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Nelson Mandela: Ein Leben für die Freiheit

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Blick vom Tafelberg auf Robben Island
Blick vom Tafelberg auf die rund zwölf Kilometer vor Kapstadt gelegene Insel Robben Island, auf der Mandela einen großen Teil seiner Haftzeit verbrachte.
Ein Idol in Haft

Nelson Mandela und sieben weitere ANC-Mitglieder werden schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt. 27 Jahre seines Lebens wird er nun hinter Gittern verbringen, einen Großteil davon auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island im Atlantik, etwa zwölf Kilometer vor Kapstadt. Als Gefangener mit der Nummer 466/64 wird er zur eingekerkerten Figur des Freiheitskampfes und der Demokratie - und erfährt von Aktivisten auf der ganzen Welt Unterstützung.

Gegen Ende der 1980er Jahre wendet sich auch in Südafrika selbst langsam das Blatt. Präsident Pieter Botha erkennt, dass sich sein Land die durch die Apartheid entstandene wirtschaftliche und politische Isolierung nicht länger leisten kann. Heimlich trifft er im Gefängnis mit ANC-Führer Mandela zu Verhandlungen zusammen. Sein Nachfolger Frederik de Klerk führt diesen Ansatz fort: Er kündigt im Februar 1990 weitreichende Reformen zur Aufhebung der Apartheidsgesetze an, hebt das Verbot des ANC und weiterer Organisationen auf und entlässt Mandela und andere politische Gefangene aus der Haft.

Friedensverhandlungen und ein Nobelpreis

Nach seiner Freilassung nutzt Nelson Mandela seine Popularität, um sich weiter für ein Ende der Apartheid einzusetzen - und die Menschen unterschiedlicher Hautfarben miteinander zu versöhnen. "Wenn sie zu hassen lernen können, dann kann ihnen auch gelehrt werden zu lieben", ist er überzeugt. Wohl auch deshalb ist er sofort dazu bereit, die unter Botha begonnenen Gespräche mit de Klerk fortzuführen und einen Friedensvertrag auszuhandeln.

Für ihre Bemühungen werden die beiden Politiker 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und tatsächlich gelingt es ihnen nach zahlreichen Rückschlägen schließlich, eine Einigung herbeizuführen: Im neugegründeten "Konvent für ein demokratisches Südafrika" wird über eine neue Verfassung beraten und ein Termin für demokratische Wahlen beschlossen.

Mandela an der Wahlurne, 1994
Nelson Mandela bei der Stimmabgabe während der Parlamentswahlen im April 1994.
Der erste schwarze Präsident

Bei den Parlamentswahlen im April 1994 erreicht der ANC mit über 62 Prozent der Stimmen einen überwältigenden Sieg - Nelson Mandela wird der erste schwarze Präsident Südafrikas. Damit hat das menschenverachtende Regime der Apartheid endlich ein Ende. Zumindest vor dem Gesetz sind Schwarze und Weiße in dem Land an der Südspitze des afrikanischen Kontinents nun gleichgestellt.

Doch Nelson Mandelas langer Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit ist noch längst nicht zu Ende. Auch während seiner Amtszeit als südafrikanischer Präsident setzt sich der "Unruhestifter" weiter gegen politische Ungerechtigkeiten ein - zuletzt auch im Irak-Krieg.

Noch nicht am Ziel

Sein letzter öffentlicher Auftritt findet während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika statt. Am 5. Dezember 2013 stirbt Nelson Mandela im Alter von 95 Jahren an einer Lungenentzündung. "Was im Leben zählt, ist nicht, dass wir gelebt haben. Sondern, wie wir das leben von anderen verändert haben", hat Südafrikas Held einmal gesagt.

Durch seinen Freiheitskampf hat er das Leben von Millionen von Menschen verändert und ein ganzes Land bewegt. Heute, fünf Jahre nach seinem Tod, ist Südafrika eine grundlegend andere Nation als vor 25 Jahren - im Positiven. Dennoch ist es wohl noch nicht das Land, das sich Mandela in seinen Träumen vorgestellt hat. Korruption, Kriminalität und die gewaltige Diskrepanz zwischen Arm und Reich drohen Südafrika erneut zu spalten. Auch Rassismus ist in der selbsternannten Regenbogennation noch immer ein Thema.

DAL, 18.07.2018
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