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Outdoor-Bekleidung: Wie lange halten Funktionsjacken trocken?

Sitzende Frau an felsiger Meeresküste
Gute Regenjacken sind auch nach mehreren Waschgängen noch absolut dicht.
Es gibt eine Vielzahl an Menschen, die – so oft es ihnen die Zeit erlaubt – Outdoor-Aktivitäten nachgehen. Auch im Urlaub wird diese Art der Freizeitgestaltung immer häufiger, sei es bei Spaziergängen, beim Wandern, Bergsteigen und Skilaufen. Zu den am meisten betriebenen Sportarten sowie Aktivitäten im Freien zählen laut einer Statistik aus dem Jahr 2017 in Deutschland folgende:

  1. Fahrrad fahren – 70,3 Prozent
  2. Spazierengehen – 55,1 Prozent
  3. Laufen/Joggen – 45,3 Prozent
  4. Gartenarbeit – 38,7 Prozent
  5. Wandern – 38 Prozent
  6. Gymnastik – 23,5 Prozent

Regentage satt in vielen Regionen Deutschlands

In Deutschland muss häufig mit Niederschlägen gerechnet werden, auch wenn sich die Sommer in der letzten Zeit mit Trockenheit und Hitzewellen präsentieren. Mit 266 Regentagen jährlich liegt beispielsweise Halle an der Saale auf dem wenig ruhmreichen Rang Nummer 1. Gefolgt wird die Stadt von Köln mit 263 und Freiburg mit 218 Tagen Regen im Jahr. Dieser Umstand bremst die Freude zahlreicher Menschen an Outdoor-Beschäftigungen. Wer hat schon Spaß daran, durchnässt durch die Weltgeschichte zu laufen oder Gartenarbeiten zu erledigen?

Auf der anderen Seite steht die Fitness: Wer regelmäßig Sport treibt oder sich bewegt, lebt erwiesenermaßen gesünder. Darüber hinaus gibt es Tierbesitzer, die bei Wind und Wetter außer Haus müssen. Ein Hund verlangt mindestens einmal täglich seinen ausgiebigen Spaziergang, auch Pferde und Co. benötigen jederzeit Versorgung. Steht man außerdem mitten in einer Trainingsphase beim Sport, kann auf Regen oder Hitze keine Rücksicht genommen werden. Wer dann über geeignete Funktionskleidung verfügt, hat mit schlechtem Wetter keinerlei Probleme.

Was bedeutet der Begriff Funktionskleidung

Unter der Bezeichnung Funktionskleidung werden Textilien zusammengefasst, die über bestimmte Eigenschaften verfügen, wofür die Materialkombination sorgt. Zu den wichtigsten Merkmalen zählen der Tragekomfort, das angenehme Körperklima und je nach Einsatz die Wetterfestigkeit. Funktionsbekleidung gibt es sowohl als Jacken und Hosen als auch in Form von Unterwäsche, T-Shirts und Pullover.

Die Vorzüge von Funktionskleidung

Gute Funktionskleidungsstücke besitzen eine optimale Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung. So wird bei körperlicher Anstrengung der Körper weder ausgekühlt noch überhitzt. Des Weiteren spielen Atmungsaktivität, Isolierung, Wind- und Wasserabweisung sowie Wasserdichtigkeit eine Rolle – diese Funktionen richten sich jeweils nach dem Verwendungszweck der Kleidung. In Bezug auf die Wasserdurchlässigkeit wurde eine Norm gefunden, die sogenannte Wassersäule. Der Stoff wird nach bestimmten Kriterien überprüft, wobei die Außenseite des Materials Wasser ausgesetzt wird. Der Wasserdruck beginnt bei Null, je nach Norm wird die Säule um 100 bis 600 Millimeter pro Minute gesteigert. Bahnen sich drei Tropfen durch die Textilien, wird die Zeit gemessen, die das Wasser benötigte, um durch die Kleidung zu dringen. Der in diesem Moment wirkende Druck wird in Millimeter Wassersäule angegeben. So weist beispielsweise Outdoor-Bekleidung ab einer Wassersäule von 10.000 mm eine sehr gute Wasserdichtigkeit auf.

