast 201)

Die vielen Gesichter der Marilyn Monroe
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Marilyn Monroe war das erste Covergirl des Playboys

27-jährig posiert Marilyn Monroe auf der ersten Ausgabe des Männermagazins Playboy. Ihre Karriere begann Marilyn Monroe mit Pin-Up-Fotos und als Model.

Marilyn Monroe – es gibt wohl kaum jemanden, dem bei diesem Namen nicht sofort ein bestimmtes Bild einfällt, sei es die berühmte Szene über dem U-Bahn-Schacht oder der legendäre Akt auf rotem Samt. Fotomodell, Sängerin, Schauspielerin – die als Norma Jeane Mortenson geborene Monroe war sehr viel mehr als das Sexsymbol, zu dem sie bis heute stilisiert wird. Dass sie im Alter von nur sechsunddreißig Jahren und unter mysteriösen Umständen starb, hat viel dazu beigetragen, aus ihr eine Ikone des 20. Jahrhunderts zu machen.

 

Ein uneheliches Mädchen

Norma Jeane Mortenson – „Jeane“ übrigens hinten mit „e“, was gern vergessen wird – wurde am 1. Juni 1926 in Los Angeles geboren. Ihre Mutter war die Filmcutterin Gladys Pearl Mortenson, eine geborene Monroe, ihr Vater deren Vorgesetzter Charles Stanley Gifford. Als der Mann von der Schwangerschaft erfuhr, soll er die  Liebschaft umgehend abgebrochen haben. Um den unehelichen Status ihres Kindes zu vertuschen, wurde es auf den Namen „Norma Jeane Baker“ und damit auf den Nachnamen jenes Mannes getauft, mit dem die Mutter in erster Ehe verheiratet gewesen war. Die kleine Norma wuchs unter schwierigen Umständen auf. Nachbarn erzogen das Kind, die Mutter bekam psychische Probleme. Pflegefamilien und ein Heimaufenthalt schlossen sich an; schließlich erhielt Norma sogar einen Vormund. Mit sechzehn Jahren heiratete sie 1942 einen gewissen James Edward Dougherty; wobei die frühe Eheschließung aufgrund einer heute wenig nachvollziehbaren Gesetzeslage ihren Schulabschluss verhinderte. Die Ehe mit Dogherty hielt bis 1946. Da war aus Norma Jeane Mortenson bereits Marilyn Monroe geworden.

 

Von Norma zu Marilyn

Norma arbeitete zunächst in der Montageabteilung einer Rüstungsfabrik, wo sie ein Armeefotograf entdeckte und Bilder von ihr in der Truppenzeitschrift Yank lancierte. Die Aufnahmen zeigen eine liebenswerte Brünette mit lachenden Augen und einer natürlichen Ausstrahlung – der Mund allerdings ist schon der von Marilyn, jener Kunstfigur, zu der sie sich ab nun zügig wandeln sollte. Sie bewarb sich erfolgreich bei einer Fotomodellagentur, nahm Schauspielunterricht und begann sich die Haare zu bleichen – als würde sie ahnen, dass sie in wenigen Jahren an der Seite von Jane Russell die Hauptrolle in der Filmkomödie Blondinen bevorzugt spielen wird. Sie nannte sich fortan Marilyn Monroe, eine Referenz an den Mädchennamen ihrer Mutter und die Tänzerin Marilyn Miller. Es folgten erste Filmrollen, mehr ein Fuß in der Tür als ein wirklicher Durchbruch. 1949 ließ sie sich nackt auf rotem Samt für einen Kalender fotografieren. Eines der Bilder erschien erst Jahre später, wurde dann aber weltberühmt, als Hugh Hefner den Grundstein für sein Playboy-Imperium damit legte. Er kaufte die Rechte und druckte das Foto im Innenteil des ersten Hefts ab, das im Dezember 1953 erschien. Noch heute nennt Hefner die 500 Dollar, die er dafür bezahlte, „die beste Investition in der Verlagsgeschichte“. Auch auf dem Umschlag des Hefts war Marilyn zu sehen, allerdings freundlich winkend in einem schwarzen Kleid. Hefner würdigte die Monroe später mit den Worten: „Niemand hat zu unseren Lebzeiten mehr dazu beigetragen, Nacktheit gesellschaftsfähig zu machen, als Marilyn Monroe.“

 

