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Phänomen Zweisprachigkeit

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Schutz vor Demenz

Wie sehr das Gehirn von Zweisprachigkeit profitiert, offenbart sich bei älteren Menschen besonders deutlich. Bei ihnen kann die Jonglage mit zwei Sprachen sogar den Beginn einer Alzheimer-Demenz maßgeblich verzögern. Studien belegen: Im Schnitt dauert es dadurch fünf Jahre länger, bis erste Symptome der Erkrankung spürbar werden.

Der Grund für diese positive Wirkung: Weil das Denkorgan von Zweisprachigen gewohnt ist, stärker gefordert zu sein, entwickelt es eine Art geistige Reserve. Diese ist beim Blick ins Gehirn gut zu erkennen: Wer bis ins hohe Alter zwei Sprachen spricht, verfügt über mehr graue und weiße Hirnsubstanz. Werden einzelne Hirnzellen durch die Demenz zerstört, fallen diese Verluste zunächst weniger ins Gewicht.

Studenten verschiedener Ethnien
Die gute Nachricht: Man muss nicht unbedingt zweisprachig aufgewachsen, auch ein späterer Spracherwerb zeigt noch Wirkung.
Bessere Verknüpfung

Hinzu kommt: Die Hirnregionen sind funktionell auch stärker miteinander verknüpft. Daher können noch gesunde Bereiche zumindest in Teilen die Funktionen der bereits geschädigten Regionen übernehmen. "Das bedeutet, dass zweisprachige Menschen den Verlust von Hirnstrukturen und Hirnfunktionen durch Alzheimer besser kompensieren können", sagt Daniela Perani von der San Raffaele Universität in Mailand.

Übrigens: Um von diesem schützenden Effekt zu profitieren, muss man nicht zwangsläufig zweisprachig erzogen worden sein. Auch wer erst später gelernt hat, zwei Sprachen zu beherrschen, tut seinem Gehirn etwas Gutes. Wichtig ist aber: Die zweite Sprache muss im Alter noch intensiv genutzt werden. Fast vergessenes und nie wieder genutztes Schulfranzösisch bringt hingegen wenig.

DAL, 22.03.2017
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