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Einführung

Organspende

Die amerikanischen Zwillingsbrüder Ronald und Richard Herrick waren gerade erst Anfang 20, als Ärzte bei Richard chronisches Nierenversagen feststellten – zu Beginn der 50er Jahre eine sichere Todesdiagnose. Aber Richard hatte einen ganz besonderen Lebensretter: Sein Bruder Ronald spendete ihm eine seiner Nieren. Am 23. Dezember 1954 entnahm der Chirurg Joseph Murray dem gesunden Bruder eine Niere und setze sie dem kranken ein. Fünfeinhalb Stunden dauerte die risikoreiche Prozedur, die bis noch nie zuvor zu einem Erfolg geführt hatte. Aber Ronald und Richard hatten Glück, denn bei den eineiigen Zwillingen kam es nicht zu den sonst fatalen Abstoßungsreaktionen.

Murray war die weltweit erste erfolgreiche Organtransplantation gelungen. Für diesen bahnbrechenden Erfolg erhielt er 1990 den Nobelpreis für Medizin.

Und so ging es mit den Zwillingen weiter: Aus dem Krankenhaus entlassen, heiratete Richard eine der Krankenschwestern und wurde Vater zweier Kinder, ehe er schließlich 1963 einem Nierenleiden erlag, das allerdings nicht mit der Transplantation in Zusammenhang stand. Sein Bruder Ronald hingegen lebte mit seiner verbliebenen Niere noch viele Jahre. Im Dezember 2010 starb er im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Herzoperation.

Seit der sensationellen Operation der Herricks-Brüder hat sich die Transplantationsmedizin rasant weiterentwickelt. Medikamente unterdrücken wirksam die Abstoßungsreaktionen, moderne Operationsmethoden erlauben die Transplantation zahlreicher Organe – vom Knochenmark über Leber, Nieren und Lunge bis hin zum Herzen können heute Organe von einem Körper in den anderen verpflanzt werden. Viele chronisch Kranke können mit einer Transplantation überleben und sogar ein weitgehend normales Leben führen.

Leider gibt es viel mehr Kranke als Organspender. Rund 11.600 Patienten allein aus Deutschland standen Ende 2011 auf der Warteliste der Stiftung Eurotransplant, die die Organspenden in acht europäischen Ländern koordiniert. Aber nur 2.051 Deutschen wurden 2011 tatsächlich Organe für eine Transplantation entnommen, 1.176 von ihnen nach ihrem Tod. In 866 Fällen fand eine so genannte Lebendspende statt, bei der – wie 1954 bei den Herricks-Brüdern – einem lebenden Spender ein Organ ganz oder teilweise entnommen wird. Diese Art der Organspende ist nur unter nahen Angehörigen erlaubt.

Dass so viele Kranke vergeblich auf eine Transplantation warten, müsste nicht sein – das lässt jedenfalls eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) vermuten. 74 Prozent der 4.001 Personen, die die BzgA 2010 zum Thema Organspende und Organspendeausweis befragte, zeigten sich grundsätzlich damit einverstanden, dass man ihnen nach dem Tod Organe entnimmt. Trotzdem verfügten nur 25 Prozent tatsächlich über einen Organspendeausweis.

Und Sie, haben Sie einen?

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