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Nachgefragt: Wie schützt man sich vor Fakenews und -trends im Netz?

Das Internet ist leider kein vollständig ehrlicher Raum. Zu jeder Zeit grassieren dort auch falsche/überzogene Meldungen, forcierte Trends, künstlich gehypte Produkte – oft sehr gut verschleiert. Was kann man dagegen tun?

Symbolbild Fakenews
Das Netz hat es leicht gemacht, Falsches zu verbreiten, Dinge künstlich zu hypen.
Auch wenn das berühmte Webster’s Dictionary den Begriff Fakenews tatsächlich bereits 1890 erstmals erwähnte, verbinden wir ihn doch mit allerjüngsten Zeiten. Wahlkämpfe, politische Diskussionen, soziale Medien, Influencer: Überall gibt es zumindest den Verdacht, dass das, was wir zu sehen bekommen nicht die Neutralität beinhaltet, die man annehmen sollte.

Tatsache ist: Fakenews und -trends sind keine Erfindung, sondern traurige Realität. Und ihre Macher verstehen sich exzellent darauf, sie als echt auszugeben. Es liegt an jedem Einzelnen, dafür zu sorgen, dass er diesen Maschen nicht auf den Leim geht. Der folgende Artikel zeigt die wichtigsten Tricks dafür.

1. Ein Blick hinter den Ersteller

Alles im Netz wurde ursprünglich von einem Menschen erstellt. In vielen Fällen lässt sich dieser herausfinden. Etwa durch einen Blick ins Impressum – dazu ist es auch wichtig, beispielsweise nicht nur auf ein gepostetes Bild mit Satzfragmenten/Kurz-Aussagen zu reagieren, sondern auf den, falls angegebenen, Link zu klicken und sich die Seite anzuschauen.

Und: Den Namen eines solchen Erstellers bzw. seiner Plattform kann man natürlich auch googeln und so wertvolle weitere Informationen darüber bekommen. Und egal woher man sonst eine Nachricht oder Empfehlung bekommen hat: Nachfragen, woher derjenige sie hat.

Besonders in sozialen Netzen ist diese Vorgehensweise wichtig: Oftmals werden Fakes von Accounts verbreitet, die sich leicht durch offensichtlich falsche Namen und/oder eine geringe Anzahl von Followern, Freunden usw. auszeichnen. Ist das der Fall, sollte man kritisch sein.

Übrigens: Profilbilder solcher Menschen kann man über die Google-Bildersuche rückwärtssuchen. Oft erkennt man dann direkt, dass da jemand nur ein Bild aus dem Netz heruntergeladen hat.

2. Doppel-Check der Aussage

Während der Corona-Krise ging eines der klassischen Beispiele für Fakenews durch die WhatsApp-Welt: Eine Sprachnachricht einer angeblichen Mutter, deren Kern darin bestand, dass die Sprecherin behauptete, die Uni Wien habe herausgefunden, dass das Medikament Ibuprofen die Virenvermehrung anfeuere.

Nach ähnlichem Muster funktioniert jede Fakenews: Seriös klingender Hintergrund, eine plausibel klingende Meldung. Fertig ist ein Produkt, das jeder unkritische Medienkonsument „schluckt“.

Dabei ist es so einfach: Man muss lediglich die zentralen Inhalte einer Meldung googeln. Hier „Uni Wien“, „Corona“ und „Ibuprofen“. Dabei kann man sich mittlerweile auch darauf verlassen, dass die etablierten Medien sehr feinfühlige Antennen haben und oftmals die ersten sind, die Fakenews entlarven.

3. Blick auf Nachweisportale

Diejenigen, die etwas Einseitiges verbreiten wollen, etwas, das nicht völlig stimmt oder auch andere schlecht aussehen lässt, sind beileibe keine Laien mit zu viel Zeit. Im Gegenteil, sowohl bei Fakenews wie forcierten Trends stehen dahinter sehr häufig Unternehmen, teils sogar staatliche Akteure; vor allem bei ersterem.

Bedeutet, diese Kreise sind sehr gut darin, ihre Agenda zu pushen, weil sie selbst auf kritische Geister logisch wirkt. Hier kann man deshalb nur raten, Nachweisportale zu konsultieren. Für diverse Online-Angebote ist dabei das Portal Nachgefragt federführend. Sofern es um Nachrichten geht, ist Correctiv der richtige Ansprechpartner – ein gemeinnütziges Recherche-Netzwerk.

