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Mit Rad und E-Bike sicher durch den Winter

Minusgrade, Glätte, Schnee und schlechte Sicht: Im Winter mit dem Fahrrad oder E-Bike zu fahren, ist noch gefährlicher als in der warmen Jahreszeit. Andere Verkehrsteilnehmer können einen in den dunklen Tagen schnell übersehen und die Zweiräder rutschen leichter aus. Wie kann man trotzdem sicher Rad fahren? Ein TÜV-Experte gibt Tipps und Tricks für das sichere Fahren bei Kälte und Matsch.

Radfahren auf verschneiter Fahrbahn
Das Fahren auf nassen, matschigen und oft glatten Straßen hat seine Tücken - gerade für Zweiradfahrer.

Fahrrad und E-Bike werden als Verkehrsmittel gerade in der Stadt immer beliebter. Viele Menschen nutzen ihre Zweiräder auch jetzt im Winter für den Weg zum Einkaufen, zur Arbeit und bald auch wieder zur Schule. Denn gerade in Zeiten der Corona-Pandemie bietet das Radfahren mehr Schutz vor Ansteckung als beispielsweise volle Busse oder Straßenbahnen.

Doch das Fahren auf nassen, matschigen und möglicherweise sogar glatten Straßen hat seine Tücken – gerade für Zweiradfahrer. Es gibt aber einige Tipps und Tricks, mit denen man auch per Fahrrad und E-Bike sicherer durch den Winter kommt.. " "Mit gewissenhafter Vorbereitung ist das 'Durchfahren' in den Wintermonaten gut möglich", sagt Frank Schneider vom TÜV-Verband. 

Generell gilt: Fahrradfahren im Winter ist durchaus möglich und sinnvoll, bei sehr ungünstigen Wetterbedingungen wie Glatteis oder starkem Schneefall sollten Verkehrsteilnehmer aber besser auf die Fahrradfahrt verzichten.

Bremsbeläge rechtzeitig prüfen und tauschen

Mit am Wichtigsten für die Fahrsicherheit im Winter sind die Bremsen. Der Experten rät daher, die Bremsbeläge regelmäßig überprüfen und wechseln zu lassen – egal ob Felgen- oder Scheibenbeläge. Das gilt ganz besonders für Fahrräder mit elektrischem Antrieb. "Die Bremsbeläge von E-Bikes werden durch das höhere Gewicht und die schnelleren Geschwindigkeiten stärker beansprucht", erklärt Schneider. 

"Bremsbeläge sollten mindestens einmal im Jahr kontrolliert werden. Bei Felgenbremsen sehen Radfahrer den Verschleiß mit eigenen Augen: Wenn der Belag so weit abgenutzt ist, dass die Rinne eben ist oder die Bremswirkung spürbar nachlässt, ist es Zeit für einen Wechsel. Scheibenbremsen, mehr noch bei hydraulischen Systemen, sind bei der Wartung etwas anspruchsvoller. Hier wird nach etwa 1.000 Kilometer Fahrt eine Überprüfung in einer Fachwerkstatt notwendig“, so der Experte.

Kontrolliert werden sollte zudem auch immer, ob die Bremse richtig eingestellt ist, die Bremsbeläge dürfen während der Fahrt nicht schleifen.

Sitzposition an den Winter anpassen

Was viele nicht wissen: Auch die  Sitzposition beeinflusst, wie stabil man sich mit Fahrrad oder E-Bike durch winterliche Straßen bewegt. Im Winter empfiehlt sich deshalb eine andere Position als im Sommer: Bei Matsch, Eis und Schnee ist es besser, , den Sattel etwas tiefer einzustellen. Dadurch bekommt der Radfahrer einen tieferen Schwerpunkt und das Rad ist trotz nasser und eventuell glatter Straßen einfacher zu beherrschen. Zudem steht man im Falle eines Ausrutschens schneller mit beiden Beinen auf dem Boden.

Und um nicht durch nasse Schuhsohlen auf Plastikpedalen den Halt zu verlieren, können die Pedalen mit einem feinen Schmirgelpapier leicht aufgeraut werden.

Für E-Bike-Fahrende empfiehlt sich bei widrigen Wetterverhältnissen die Fahrt mit einer kleineren Unterstützungsstufe. Bei Nässe und Glätte kann es beim Anfahren und beim Beschleunigen mit starker Unterstützungsstufe zu Unfällen kommen, wenn das Antriebsrad durchdreht und wegrutscht.

