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Mythos Marlene

Marlene Dietrich

Das zwiespältige Verhältnis

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Fürchte ich mich vor faulen Tomaten? Nein, faulige Eier wären schlimmer, denn die bekäme man nicht wieder aus meinem Schwanendaunen-Umhang heraus. Selbstbewusst und sichtlich unbeeindruckt von den Marlene go-home-Plakaten, die ihr aufgebrachte Landsleute entgegenhalten, präsentiert sich Marlene Dietrich 1960 in Berlin. Seit dem letzten offiziellen Auftritt in ihrer Geburtsstadt sind fast 30 Jahre vergangen. Sie weiß, dass auf ihre beispiellose Weltkarriere hier mit Neid und Missgunst und auf ihren Einsatz in der amerikanischen Truppenbetreuung sogar mit Hass und Verachtung reagiert wird. Doch die Dietrich stellt sich. Als sie am Schluss der Auftritts im Titania-Palast das Lied Ich hab noch einen Koffer in Berlin anstimmt, erheben sich mit Willy Brandt auch die anderen Zuschauer. Am nächsten Tag haben sich die Wogen weitestgehend geglättet, doch das Verhältnis zwischen Deutschland und Marlene Dietrich bleibt gespannt - bis zu ihrem Tod und darüber hinaus.

 

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von Thorsten Stegemann
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