Vom Foto zum Film

1953 erzielte Marilyn mit dem Film Niagara ihren endgültigen Durchbruch. Der melodramatische Thriller im Stile des Film noir ist aber nicht typisch für ihr Schaffen – ganz im Gegenteil sogar. Allerdings konnte sie hier als Femme fatale überzeugen und brauchte nicht – wie sonst meist – das naive Blondchen zu spielen. Marilyns eigentliche Spezialität waren ironische Komödien wie "Blondinen bevorzugt", "Wie angelt man sich einen Millionär?" oder "Das verflixte 7. Jahr"; übrigens jener Film, in dem ihr Kleid über einem New Yorker U-Bahn-Schacht hochgeweht wird. Regie führte Billy Wilder, mit dem sie 1959 ihren vermutlich besten Film drehte: Manche mögen‘s heiß – eine bis heute hochgelobte Komödie. In diesem Film singt Marilyn "I Wanna Be Loved by You", neben "Diamonds are a Girl's Best Friend" ihr wohl bekanntester Titel. Ein weiterer wichtiger Film war der bereits 1954 veröffentlichte Western Fluss ohne Wiederkehr, zu dem ein Kritiker bemerkte: „Schwer zu sagen, ob nun die Landschaft oder Marilyn Monroes Schönheit die größere Attraktion ist.“ Dennoch – man geht nicht fehl, in ihr eine der ganz großen Hollywood-Komödiantinnen der 1950er Jahre zu sehen. Und noch etwas ist bemerkenswert: 1955 hatte Marilyn zusammen mit einem Fotografen ihre eigenen Produktionsgesellschaft gegründet – ein zu dieser Zeit sehr ungewöhnlicher Vorgang, der zeigt, dass in der Schauspielerin mehr steckte als die Sexbombe, als die sie bekannt geworden war. Auch lernte Marilyn in New York das Method Acting und schaffte es, dessen Erfinder, den Schauspiellehrer Lee Strasberg, zu ihrem Mentor zu machen.

 

Ein Leben in der Öffentlichkeit

Marilyn – die ihren Namen 1956 offiziell geändert hatte – war mehrfach verheiratet; die Ehe mit dem Baseballstar Joe DiMaggio hielt lediglich  neun Monate. Ganz offensichtlich hatten beide Seiten höchst unterschiedliche Vorstellungen über ihre Rollen; dazu kam, dass sich DiMaggio aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte, während Marilyn 1954 hochaktiv war. Stark beachtet wurde auch ihre Verbindung mit dem Dramatiker Arthur Miller, der durch sein preisgekröntes Stück "Tod eines Handlungsreisenden" berühmt geworden war. Er schrieb für Marilyn das Drehbuch zu "Misfits – Nicht gesellschaftsfähig", das 1960 mit Clark Gable, Montgomery Clift und Eli Wallach verfilmt wurde. Mit diesem Film wollte Marilyn ihr Talent für Charakterrollen weiter ausbauen, das sie bereits zuvor unter Beweis gestellt hatte. Allerdings zerbrach die Ehe zu Miller während der Dreharbeiten, die insgesamt von 1956 bis 1961 dauerte. „Wir hatten es beide nicht geschafft, die Zauberformel zu finden, die das Leben des anderen hätte verändern können“, resümierte dieser rückblickend.

"Misfits – Nicht gesellschaftsfähig" wurde Marilyns letzter vollendeter Film. Sie starb in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962 in ihrem Haus in Los Angeles im Alter von nur 36 Jahren; als Todesursache wurde eine Überdosis zweier verschiedener Schlafmittel diagnostiziert. Ein Selbstmord? Oder ein Komplott? Bis heute haben die Spekulationen über die Umstände ihres Todes nicht aufgehört. Hatte ihr Tod gar etwas mit US-Präsident John F. Kennedy zu tun, dem sie bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt ein erotisch temperiertes Geburtstagsständchen gebracht hatte? Selbst wenn die beiden eine Affäre gehabt hätten – wofür es keine eindeutigen Belege gibt –, wäre diese dem Amtsinhaber wohl kaum gefährlich geworden. Kennedys Neigung zu Seitensprüngen war bekannt. Also doch Selbstmord? Dafür gab es keinen Grund. Gewiss, Marilyn war labil und befand sich in psychiatrischer Behandlung. Sie litt unter Depressionen und trank zu viel, doch trotz geschäftlicher Turbulenzen hatte sie in jeder Hinsicht eine Zukunft. Die Wahrheit ist wohl leider weit weniger melodramatisch – Marilyn Monroe starb, weil sie von  zwei verschiedenen Ärzten mit Schlafmitteln versorgt worden war, deren Wirkung sich in gefährlicher Weise potenzierte. Weder Suizid noch Mord markierten so das tragische Ende von Marilyns Leben, sondern ein folgenschwerer Unfall.

 

Der kalte Glanz der Sterne

Wer früh stirbt, hat weder Gelegenheit alt zu werden, noch die Chance, folgenschwere Fehler zu begehen, die den Nachruhm beeinträchtigen könnten. Entsprechend bleibt Marilyn Monroe im kollektiven Gedächtnis unserer Kultur so jung und so schön, wie sie ihr kurzes Leben lang war. Über die Jahrzehnte hat sich ihr Name wie der eines Markenprodukts eingeprägt. Der Fotograf Bert Stern hatte Gelegenheit, sie kurz vor ihrem Tod ausführlich abzulichten. Die exzellenten Resultate wirken bis heute nach, obwohl der Titel der Bildreihe – "The Last Sitting" – irreführend ist, denn für Marilyn war es keineswegs das letzte Photoshoting; wohl aber für den Fotografen. Unvergesslich sind auch die Gemälde und Grafiken, die Andy Warhol nach einem Pressefoto von ihr anfertigte, oder Salvador Dalís exzentrische Montage einer Marilyn, die mit Mao Tse-tung zusammengeschnitten wurde. Er ist also nicht aufzuhalten – der Ruhm des unehelich gezeugten Mädchens aus einfachen Verhältnissen, das zur Ikone wurde. Und dessen Stern noch immer leuchtet.

 

von Kai Jürgens, wissen.de - Redaktion

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