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Niederlande: Royale Geschichte in vier Städten

Paläste, Grabmäler oder königliche Monumente sind sicher nicht das erste, das den meisten Menschen bei den Niederlanden einfallen würde. Doch das Land von Gouda, Tulpen und Co hat auch eine reiche royale Geschichte zu bieten. Und es gibt vier Städte in Holland, in denen die Geschichte des königlichen Hauses Oranien-Nassau besonders deutlich zutage tritt. Begeben wir uns auf eine Reise auf königlichen Spuren.

Koninginnedag  in Amsterdam
Am Koningsdag bzw. Koninginnedag ist die Farbe des Königshauses von Oranien Trumpf.
Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Jeder Statthalter, König oder Königin hat auf eigene Art und Weise einen Stempel auf die niederländische Kultur gedrückt", erklärt Conrad van Tiggelen vom niederländischen Tourismusverband. "Der Eine hat für Veränderungen der Mode gesorgt, der Andere hat neue Baustile ins Land gebracht oder sich besonders für die Natur eingesetzten. Auch heutzutage ist der Einfluss noch sichtbar: beispielsweise anhand der Landesfarbe Orange."

Vier Städte – eine Geschichte

Besonders gut lassen sich die Spuren der reichen Geschichte des Hauses Oranien-Nassau in den vier niederländischen Städten Den Haag, Delft, Apeldoorn und Breda erkunden. Die Stadt Den Haag ist bereits seit mehreren Jahrhunderten die Residenz der königlichen Familie. In Delft konnte Wilhelm von Oranien sicher unterkommen, die Spanier besiegen und die Basis für die Niederlande, wie wir sie heute kennen, legen.

Auch in Apeldoorn mit dem prächtigen Paleis Het Loo kann man die royale Historie verfolgen. Denn diese Stadt war lange Zeit die zweite Residenz der königlichen Familie. Weniger bekannt ist der Fakt, dass die Wurzeln des Hauses Oranien-Nassau in dem Städtchen Breda in der Provinz Nordbrabant liegen. Dort begann die illlustre Geschichte dieses Königshauses.

Liebfrauenkirche auf dem Marktplatz von Breda
In der Prinzenkapelle der prächtigen Liebfrauenkirche in Breda liegen siebzehn Vorfahren des niederländischen Königshauses bestattet.
Breda: Der Ursprung von Oranien-Nassau

Im Jahr 1403 kam es in dem kleinen Städtchen Breda in Nordbrabant zu einem historischen Bund: Der deutsche Graf Engelbert I. von Nassau-Dillenburg heiratete die Johanna von Polanen aus Breda. Damit war die Basis für das Haus Oranien-Nassau gelegt, das Königshaus der Niederlande. Die Nachkommen dieses Paares sollten später die Könige der Niederlande und auch Herrscher in anderen Teilen Europas werden.

Bis zum heutigen Tage sind in der Stadt noch einige Spuren sichtbar, wie zum Beispiel die Grote Kerk – zu deutsch Große Kirche - die durch die Nassaus gebaut wurde. Darüber hinaus gibt es im Stadtzentrum von Breda diverse beeindruckende Stadtpaläste.  Graf Hendrik III. führte die Renaissance in Breda ein, indem er einen Lehrling des großen italienischen Renaissance-Künstlers Raffael als Architekt für verschiedene Bauten engagierte. Denn das Haus Nassau hatte einen großen Hofstaat und viel Interesse an Kunst, Kultur, Design und Mode.

Hendriks Sohn Renatus von Châlon, ist dafür verantwortlich, dass die Farbe Orange bis zum heutigen Tage mit dem Königshaus verbunden ist: Er wurde durch die Erbschaft des Fürstentums Oranien in Frankreich der erste Prinz von Oranien. Ein noch größerer Ruhm aber wurde seinem Neffen Wilhelm von Oranien zuteil.

Delft: Die Stadt von Wilhelm von Oranien

Delft, eine kleine Stadt in der Provinz Südholland, ist die Stadt von Wilhelm von Oranien. Er gilt in den Niederlanden als "Vater des Vaterlandes", denn er leitete von Delft aus den Aufstand gegen die Spanier, besiegte sie und konnte damit die Basis für die Niederlande als einem unabhängigen Land legen. Er baute einen parlamentarischen Einheitsstaat mit Rechten wie Glaubensfreiheit und freier Meinungsäußerung auf. Wilhelm von Oranien gilt deshalb bis heute in den Niederlanden als "Vater des Vaterlandes" – und Delft als seine Stadt.

