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Neues Zeitalter: Leben wir bereits im Anthropozän?

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Menschen beeinflussen das Klima

Inzwischen sind sich nahezu alle Wissenschaftler einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist – und damit unzweifelhaftes Indiz für unseren verändernden Einfluss. Der Hautgrund für die Veränderung des Klimas ist der verstärkte Eintrag von CO2 in unsere Atmosphäre. Dafür ist vor allem die Verbrennung von fossilen Rohstoffen wie Kohle, Erdgas und Erdöl zuständig. Diese Verfahren nutzt der Mensch seit Mitte des 19 Jahrhunderts nahezu kontinuierlich. Andere Faktoren, die den Klimawandel fördern, sind Landnutzungsveränderungen und die Landwirtschaft.

Für all diese Dinge ist der Mensch verantwortlich. Damit sorgt er für die weltweite Erhöhung der Temperatur, das Schmelzen der Gletscher, den damit verbundenen erhöhten Meeresspiegel und die Versauerung der Meere. Das wiederum verändert die Lebensbedingungen, nicht nur für den Menschen. Während sich einige Lebewesen an die Bedingungen anpassen und sich rasant vermehren, könnten andere Tiere oder Pflanzen aussterben.

Müllldeponie
In praktisch jedem Land der Erde finden sich Mülldeponien, die der Umwelt weit über unsere persönliche Lebenszeit hinaus erhalten bleiben.
Indizien unseres Konsums

Auch Produkte, die der Mensch nutzt, zeugen unzweifelhaft von unserer Gegenwart auf diesem Planeten. Denn die Reste unseres Konsums bleiben der Umwelt noch über unsere persönliche Lebenszeit hinaus erhalten. Dazu gehören Plastik, Aluminium oder auch Baureste, die sehr lange brauchen, bis sie vollständig zersetzt sind. Die Stoffe setzen sich in den Erdschichten ab – und hinterlassen so sichtbare Spuren unserer Existenz.

Die Abgase unserer Industrie und der Einsatz chemischer Stoffe in der Landwirtschaft verändert unsere Umwelt ebenfalls. Pestizide und Schwermetalle finden sich inzwischen selbst im Gletschereis der Arktis. Die jahrzehntelang in der Atmosphäre bleibenden Überreste von Treibgasen und Kühlmitteln haben die Ozonschicht des Planeten stark geschädigt.

Traktor beim Aufbringen von Pestiziden
Durch den Einsatz von Chemikalien und die Zerstörung von Lebensräumen sind ebenfalls viele Tiere in Gefahr.
Das sechste große Artensterben

Auch an der Tier- und Pflanzenwelt lässt sich der prägende Einfluss des Menschen ablesen. Tier- oder Pflanzenarten an anderen Orten der Welt anzusiedeln, mag sich erst einmal nach nichts Schlimmem anhören, doch tatsächlich kann es gravierende Folgen haben. Denn die Tiere und Pflanzen gelangen so an Orte, an denen sie keine natürliche Konkurrenz oder Fressfeinde haben. Dadurch sind sie heimischen Arten gegenüber im Vorteil und können sich rasant vermehren. Als Folge verdrängen und gefährden sie häufig die alteingesessenen Spezies und können sogar ihr Aussterben verursachen.

Durch den Einsatz von Chemikalien und die Zerstörung von Lebensräumen sind aber ebenfalls viele Tiere in Gefahr. So wird zum Beispiel das Bienensterben unter anderem auf den Einsatz von Pestiziden zurückgeführt. Die Rodung von Wäldern und die Umwandlung von Landflächen in Felder oder Siedlungsfläche nimmt zudem vielen Arten ihren Lebensraum. Angesichts des weltweiten Artenschwunds sprechen viele Biologen bereits vom sechsten großen Artensterben der Erdgeschichte – auch das wäre ein Indiz für einen Epochenwechsel.

All diese Kriterien sprechen nach Ansicht vieler Wissenschaftler für den Anbruch eines neuen Zeitalters, des Anthropozäns. Es gibt jedoch auch Forscher, die dies kritisch sehen. Sie befürchten, dass die Diskussion eher politisch motiviert ist. Dadurch könnten die geologischen Kriterien, die ein neues Zeitalter begründen, in den Hintergrund geraten.

HDI, 26.10.2016
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