E-Bike mit Schlittenanhänger
Wer im Winter nicht mit dem E-Bike unterwegs ist, sollte den Akku besser in der Wohnung oder einem wärmeren Keller aufbewahren.

Licht für Sicht und Sichtbarkeit

Gerade im Winter wird es spät hell und früh wieder dunkel. Wer mit dem Fahrrad oder E-Bike zur Arbeit fährt, ist daher meist im Dunkeln unterwegs. Wer dann ohne Licht oder mit einer zu schwachen "Funzel" fährt, gefährdet sich und andere Verkehrsteilnehmende. "Glücklicherweise hat der Seitendynamo größtenteils ausgedient", sagt Schneider. "Vor allem bei Regen ist auf diese Beleuchtungsanlage kein Verlass. Nabendynamos oder LED-Scheinwerfer funktionieren dagegen zuverlässig und sind leistungsstark. Fahrradfahrer mit Seitendynamo sollten daher schnellstens umrüsten, denn zu den standardmäßigen Funktionen der neueren Lichtanlagen zählt auch ein Standlicht."

Zudem sollten Radfahrer vor jeder Fahrt überprüfen, ob ihr Licht noch funktioniert. Beim Vorderlicht fallen Störungen automatisch auf, aber eine Kontrolle des Rücklichts wird häufig vergessen. Während der Nabendynamo am herkömmlichen Fahrrad mit der eigenen Tretkraft Spannung erzeugt, speist sich die Beleuchtung am E-Bike durch Strom aus dem Akku. Die Batterie sollte also auch dann aufgeladen sein, wenn man ohne Motorunterstützung fahren möchte.

Reifendruck optimieren: Weniger ist mehr

Anders als beim Auto ist ein Reifenwechsel im Winter bei Fahrrädern und E-Bikes nicht nötig. Standardreifen können das ganze Jahr über genutzt werden. Wichtig sind aber ein gutes Profil, ein intakter Schlauch und der richtige Reifendruck. "Viele Fahrradfahrer sind ganzjährig mit zu wenig Luft in den Reifen unterwegs", sagt Schneider. "Im Winter kann ihnen diese Nachlässigkeit jedoch zugutekommen."

Der Grund: Bei platteren, weniger gut aufgepumpten Reifen vergrößert sich die Auflagefläche des Reifens auf dem Boden und die Gefahr auszurutschen wird verringert.  Zu wenig ist dabei allerdings auch nicht gut, denn das kann die Felgen schädigen. Auf der Reifenflanke können Radfahrende den minimalen Reifendruck ablesen, dieser sollte auch im Winter nicht unterschritten werden. Sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen, sollten die Reifen wieder stärker aufgepumpt werden.

Akku vor Kälte schützen

Pedelec-Fahrer sollten auch den Akku warten, damit dieser die kalte Jahreszeit unbeschadet überstehen. "Nässe ist für die Akkus von E-Bikes grundsätzlich kein Problem", sagt Schneider. „Kälte jedoch setzt dem Lithium-Ionen-Akku zu.“ Bei Frost sollte er deshalb nicht draußen am Rad gelassen werden, sondern besser in der Wohnung oder einem wärmeren Keller aufbewahrt werden, ansonsten verliert er an Leistungsfähigkeit und maximal nutzbarer Kapazität.

"Wenn der Akku unterkühlt ist, sollte er zuerst langsam auf etwa 20 Grad Celsius erwärmt werden oder erstmal mit dem geringsten Assist-Level genutzt werden", erklärt der Experte. Gleiches gilt auch für das Aufladen. "Einige Systeme verhindern den Ladevorgang sogar automatisch, wenn der Akku zu kalt ist."

Auch wenn das Pedelec im Winter nicht genutzt wird, sollte man den Akku vor niedrigen Temperaturen schützen und darauf achten, dass der Akku sich nicht vollständig entlädt. Bevor die Ladung unter 30 Prozent fällt, sollte man den Akku immer mal wieder nachladen und auf die Herstellerempfehlung achten.

Quelle: Verband der TÜV e.V. (VdTÜV)

VdTÜV / ABO, 28.01.2021
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