4. Nicht blind glauben

Die jüngere Geschichte hat uns gelehrt, dass es oft der kleine Nebenakteur in Form des Whistleblowers ist, der Missstände veröffentlicht. Leider haben diese Aktionen dazu geführt, dass mittlerweile viele solchen Nebenakteuren besonders hohe Glaubwürdigkeit beimessen – der Hauptgrund dafür, warum wir dazu neigen, Influencern mehr über Produkte zu glauben als der Werbung, oder einem Facebook-Bekannten mehr als einem großen Nachrichtenportal.

Dennoch ist es ein zentraler Dreh- und Angelpunkt, solchen Akteuren nicht blind zu glauben. Egal wie gut die Argumente klingen, egal wie ehrlich die Person wirkt, egal wie gut man sie kennt.

Die Pressewelt mag nicht perfekt sein – das ist keine Branche. Aber man kann sich darauf verlassen, dass man, indem man mehrere Portale (große und kleine) konsultiert, alle Nachrichten von Belang erfahren wird. Und sollte etwas, das ein Nebenakteur verbreitete, tatsächlich wahr sein, werden die Medien – mit ihren schon aus Eigenschutz leistungsfähigen Recherche-Fähigkeiten – es zeitnah ebenfalls melden.

5. Nicht vor Verifizierung teilen

Praktisch jedes Portal, auch wir bei wissen.de, macht es den Usern leicht, Meldungen über unzählige Kanäle zu teilen. Ein absolut wichtiger Faktor für Wissensvermehrung. Aber: Viele, die Falschmeldungen in Umlauf bringen, nutzen diese Tatsache schamlos aus.

Denn wo es ein Leichtes ist, Meldungen, Produktempfehlungen usw. zu teilen, können sie sich darauf verlassen, dass viele es tun werden. So wird selbst aus einer hanebüchenen Meldung wie der Eingefärbten Tagesschau-Wetterkarte eine enorm hartnäckig viral durch das Netz geisternde Fakenews.

Brechen kann man diese virale Verkettung, ähnlich wie bei einem echten Virus nur, indem man nicht selbst zur Verbreitung beiträgt. Heißt:

Niemals etwas gedankenlos weiter-teilen, bevor man es nicht selbst verifiziert hat.

Das ist tatsächlich eine der wichtigsten Handlungsanweisungen überhaupt, um die Macht des Fakes zu brechen.  

6. Die Natur der Message betrachten

Jede Botschaft hat eine Tendenz. Sie kann ein Produkt gut aussehen lassen, kann Zu- oder Abneigung gegen Bevölkerungsgruppen ausdrücken – es gibt tausende Möglichkeiten. Sie alle eint jedoch die Tatsache, dass man umso kritischer sein sollte, je tendenziöser und emotionaler die Botschaft ist.

Das beste Produkt, das ich je hatte“ ist eine so tendenziöse Botschaft. Ähnliches gilt bei Nachrichtenmeldungen. Der Hauptgrund, warum Menschen Fakenews erstellen, ist der Wunsch nach einer Beeinflussung. Wahlweise großer Menschenmassen oder auch nur einer bestimmten Klientel.

7. Konsequent Gegendarstellung betreiben

Eine falsche Nachricht verbreitet sich mit etwas Pech binnen weniger Minuten um den ganzen Globus und ist nach einigen Stunden viral. Bis jedoch ähnlich viele Menschen vom Gegenteil, der Falschheit der Meldung, überzeugt werden, können Monate ins Land gehen, sogar Jahre.

Das liegt vor allem daran, dass zu viele Menschen, selbst wenn sie wissen, dass etwas Fake ist, dem gegenüber dann eine neutrale Haltung annehmen. Man sieht zwar vielleicht, dass ein Facebook-Freund sie weiterhin teilt, man tut aber nichts.

Dazu passt ein sehr altes Sprichwort:

"Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun."

Klingt im Falle von Fakenews und -trends vielleicht etwas überspitzt, hat aber einen wahren Kern: Sie sind nur deshalb so schwer auszurotten, weil selbst Leute, die wissen, dass es Fake ist, zu wenig unternehmen.

Dabei kann es so einfach sein: Man sieht bei Facebook etwas, das ein Bekannter teilt und das ganz offensichtlich falsch ist. Dann muss man sich nur einen Augenblick Zeit nehmen und genau das darunter kommentieren: „Diese Meldung ist falsch, weil…“ und dann gibt man seine Recherche-Ergebnisse und vielleicht ein Paar Links zu vertrauenswürdigen Seiten an. Schon sieht jeder, der ebenfalls diese geteilte Fakenews in seinem Feed erblickt, automatisch auch die Richtigstellung – die ihn zumindest kritischer gegenüber der Botschaft machen wird.

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