Von der Präsenz des Wilhelm von Oranien in Delft zeugt unter anderem der Prinsenhof – ein Palast, in dem der König 1572 Schutz vor den Spaniern fand und in dem er später bis zu seinem Lebensende lebte. Heute ist dieses Gebäude ein Museum, in dem die Geschichte des berühmten Oraniers und "seiner" Stadt zu sehen ist. Neben dem Museum sind in Delft aber noch weitere Orte zu sehen, die einen Bezug zum niederländischen Königshaus haben. In der Nieuwe Kerk (dt. Neue Kirche) sind Mitglieder des Königshauses bestattet, und in der Oude Kerk hat die Hochzeit des vor kurzem verstorbenen Prinzen Johan Friso stattgefunden.

Grabmal Wilhelms von Oranien, Detail der Liegefigur aus Alabaster
Das gewaltige Prunkgrab Wilhelms von Oranien befindet sich im Chor der Nieuwe Kerk in Delft.

Apeldoorn: Zweite Residenz des Landes

Wilhelm III., ein Nachkomme von Wilhelm von Oranien, war ab 1672 Statthalter der Niederlande – und hatte seine ganz eigenen Ortsvorlieben. Denn er ließ sich in dem bis dahin eher kleinen Ort Apeldoorn in der Provinz Gelderland einen barocken Palast erbauen, den "Paleis het Loo". Der Grund: Er nutze das nahegelegene Veluwe, das größte Waldgebiet der Niederlande, als Jagdgebiet und der Palast in Apeldoorn bot ihm und seinen Gästen dafür eine nahegelegene und standesgemäße 'Unterkunft. Nach seiner Krönung mit seiner Ehefrau Königin Mary II. in London, ließ er diesen noch erweitern.

Paleis het Loo wurde später im Grundgesetz als offizielle Sommerresidenz der Könige der Niederlande angegeben und war somit lange Zeit die zweite Residenz des Landes. Die Anziehungskraft der jährlich monatelang anwesenden königlichen Familie, dem Hofstaat, königlichen Gästen aus dem In- und Ausland und das Kommen und Gehen von Ministern und Diplomaten hatte eine große Bedeutung für die Stadt mit heute fast 160.000 Einwohnern.

Het Loo ist heute ein Museum mit wechselnden und festen Ausstellungen in originalgetreu eingerichteten Zimmern. Derzeit wird der Palast allerdings renoviert und erweitert und ist damit nicht für Besucher zugänglich. Allerdings sind die Gärten, Stallungen und Restaurants weiterhin geöffnet und einen Besuch wert. Auch das Dach des Palastes kann erklommen werden - von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Schlossgärten und die Umgebung.

Luftbild von Schloss und Park Het Loo
Das Schloss Het Loo bei Appeldoorn ist auch als das Versailles der Niederlande bekannt.

Den Haag: Schon Jahrhunderte königliche Residenz

Die königliche Kutschfahrt durch Den Haag und die Balkonszene an jedem dritten Dienstag des Septembers sind für die Niederländer vertraute Bilder. Sie stehen für den "Prinsjesdag" – den Prinzentag. Es ist einer der wichtigsten Feiertage der niederländischen Politik, an dem der König die Thronrede hält und die politischen Leitlinien des kommenden Jahres vorträgt. Alle Augen sind an diesem Tag auf den Hofstaat gerichtet.

Aber auch das restliche Jahr hindurch kann man in Den Haag auf den Spuren der Oranier wandeln. Bis heute verfügt die Innenstadt über alles, was zu einer königlichen Residenz gehört: historische Monumente, Wohn- und Arbeitspaläste und das stimmungsvolle Hofkwartier, das Hofviertel. Eine eigene Wanderroute führt unter anderem entlang des Paleis Noordeinde, dem Arbeitsplatz des Königs, entlang des Winterpalastes von Königin Emma, dem heutigen Museum Escher in het Paleis, dem Paleis Kneuterdijk wo König Willem II und seine Frau Anna Paulowna wohnten und entlang verschiedener Monumente, Kirchen und Gärten.

Das Band zwischen Den Haag und dem Königshaus geht zurück bis in das Jahr 1585, in welchem sich Prinz Moritz von Oranien, Sohn von Wilhelm von Oranien und späterer Statthalter, auf dem Binnenhof sesshaft machte. Er zog in das Stadhouderlijk Kwatier ein und baute die nach ihm benannten Mauritstürme. Seitdem ist Den Haag die königliche Residenz. Eine richtige Hofkultur entstand allerdings erst durch den Nachfolger von Moritz, seinem Halbbruder Prinz Frederik Hendrik.

Goldene Kutsche vor dem Palais Noordeinde in Den Haag
Auftakt zum Prinsjesdag: Der Monarch fährt mit einer goldenen Kutsche von seinem Amtssitz, dem Paleis Noordeinde, zum Rittersaal.
DAL, 09.08.2018
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