Kind mit Kescher an einem Sandstrand
Regelmäßiges Imprägnieren kann die Lebensdauer einer Jacke erheblich steigern.

Tests von Funktionsjacken

Bei Funktionsjacken gibt es große Unterschiede in der Qualität, nur die wenigsten Produkte halten die Kleidungsstücke über einen langen Zeitraum trocken. In einem Test der Stiftung Warentest wurden 14 Funktionsjacken geprüft, dies fand in einem gläsernen Regenturm statt. Als Ersatz für starken Regen prasselten pro Stunde 450 Liter Wasser auf den Tester, eine Puppe in Lebensgröße, ein. Bekleidet war sie jeweils mit einer Funktionsjacke, Regenhose und einem langärmligen Baumwollshirt. Die Wasserdurchlässigkeit zeigte sich im Laufe des Verfahrens an nassen Stellen auf dem Shirt sowie durch angebrachte Feuchtesensoren. Üblich ist diese Verfahrensweise beispielsweise bei der Feststellung der Regendichte für Berufsbekleidung. Durch die extrem hohe Wassereinwirkung treten Schwachstellen in kürzester Zeit zutage.

Drei von 14 Jacken wirklich regenfest

Nur drei von 14 Jacken bestanden den extremen Regentest, diese jedoch selbst nach fünfmaligem Waschen in der Waschmaschine, also nicht mehr im Neuzustand. Viele Funktionsjacken leckten bereits bei der ersten Runde, nach dem zweiten Durchgang, das heißt, nach den Maschinenwaschgängen, waren 11 Produkte großflächig durchnässt.

Etwas irreführend bei der Wassersäulen-Norm ist, dass lediglich der Wert beziffert wird, ab welchem Wasserdruck die ersten Tropfen durch das Kleidungsstück dringt. Darüber hinaus spielen aber auch weitere Faktoren eine Rolle, darunter die Verarbeitung der Funktionsjacke. Bei zahlreichen Textilien dringt Regen zum Beispiel durch unzureichend oder gar nicht abgeklebte Nähte und ungenügend abgedeckten Reißverschlüsse.

Imprägnierung ist sinnvoll

Outdoor-Regenjacken erhalten durch die sogenannte DWR-Imprägnierung (Durable Water Repellent) Wasserfestigkeit. Diese lässt mit der Zeit automatisch durch mechanische Beanspruchung nach. Eine regelmäßige Imprägnierung sorgt jedoch dafür, dass diese Bestand hat. Von Bedeutung ist das regelmäßige Waschen der Jacke, so bleibt die Funktion der Membran erhalten. Es sollte auch vor einem Imprägnieren erfolgen, was für eine bessere und gleichmäßigere Verteilung des genutzten Produkts sorgt.

Zu den möglichen Varianten gehören Einwasch- und Sprayimprägnierungen. Erstere ist nicht für alle Materialien geeignet, da sie auch die Innenseite beeinflusst und somit die Atmungsaktivität beeinträchtigen. Sprays hingegen können explizit auf der Außenseite einer Jacke angewandt werden, sodass sich stark beanspruchte Stellen sogar verstärkt behandelt lassen.

Fazit

Die Frage, „Wie lange halten Funktionsjacken trocken?“, lässt sich generell nicht beantworten. Zu groß sind die Qualitätsunterschiede, die Belastungen und der Umgang mit den Kleidungsstücken. Als einziger Richtwert kann trotz allem die Wassersäule genutzt werden, die allerdings – wie bereits erwähnt – keine hundertprozentige Aussagekraft in Bezug auf die Regendichte besitzt. Im Bereich der Outdooraktivitäten hat sich eine Wassersäule von 10.000 Millimetern bewährt. Bei diesem Wert finden auch Wind, Bewegung und Dauerbelastung Berücksichtigung. Wer sich zum Spazierengehen, Joggen, Wandern oder Radfahren mehrere Stunden im Regen aufhält, ist mit diesem Wert bei einer Funktionsjacke gut bedient.

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